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Auf dem Kirchplatz in Anrath brummt das Leben. Er ist der Mittelpunkt des Stadtteils

Serie: Unsere Plätze : Ein Platz der Begegnung in Anrath

Rund um die Anrather Kirche brummt das Leben. Hier liegt das Rathaus, die Busse fahren ab, und es gibt etliche Dienstleister. Dazu befinden sich dort ein Juwelier und eine Apotheke, und an dieser Stelle beginnt die Fußgängerzone.

„Mir gefällt die Gestaltung rund um die Anrather Kirche. Es ist alles gut aufgeteilt und übersichtlich. In meinen Augen ist es ein schöner Platz, auch wenn viele Anrather erst gemosert haben“, sagt Bernd Benger und spielt damit auf eine Zeit an, in der die Fläche rund um die Katholische Kirche St. Johannes Baptist für viele Diskussionen in der Bürgerschaft sorgte. Es handelt sich um die Anrather Ortskernsanierung, die im Frühjahr 2014 offiziell abgeschlossen wurde.

Konnte man früher mit dem Auto um die Kirche herum fahren, so endete dies mit der Umgestaltung. Eine Durchfahrt zwischen Kirche und dem sogenannten Leutnantshaus in Richtung Neersener Straße ist nicht mehr möglich. Dafür wurde ein kleiner Kreisverkehr an der Einmündung der Schottelstraße installiert, von dem aus die Neersener Straße erreicht werden kann. Wo einst die direkte Durchfahrt an der Kirche war, steht nun ein überdachter Fahrradparkplatz, und es gibt eine moderne Stangenkonstruktion, die von jungen Leuten gerne als Treffpunkt und Sitzgelegenheit genutzt wird. Wer normal sitzen möchte, kann auf die Bänke ohne Rückenlehne zurückgreifen, die direkt vor der Volksbank auf dem Eckgrundstück neben der Kirche stehen. Wobei das Gebäude ein Stückchen Nostalgie aufkommen lässt. Das liegt nicht nur an dem Bau aus alten Backsteinen, sondern auch an den Fenstern mit dem Butzenglas und den braun-weißen Fensterläden des Leutnantshauses. Es sind noch weitere alte Häuser, die mit ihren schmucken Fassaden den Kirchplatz prägen. Das alte Rathaus, in dem ein Teil der Stadtverwaltung untergebracht ist, gehört ebenso dazu. Mit Gefühl sind Neubauten zwischen den historischen Häusern integriert worden. „Ich finde, diese Ecke von Anrath hat Charme und Charakter. Vieles von der alten Substanz ist erhalten geblieben und wurde gekonnt mit Neubauten kombiniert. Wenn dann noch im Frühjahr die Magnolie an der Kirche blüht, ist diese Ecke perfekt“, bemerkt Sascha Faßbender, der gerne draußen an der Grill-, Döner- und Pizza-Gastronomie „Cemo’s Eck“ sitzt und von diesem Standort aus Anrath beobachtet.

Die Kirche St. Johannes Baptist ist der Mittelpunkt des Platzes . Foto: Norbert Prümen

Kleine Passage
und Fußgängerzone

„Es ist angenehm hier. Es gibt noch verhältnismäßig viel Grün, und der Verkehr stört eigentlich nicht so sehr“, sagt Kim Graf, der seit vier Jahren in Anrath lebt und sich ebenfalls regelmäßig an der kulinarischen Ecke einfindet, die direkt vor dem kleinen Kreisverkehr liegt. Aber nicht nur kulinarisch tischt der Platz rund um die Kirche auf. Hier sind etliche Dienstleister beheimatet. Arztpraxen sowie Apotheke sind zu finden. Die kleine Passage und die Fußgängerzone schließen sich an. Die Busse fahren ab, und der Bürgerverein sowie das DRK-Begegnungszentrum haben dort ihre Räume.

Heinrich Stevens betreibt ein Juweliergeschäft am Kirchplatz. Foto: Norbert Prümen

Und es glitzert sogar, was dem Juwelier Stevens zu verdanken ist, dessen Geschäftsräume schräg gegenüber der Kirche liegen. „Es ist ein Platz der Begegnung, und zwar in einer anderen Form als die Fußgängerzone. Hier treffen alle aufeinander. Es ist ein abwechslungsreicher Platz zum Arbeiten und Wohnen“, sagt Heinrich Stevens, der nicht nur am Anrather Markt arbeitet, sondern auch dort wohnt und sich gerne einmal am Abend draußen auf die Bank setzt und das Leben rund um die Kirche beobachtet. „Wo die Kirche ist, ist das Zentrum. Das ist in Anrath wirklich so“, bemerkt er.

Bürgerverein Anrath hat Informationstafeln installiert

Wer sich in Anrath rund um die Katholische Kirche St. Johannes Baptist bewegt, kann auch ein Stück weit in die heimische Geschichte eintauchen. Am Heribert-Denkmal vor der Kirche sowie an zwei weiteren neuen Gebäuden rund um die Kirche hat der Bürgerverein Anrath Informationstafeln installiert. Am Kirchplatz 9–11, der bis ins 19. Jahrhundert Heumarkt genannt wurde, stand demnach bereits im 17. Jahrhundert das Haus der Familie Doomer. Es handelte sich um ein Wirtshaus, das es bis zu seinem Abriss war. Am Neubau am Kirchplatz 3 stand hingegen einst das Gasthaus „Zur guten Quelle“. 2005 war mit der Tradition, dass das Haus allzeit eine Kneipe beherbergt hatte, Schluss. Jahre später erfolgte der Abriss, dem sich der Neubau mit Wohnungen und Geschäften
anschloss.