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„Bienenland“ in Anrath: So stellen Bienen Honig her

Ferienalphabet H wie Honig : Fleißige Anrather Bienen

Honig ist ein reines Naturprodukt. Doch was genau macht die Biene, damit er für uns bis ins Glas kommt?

Sie wiegt gerade einmal 100 Milligramm und kann die Hälfte ihres Körpergewichts an Nektar transportieren. Sie kommuniziert in der Dunkelheit des Stocks mit ihren Artgenossen und informiert sie über Ort und Beschaffenheit von Futterquellen. Sie sorgt für die Bestäubung und stellt ein wertvolles Lebensmittel her. Hinter all dem steht die Biene, ein fleißiges, kleines Wundertier.

Für einen Liter Nektar muss eine Biene 20 000 Ausflüge machen. Dafür bewegt sie sich in einem Radius von drei Kilometern rund um den Stock. Findet sie eine ertragreiche Futterquelle, informiert sie die anderen Bienen im Stock mit dem Rund- und Schwänzeltanz. Ersterer wird bei einer Nahrungsquelle im Bereich von 100 Metern Entfernung eingesetzt. Der Schwänzeltanz ist hingegen zeigt an, wenn das Futter weiter weg ist. Über die Erschütterungen, die auf der Wabe entstehen, wenn die Biene dort eine Acht läuft, teilt sie den anderen Bienen Entfernung, Richtung und Ergiebigkeit der Nahrungsquelle mit. Das alles passiert in der völligen Dunkelheit des Stocks. Der Begriff „im Stockdunklen“ stammt aus der Bienenwelt.

„Eine Biene sammelt im hauseigenen Honigtransportbehälter den Nektar“, informiert Johann van den Bongard von der Imkerei „Bienenland“ in Anrath. Bei der Futtersuche bestäubt die Biene dank der Pollen, die in ihrem Haarkleid haften bleiben, die Pflanzen gleichzeitig. Zudem hat sie an den Vorderbeinen kleine Bürstchen, mit denen sie einen Teil der Pollen aus dem Haarkleid bürstet und diese um eine feste Borste an jedem Hinterbein zu einer Kugel formt. Dort verbleibt die Pollenkugel und wird mit in den Stock transportiert. Sie dient als Eiweißnahrung für die Bienenbrut.

Aus einem Liter Nektar werden
nur 150 Gramm Honig gewonnen

Schon beim Flug in den heimischen Stock setzt die Biene dem Nektar indes Enzyme zu. Im Stock angekommen, gibt die Biene den Nektar an eine Arbeiterbiene ab, die weitere Enzyme zusetzt. Das Ziel der Bienen ist es nun, dem Nektar das Wasser zu entziehen. Da Nektar zu 85 Prozent aus Wasser besteht, werden aus einen Liter gerade einmal 150 Gramm Honig. Die Arbeiterbiene spannt den Nektartropfen zwischen ihren Mundwerkzeugen ein, damit eine Verdunstung einsetzt. Dabei wird der Tropfen von Stockbiene zu Stockbiene weitergegeben. „Je mehr Stockbienen vorhanden sind, desto enzymreicher wird der Honig“, erläutert Tochter Iris van den Bongard den Vorgang. Imker sprechen dabei von einer aktiven Entwässerung, wobei 40 bis 50 Prozent des Wassergehaltes verschwinden. Danach schließt sich die passive Entwässerung an, bei der der zukünftige Honig in die Nähe des Brutnestes transportiert wird, weil es dort im Stock am wärmsten ist. Durch neue Luft, die von den Arbeiterbienen herangefächert wird, verdunstet weiteres Wasser.

Liegt der Wassergehalt unter 18 Prozent, wird der Honig an der entferntesten Stelle vom Flugloch gelagert, damit Räuber nicht an ihn herankommen. Schließlich stellt er die Winternahrung der Bienen dar und dient der Brutaufzucht. Hier kommt ein ganz wichtiger Aspekt ins Spiel: „Wir trennen ganz klar Honig im Brutraum und Honig im Honigraum. Der Honig im Brutraum wird nicht entnommen. Er ist tabu für die Honigernte. Wir ernten lediglich den Honig im Honigraum“, sagt Johann van den Bongard. Als Winterfutter erhalten die Bienen stattdessen flüssige Maisstärke, die den Vorteil hat, dass sie keine Ballaststoffe wie der Honig enthält. Ernährt sich die Biene im Winter von Honig, füllt sich aufgrund der Ballaststoffe der Kotbeutel schnell. Die Bienen koten in den Stock, was zu Krankheiten führen
kann.

Bei der eigentlichen Honigernte entfernt der Imker die Waben und streicht die Wachsdeckel über den Waben ab, mit denen die Bienen die Honigvorräte verschlossen haben. Im Honigraum wird der Honig aus den Waben geschleudert, wobei dies nur in Form einer Kaltschleuderung möglich ist. Würde Wärme hinzugegeben, so würden eventuell noch vorhandene Wachspartikel schmelzen und sich mit dem Honig vermischen. Mögliche Wachsteilchen werden durch das sich anschließende Sieben entfernt. Da die meisten Kunden einen streichzarten Honig bevorzugen, der nicht auskristallisiert, obwohl dies ein Zeichen von Qualität ist, muss der Honig gerührt werden. Die Abfüllung verlangt dabei Fingerspitzengefühl. Passiert es zu früh, kann er eventuell doch kristallisieren, passiert es zu spät, kriegt man ihn nicht mehr ins Glas.

Honig vom Imker ist ein reines Naturprodukt, ein Lebensmittel. Daher kann er je nach Sorte und dem dadurch bedingten Trauben- und Fruchtzuckergehalt trotzdem kristallisieren. Wer dies nicht mag, kann das gesamte Glas vorsichtig erhitzen, allerdings darf die Temperatur nicht über 40 Grad gehen, da sonst die wertvollen Inhaltsstoffe zerstört werden.

„Etwas ganz Besonderes ist unser Blaubeerhonig. Für die Bestäubung haben wir Stöcke an Blaubeerfeldern stehen. Eine Analyse des Honigs zeigt, ob die Bienen dort Nektar gesammelt haben und nicht in der Umgebung“, sagt Iris van den Bongard. Erst wenn die Analyse überwiegend Blaubeerhonig anzeigt, darf er so genannt werden. Das gilt für alle Honigsorten vom Imker.