Bauboom wird für Städte zum Problem

Die Kommunen bekommen auf Ausschreibungen weniger Angebote als früher. Außerdem steigen die Preise.

Kreis Viersen. Bald beginnen die Sommerferien. Dies ist meistens die Zeit, in der an den Schulen notwendige Instandsetzungsarbeiten und Reparaturen erfolgen. Darüber hinaus gibt es auch noch andere größere Bauprojekte in den Städten und Gemeinden. Ein großes Problem dabei ist, dass wegen des privaten Baubooms die Handwerker die Aufträge der „Öffentlichen Hand“ nicht so erfüllen können, wie sie es gerne möchten.

Geld für die Reparaturen und für größere Maßnahmen sind auch in der Stadt Willich vorhanden. „Bislang haben wir etwas Glück gehabt, mussten noch nichts weit nach hinten schieben, aber es wird immer schwieriger“, sagt der Leiter des städtischen Eigenbetriebes „Objekt und Wohnungsbau“, Joachim Stukenberg. Er beschäftigt sich gerade mit der Ausschreibung der Kernsanierung der Sauna im Willicher Freizeitbad De Bütt. „Wir haben den Radius der Handwerksfirmen etwas weiter gezogen und erhoffen uns dadurch ein gutes Ergebnis.“

Stukenberg ergänzt, dass es früher bei den Ausschreibungen Rückläufe um etwa 60 bis 70 Prozent gegeben habe, heutzutage könne man froh sein, wenn es über 30 Prozent seien. „Vor allem beim Rohbau und bei den anderen technischen Gewerken gibt es Probleme“, sagt Stukenberg. Er arbeitet auch am Ausschreibungsentwurf für die Dachsanierung an der kleinen Sporthalle hinter der Grundschule im Mühlenfeld. „Früher hätte es für eine solche Maßnahme acht mögliche Bewerber gegeben, heutzutage können wir glücklich darüber sein, wenn wir vier Ausschreibungen ausgefüllt zurückbekommen.“ In Willich steht neben den kleineren Instandsetzungsmaßnahmen ein weiteres großes Projekt an: die Verlagerung des Bauhofes zur neuen Zentrale am Siemensring. Dafür würden, so Stukenberg, in vier bis sechs Wochen die Ausschreibungsunterlagen versandt.

In Tönisvorst ist diese Problematik ebenfalls nichts Neues. Pressesprecherin Catharina Perchthaler ist in der Bewertung zurückhaltender als ihre Willicher Kollegen: „Wie alle Kommunen hat auch die Stadt Tönisvorst eine Vielzahl an kleinen und großen Aufträgen zu vergeben — und auch wir haben darunter aktuell einen Fall, wodurch sich die Zeitfenster für die Umsetzung von Maßnahmen vergrößert haben.“ Den konkreten Fall will sie nicht nennen — „weil der Auftrag in nichtöffentlicher Sitzung vergeben wurde“, so Perchthaler.

„Konkret sind mir allerdings derzeit keine Maßnahmen an den Schulen bekannt, die nicht wie geplant in den Sommerferien durchgeführt werden können“, sagt der neue Technische Beigeordnete in Kempen, Marcus Beyer. Natürlich sei es schwieriger geworden, Handwerker zu finden: „So wurde kürzlich, als es um Schreinerarbeiten in einer Kindertagesstätte ging, nach einer guten Vorab-Beteiligung und einer beschränkten Ausschreibung überhaupt kein Angebot abgegeben.“ Jetzt habe man allerdings einen Partner gefunden. Zudem ist Marcus Beyer aufgefallen: „Damit die öffentlichen Aufträge für die Unternehmer lukrativ sind, ist bei den Positionen die eine oder andere Kostensteigerung zu erkennen.“ Angebot und Nachfrage regulieren eben den Preis.

„Das Geld ist da, eigentlich könnten wir mit der Sanierung einiger Schulen beginnen“, meint Grefraths Bauamtsleiter Nobert Enger. Er bestätigt den Eindruck des Willicher Kollegen, dass das Handwerk früher viel intensiver auf die Ausschreibungen reagiert habe: „In einem Fall hatten wir mit etwa zehn Rückläufern gerechnet, aber es kamen nur zwei.“ Dies fange schon bei den externen Planungen der Architekten- und Ingenieurbüros an. „Unser Aufwand, geeignete Büros oder Handwerker zu finden, ist viel größer geworden.“

Als ein weiteres Beispiel nennt Enger die dringend notwendige Kanalsanierung an der Oedter Grundschule. Hier musste man neu ausschreiben, nachdem es schon im Frühjahr 2017 keinen einzigen Bewerber gegeben hatte. Jetzt sind im zweiten Schritt wenige Angebote eingegangen. Der Bauamtsleiter geht dennoch davon aus, dass mit der Kanalsanierung in den kommenden Sommerferien begonnen werden kann.