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Neersen: Aus dem prallen Leben derer von Virmond

Neersen : Aus dem prallen Leben derer von Virmond

Wolfgang Boochs hat eine Familienchronik der einstigen Schlossherren von Neersen geschrieben. Eine lesenswerte Lektüre, findet auch Stadtarchivar Udo Holzenthal.

Neersen. Dass Wolfgang Boochs eines Tages ein Buch über die Familie Virmond schreiben würde, ist nicht sonderlich überraschend: Vor vier Jahren hatte er sich im Rahmen der Recherchen zu seinem Neersen-Buch bereits mit dieser Familie auseinandergesetzt. Und schon als Junge hatte er seinem Onkel Peter Vander, einem Kenner der Neersener Ortsgeschichte, in dessen Studierzimmer über die Schulter schauen dürfen.

Neersen: Aus dem prallen Leben derer von Virmond
Foto: Finger

Der letzte Impulsgeber für das Buch, das nun im Schlosskeller offiziell vorgestellt wurde, war indirekt eine Reha-Maßnahme vor einem Jahr im hessischen Bad Wildungen. Das liegt in der Nähe von Frankenberg und ein Ortsteil, Viermünden, ist die Heimat der Familie Virmond.

Wie ein gewiefter Krimi-Autor vermied es Wolfgang Boochs, zu viel auszuplaudern. Stadtarchivar Udo Holzenthal wurde da schon deutlicher: „Das Buch ist sehr gut recherchiert und liest sich gut. Da ist das pralle Leben drin.“ Neersen sei der Ortsteil von Willich mit den aufregendsten Geschichten.

Etliche davon hat der Neersener Autor aufgeschrieben. Das über 130 Seiten starke Buch mit Aquarellmalereien von Waleed Ibrahim beleuchtet die Familienchronik der Familie Virmond von 1499 bis 1744. Begonnen hatte alles mit Ambroisius, der 1499 der Liebe wegen von Hessen nach Neersen gekommen war. Agnes von Palandt war seine Auserwählte. „Viermünden gehörte damals ebenso wie Neersen zu Kurköln“, erklärte der Autor.

Erstaunlich, dass es auch ohne Internetforen wie Parship zu Verbindungen kommen konnte zwischen Menschen, die rund 300 Kilometer trennten.

Adrian Wilhelm ist ein weiterer markanter Vertreter des Virmondschen Geschlechts: „Er ließ 1660 ein Schloss im Renaissance-Stil errichten, wo früher eine Burg stand“, erklärte Boochs. Er war auch der Erbauer der Minoriten-Kirche und am Bau der Kapelle Klein Jerusalem war er auch beteiligt.

Die Familie Virmond sollte im 18. Jahrhundert aussterben. Ambrosius Franz hatte zwar vier Kinder, die aber alle vor ihm starben. Eines davon war beim Versteckspiel in einer schweren Truhe geschlüpft, wurde nicht gefunden und erstickte darin. Ambrosius Franz wurde früh Witwer, heiratete eine 18-Jährige — und fiel zwei Jahre später bei einem Maskenball tot um.

Bürgermeister Josef Heyes schlug einen Bogen zur Gegenwart: „Das Schloss wurde in den 1970er Jahren restauriert, das wurde deutlich teurer als zunächst veranschlagt.“ Die Summe von 6,9 Millionen D-Mark sei rückblickend jedoch gut angelegtes Geld.

Die Familienchronik ist für zehn Euro bei Wolfgang Boochs erhältlich.