St. Tönis: „Blaue Damen“ brauchen Stärke

St. Tönis : „Blaue Damen“ brauchen Stärke

Der ehrenamtliche Besuchsdienst im Krankenhaus der Alexianer verlangt den „Blauen Damen“ viel ab. Was macht ihre Arbeit aus?

„Uns geht es gut, da wollten wir anderen Menschen, denen es nicht so gut geht, etwas zurückgeben“, sagt Edith Dicken, seit 2017 ehrenamtliche Leiterin des sogenannten Krankenhausbesuchsdienstes, wie die „Blauen Damen“ des Alexianer-Krankenhauses in St. Tönis offiziell heißen. Zehn Damen, allesamt Rentnerinnen, verrichten ehrenamtlich einen besonderen Dienst am Patienten: Sie kommen dienstags und freitags ins Krankenhaus und kümmern sich liebevoll zwischen 10 und 12 Uhr um die Kranken. 27 Jahre gibt es die „Blauen Damen“ schon, die so heißen, weil sie einen hellblauen Kittel überstreifen, damit man sie sofort erkennen kann.

Zehn Jahre davon ist Dicken schon dabei. Sie war Sekretärin, ehe sie in den Ruhestand trat, und hatte mit dem Krankenhaus bis dahin nichts zu tun. Im Altenheim hatte sie aber bereits früher alten Menschen geholfen und zum Beispiel den Rollstuhl geschoben, wenn keine Angehörigen dafür vorhanden waren. Auch ihr Mann ist ein Ehrenamtler: Horst Dicken ist der Vorsitzende des Bürgerbus-Vereins.

Die „Blauen Damen“ sind
immer in Vierer-Teams unterwegs

Fünf Jahre dabei ist die gelernte Krankenschwester Ursula Block, die Stellvertreterin von Dicken. Sie arbeitet auch noch im ambulanten Hospiz Viersen mit. Jeweils vier „Blaue Damen“ sind gleichzeitig an den Dienstagen und Freitagen im Krankenhaus St. Tönis im Einsatz. Die Damen gehen von Zimmer zu Zimmer, begrüßen die Patienten fragen, ob sie helfen können. Das kann praktische Hilfe sein, etwa beim Bestellen eines Telefons auf das Krankenzimmer, oder wenn ein Patient nach dem Priester fragt. Man hilft auch beim Verlassen des Krankenhauses und dem Übergang in den Alltag, den vor allem allein lebende Menschen oft nur mühsam organisieren können.

Meist aber geht es um etwas ganz anderes: „Wir sind für die Seele da, hören den Kranken zu und helfen ihnen, mit ihrer Krankheit besser fertig zu werden“, sagt Dicken. So werden die „Blauen Damen“ zum Bindeglied zwischen Patienten und Schwesternschaft. Die Krankenschwestern haben für diese Art der Zuwendung in ihrem stressigen Alltag einfach keine Zeit übrig.

Die Frauen sind auch
direkt mit Leid konfrontiert

Wie schön, dass es Damen gibt, die da ganz uneigennützig einspringen und Hilfe anbieten. „Wir geben viel, aber wir bekommen auch ganz viel zurück“, betont Block. „Kürzlich begrüßte uns ein Patient mit den freundlichen Worten: Da kommt der Blaue Engel!“ Das freut die Damen, wenn man ihre Arbeit derart zu wertschätzen weiß. Zart besaitet sein dürfe man in dieser Tätigkeit aber nicht: „Wir hören viele Leidensgeschichten und die Patienten tun uns dann auch sehr leid, aber wir müssen aufpassen, dass wir nicht zu viel von den Problemen mit nach Hause nehmen, sonst würden wir diese Art der Tätigkeit nicht aushalten,“ sagt Dicken.

Nach getaner Arbeit trifft man sich in der schönen Cafeteria des Krankenhauses zum Gedankenaustausch und kann dann schon wieder ganz viele Leidensgeschichten ausblenden. Dass sie bei allem, was die Kranken ihnen anvertrauen, nichts an Dritte weitergeben dürfen, ist klar: Auch die „Blauen Damen“ unterliegen der Schweigepflicht.

Und manchmal sind sie auch der unverdiente Puffer für Emotionen, die sie dann stellvertretend treffen, wenn die Stimmung des Kranken gerade auf dem Tiefpunkt ist. Da haben die Damen aber viel Verständnis, weil sie sich in die Lage der Patienten versetzen können. Aber innere Stärke haben die „Blauen Damen“ alle nötig – und besitzen sie auch.

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