Stadtgeflüster: Aufbau, Abriss und alle Achtung

Stadtgeflüster : Aufbau, Abriss und alle Achtung

Wir flüstern von einer Brücke, die man nicht mehr queren kann, und einem Graben, der mehr Kamerateams als Wasser aufnimmt.

Willich/Tönisvorst. Die Fernsehteams aus ganz Deutschland geben sich derzeit bei Markus Gather am Grünen Weg in Anrath die Klinke in die Hand. Es geht um die „Absurdität“, so Gather, dass die Anlieger dem Wasser- und Bodenverband Mittlere Niers für „das Gewässer ohne Wasser“ eine Gebühr zahlen sollen. Nach der WZ-Berichterstattung hatte zunächst die Satire-Sendung „Extra 3“ darüber berichtet. Wenig später stiefelte ein Reporterteam von SAT 1 mit Gather durch den Graben. Der Sender berichtete dann in seinem abendlichen Regionalprogramm und im morgendlichen Frühstücksfernsehen. Aller guten Dinge sind drei: Die Produktionsfirma B.L.&P. aus Kassel filmte und interviewte zu Beginn der vergangenen Wochen die Nachbarschaft am Grünen Weg. Dieser Bericht lief mittlerweile in der ZDF Drehscheibe. Als letztes habe sich nun das Team der ZDF-Sendung Terra Xpress bei den Anwohnern gemeldet. „Es ist an der weiteren Entwicklung des Themas interessiert“, so Gather. Er betont: „Wenn wir diese sinnlose Gebühr akzeptieren, akzeptieren wir ab dem Zeitpunkt das Anrecht zur Erhebung einer solchen Gebühr, die dann vom Verband immer wieder erhöht werden könnte.“ Ganz Deutschland lache mittlerweile über den Wasser- und Bodenverband Mittlere Niers, nur dort säßen einige, die quasi sagten „Die Erde bleibt eine Scheibe“, so Gather. Der Verband hatte vor einigen Tagen sein Vorgehen verteidigt.

Foto: Lübke

Gebaut wird seit Spätsommer am Kirchplatz in Anrath. Nach dem Abriss des ehemaligen Genings-Komplexes (lange war hier Achims Pinte zu Hause) wird dort ein Wohn- und Geschäftshaus errichtet. Investor Matthias Albrecht baut den viergeschossigen Komplex mit 15 barrierefreien Sozialwohnungen und einem Ladenlokal im Untergeschoss. Dort entstehen Praxisräume.

Foto: Gather

Gleich um die Ecke an der Viersener Straße wird ein Gebäude abgerissen. „Es handelt sich wohl um das älteste Haus im Ortskern, denn es ist noch älter als mein eigenes“, berichtet Juwelier Heinrich Stevens, dessen Geschäft gegenüber ist. Er vermutet, dass das besagte Gebäude um 1500 entstanden ist. Es stand viele Jahre leer. Davor befand sich dort eine Zahnarztpraxis. Unter Denkmalschutz stand das mehrfach umgebaute Gebäude nicht. Angeblich hat die benachbarte Volksbank Mönchengladbach es gekauft. Eine Rückruf-Bitte bei deren Pressestelle blieb unbeantwortet.

Anrath, die Vierte: Eine Holzbrücke im Theodor-Heuss-Park wird zum Thema im nächsten Umweltausschuss. Im Park quert eine Brücke in der Nähe des Kinderspielplatzes einen Graben. Die wurde vor Jahren erneuert, ist aber nach Auskunft der Stadtverwaltung aufgrund der sehr schattigen Lage mittlerweile wieder in einem sehr schlechten Zustand. Lauffläche, Geländer und tragende Balken seien stark von holzzersetzenden Pilzen befallen — die Brücke ist derzeit gesperrt. Notwendige Instandsetzungsarbeiten zur Wiederherstellung der Verkehrssicherheit würden rund 12 000 Euro kosten, wozu jährliche Reinigungskosten und alle zwei Jahre die Auffrischung des Holzschutzes kämen. Was aber nicht verhindern könne, dass die Haltbarkeit der Brücke dennoch auf etwa acht bis zehn Jahre beschränkt wäre. Darum soll die Brücke im kommenden Frühjahr entfernt werden; der Graben, der ohnehin stillgelegt sei und nicht mehr zur Entwässerung benötigt werde, würde dann verfüllt. Ein in der Grabensohle verlegtes Betonrohr soll beide Grabenteile verbinden und etwa die Wanderung von Amphibien ermöglichen.

Foto: Lübke

Apropos Wanderung. Wir berichten hier keine Ente, sondern über wanderlustige Enten, die — so der erste Eindruck für WZ-Fotograf Friedhelm Reimann, im Bereich Holterhöfe in St. Tönis noch vor einem Paketwagen die Straße queren wollten. Frei nach dem Motto: „DHL: Der hält. Lauft!“ Vielleicht haben die Enten aber auch so sehr auf eine Bestellung gewartet, dass sie nicht mehr abwarten konnten, bis der Postmann klingelt.

Foto: Reimann

Die Firma Auto Heisig, ein seit über 50 Jahren in Tönisvorst bestehendes Autohaus, hat der Tönisvorster Hilfe 600 Euro gespendet. Geschäftsführer Michael Heisig überreichte den Scheck an die Vertreter der Tönisvorster Hilfe, Heinz Dahmen und Jürgen Beyer. Die Firma ist ein Familienbetrieb und Service Partner von Peugeot und Citroen mit Neuwagenverkauf. Zwölf Mitarbeiter hat das Haus. Sie reparieren auch das Auto der Tönisvorster Hilfe. „Wir brauchen finanzielle Mittel, um unsere Kosten decken zu können“, so Jürgen Beyer. Die Anzahl der Bedürftigen bedingt immer mehr Anstrengungen zur Beschaffung von Lebensmitteln.

Foto: Reimann

Einen bedauerlichen Leerstand gibt es seit einigen Wochen am Willicher Markt: Nachdem die Bäckerei Pesch das ehemalige Wermes-Ladenlokal verlassen hat, wird nach neuen Mietern gesucht. „Der Zeitpunkt dafür parallel zum Marktumbau ist natürlich schwierig, da das Thema Außengastronomie heutzutage immer wichtiger wird“, sagt Citymanagerin Christel Holter. Sie ist bei der Suche nach einem Nachfolge-Mieter in engem Kontakt zu Hauseigentümer Peter Wermes. Bäckerei Pesch hatte im November 2014 am Markt eröffnet. Im Frühjahr 2017 wurde dann klar, dass sie wegen befürchteter Umsatzeinbußen in der Umbauphase Willich wieder den Rücken kehren will.

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