Auch in Neersen Ärger um Graben-Gebühr

Auch in Neersen Ärger um Graben-Gebühr

Anwohner von Niersplank, Niersweg und Kleinbruchstraße sammeln zurzeit Unterschriften gegen Gebührenbescheid.

Neersen/Anrath. Anwohner der Straße „Grüner Weg“ in Anrath hatten sich kürzlich über ein Schreiben des Wasser- und Bodenverbandes Mittlere Niers beklagt. Grund: Sie sollen für einen trockenen Graben, der hinter ihren Grundstücken verläuft, Gebühren zahlen (die WZ berichtete). Nun haben sich auch Bürger aus Neersen bei der WZ gemeldet, die einen ähnlichen Brief im Kasten hatten.

Gaby Schommer, Anwohnerin aus Neersen

„Wir hier in Neersen, und zwar die Anwohner von Niersplank, Niersweg und der Kleinbruchstraße, haben das gleiche Problem“, berichtet Gaby Schommer. Der Graben, der an der Rückseite ihrer Grundstücke verläuft, werde seit Jahren nicht mehr als Regenwasserabfluss genutzt, nun aber auch als „Gewässer“ tituliert. Für dessen Pflege und Instandhaltung verlange der Verband eine Gebühr — und teils sogar eine Erschwerniszulage.

„Dass dieser Graben keinerlei Aufgabe mehr erfüllt, trocken liegt und im Ernstfall eine eventuelle Funktion gar nicht mehr erfüllen könnte, ist den Herrschaften völlig egal“, sagt Gaby Schommer verärgert. Darüber hinaus werde von den Anliegern des Nierswegs, wo der Graben zwischen der Straße und ihren Grundstücken verläuft, eine Erschwerniszulage aufgrund der über das Gewässer führenden Brückenbauwerke verlangt.

„Bei diesen Bauwerken handelt es sich um die Zufahrten zu den Grundstücken! Die Rohre unterhalb dieser Zufahrten sind fast komplett dicht mit Schlamm und verrottendem Pflanzenmaterial, so dass dort eventuell ankommendes Regenwasser nicht mehr durchfließen kann. Von Pflege oder gar Instandhaltung kann überhaupt keine Rede sein“, so Schommer.

Die Anwohnerin der Straße Niersplank schüttelt auch über die Höhe der Summen, um die es geht, den Kopf: Jährlich 1,44 Euro möchte der Verband von ihr haben — plus sechs Euro Verwaltungsgebühr. Bei einem Nachbarn wolle der Verband sogar nur 47 Cent kassieren: „Haben die denn den Schuss nicht gehört?“

Der Graben stamme aus einer Zeit, als die Grundstücke in den 1950er Jahren bebaut wurden. Damals habe es dort noch gar keinen Kanal gegeben und das Grundwasser stand hoch. Seit dem Bau des Nierssees in den 1970er Jahren und der Kanalverlegung habe sich das gründlich geändert: „Selbst nach einem Starkregen sammelt sich im Graben nur eine Pfütze. Und wenn das ein Kriterium für ein Gewässer ist, dann wäre mein Rasen auch ein Gewässer.“

Tatsächlich sehe sie ab und an einem Arbeiter, der dort mit einem Trimmer Unkraut schneide. An anderer Stelle — so etwa an einem nahen Reiterhof — sei der Graben dagegen völlig zugewachsen. Für Gaby Schommer ist es ganz klar: „Die sollten das Loch einfach zuschütten, denn es erfüllt seinen Zweck nicht mehr.“

Nach Rücksprache mit Markus Gather, der in Anrath den Protest organisiert hatte, habe sie nun ein Protestschreiben aufgesetzt. Derzeit ist Gaby Schommer unterwegs, um in der Nachbarschaft Unterschriften zu sammeln.

Mehr von Westdeutsche Zeitung