Bistum schützt Kerkhoff

Hat der aus Willich stammende Geistliche Kinder missbraucht? In Aachen liegen dazu keine Erkenntnisse vor.

Willich/Kreis Viersen. Der Fall des Pfarrers Georg Kerkhoff zieht Kreise. Und wirft Fragen auf, drängende Fragen. Was wusste die Kirche? Warum reagierte das zuständige Bistum Aachen so spät? Wie sahen betroffene Eltern das Verhältnis des Geistlichen zu ihren Kindern?

"Ich fand, dass er ein ganz moderner Geistlicher war", sagt der Vater des heute 20-jährigen Moritz. Der junge Mann aus einer Kleinstadt im Kreis Viersen hatte über eine ganze Weile näheren Kontakt zu Kerkhoff, hatte sich allerdings nach eigenem Bekunden Annäherungsversuchen konsequent widersetzt.

Seinen Eltern fiel (zunächst) nichts auf. "Gegen Saunagänge in eine öffentliche Sauna fand ich nichts einzuwenden", sagt der Vater. Er und seine Frau seien selbst Saunagänger. Allerdings, in die privaten Räume in Nettetal-Lobberich einzuladen, das sei eindeutig zu weit gegangen, das habe er so auch nicht mitbekommen. "Ich würde Herrn Kerkhoff heute gerne fragen, was er sich dabei gedacht hat", sagt der Mann.

"Dem Bistum Aachen liegen keine Erkenntnisse vor, dass Pfarrer Georg Kerkhoff während seiner Pfarrtätigkeit im Bistum Minderjährige missbraucht hat." So heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme des bischöflichen Pressedienstes.

Das Generalvikariat hatte sich in einem Brief an die Gläubigen in Lobberich und Hinsbeck gewandt und vor Recherchen des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" und der "Initiative gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen" gewarnt. Es werde eine "großangelegte Medienberichterstattung" inszeniert, die belegen soll, dass der Priester vor seinem Gang in die Auslandsseelsorge bereits in Deutschland auffällig geworden sei.

"Die Diözese betont, dass für Pfarrer Kerkhoff - wie für jeden Staatsbürger auch - die Unschuldsvermutung gilt", heißt es. Gleichzeitig hat Bischof Heinrich Mussinghoff aber reagiert und einen unabhängigen Ermittler eingesetzt, bei dem die Gläubigen aus Lobberich und Hinsbeck, wo Kerkhoff zuletzt tätig war, sich melden und Hinweise geben können. Geleitet wird diese Kommission von Hans-Willi Winden, im Hauptberuf Leiter der Bischöflichen Maria-Montessori-Gesamtschule in Krefeld.

Gestern ist im "Spiegel" eine Story erschienen, in der die Vorwürfe gegen den gebürtigen Willicher beleuchtet werden, die zu der Anzeige in Südafrika geführt haben. Eltern hatten sich an die dortige Polizei gewandt und angezeigt, dass sich der Pfarrer bei einem Kommunions-Camp mehreren Neunjährigen genähert habe und unter deren Bettdecke geschlüpft sei. "Ich wollte die Kinder nur zur Ruhe bringen" - so habe Kerkhoff sich verteidigt.

Der 51-Jährige musste seinen Reisepass abgeben, darf seither das Land nicht verlassen. Nach WZ-Informationen wollen die Eltern der betroffenen Kinder nun auch in Deutschland Anzeige erstatten. Dann müsste sich auch eine hiesige Staatsanwaltschaft mit dem Vorgang beschäftigen.

Zurück nach Deutschland: Laut "Spiegel" tauchte Georg Kerkhoff mehrfach mit einem "Patensohn" auf - unter anderem beim Cäcilienfest in Lobberich. Hier sei aufgefallen, wie vertraulich beide miteinander umgegangen seien. Allerdings nehme dieser Junge Kerkhoff in Schutz, streite jeglichen Missbrauch ab.

Von alledem will das Bistum Aachen nichts gewusst haben. "Es hat vor Jahren mal einen anonymen Hinweis gegeben", erklärt Bistums-Sprecher Franz Kretschmann. Aber man könne solchen Spekulationen nicht so nachgehen, wie konkreten Hinweisen.

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