Bäcker haben in Willich und St. Tönis viel Arbeit

St. Tönis/Willich: Weckmänner sorgen für viel Arbeit in den Backstuben : Ausnahmezustand in der Backstube

Tausende von Weckmännern werden in den Tagen vor St. Martin in Willich und Tönisvorst gebacken – auch nachts.

Rund 300 Kilogramm Mehl und etwa 80 Kilo Rosinen – diese Mengen kalkuliert die Bäckerei-Konditorei van Densen für die speziell georderten Weckmänner zum Martinsfest ein. In der Backstube an der Krefelder Straße in St. Tönis entstehen 2500 schmackhafte Gesellen. Sie werden am 9. November an Senioren verteilt, am 11. November an die Kindergartenkinder. Verschiedene Unternehmen wurden vom Martinskomitee für die insgesamt 3766 Weckmänner beauftragt. Neben van Densen machen auch die Kollegen von Steeg und Oomen mit.

Ähnlich läuft es auch in Willich, wo man in der Bäckerei Greis seit Generationen Weckmänner in den Ofen schiebt. „Mein Opa und meine Eltern haben das schon gemacht“, erzählt Claudia Greis. Sie rechnet mit 700 Kerlchen aus ihrem Hause. Diese werden entsprechend verziert: „Die Pfeifen liegen schon bereit“, so Claudia Greis, „verteilt auf vier bis fünf Kartons im Keller.“ Am 7. November werden die Weckmänner zu den Schulen gefahren werden, „wo fleißige Helfer sie in die Tüten packen“. Greis backt auch einen großen Weckmann für die Tombola. „Der bringt drei Pfund auf die Waage“, erklärt die Chefin. Zum Vergleich: Die Standardgröße wiegt gerade einmal 300 Gramm.

Bis alle Martins-Backwaren fertig sind, herrscht Ausnahmezustand in den Backstuben. Sebastian van Densen vergleicht es mit dem Aufwand kurz vor Weihnachten oder Ostern. „Es ist immer eine Herausforderung, allein schon logistisch.“ Klar, 2500 Weckmänner nehmen reichlich Platz weg. Zudem läuft das normale Programm mit Brot und Brötchen ja weiter. Um das alles zu stemmen, fängt das Team vor den Weckmann-Tagen früher an als sonst.

Für Senioren mit Rosinen,
für die Kinder ohne 

Auch bei Greis in Willich wird die ganze Nacht durchgebacken. Fünf Leute rotieren in der Backstube. Die „eigenen“ Weckmänner, also jene, die im Laden verkauft werden, kommen als letztes dran und werden immer wieder frisch aufgefüllt. Es gibt sie in vier Variationen, unter anderem mit Guss und Mandeln.

So mancher Traditionalist wird sich wundern, dass Rosinen bei den Jüngsten offenbar zunehmend verpönt sind. Zumindest backt Greis für die Schulen ohne Rosinen. Bei van Densen heißt es: „Für die Senioren mit, für die Kindergärten ohne.“ Bäckerstochter Jule allerdings, die am 10. November drei Jahre alt wird, liebt Rosinen – und bekommt natürlich auch einen entsprechenden Weckmann.

Mehr von Westdeutsche Zeitung