„Arielle“-Premiere: Fulminante Show unter und über Wasser

Neersener Schlossfestspiele : Fulminante Show unter und über Wasser

Bei den Schlossfestspielen Neersen feierte das Kinderstück „Arielle“ Premiere und begeisterte die Zuschauer mit tollen Schauspielern, kunstvollem Bühnenbild und herrlichen Kostümen.

Hey Jungs und große Brüder. Ihr, die ihr vielleicht die Wangen aufgeblasen und dann verächtlich durch die Lippen gepustet habt, als es um Karten für die „Arielle“-Premiere der Schlossfestspiele Neersen ging, und die kleine Schwester dann allein mit den Eltern hingehen ließet. Euch  sei gesagt: Die Mutprobe, Bekanntschaft mit der Meerhexe Hydra gemacht zu machen, die müsst ihr erst einmal bestehen. Ihr habt eine fulminante Show mit schwungvoller Musik und Tanz-Choreo über und unter Wasser verpasst.

Nie waren die Neersener Umbaukräfte schöner

Keine Sekunde Langeweile für Augen und Ohren. Einigen jungen, zarten Besucherseelen wären etwas weniger Lautstärke in den Stimmen und mehr Romantik sogar lieb gewesen. Manche haben die Premiere ab Hydra-Auftritt 1  jedenfalls auf dem Schoß von Mutter, Vater oder Oma zu Ende geschaut.

Die allermeisten Premierenbesucher aber waren rundum begeistert von den 75 Minuten am Schloss und taten das mit ihrem trampelnden, anhaltenden Schlussapplaus kund.

Ehe wir zur Einzelwertung der Schauspieler kommen, muss dies unbedingt gesagt werden: Nuschin Rabet und Christian Baumgärtel gehört  ein roter Teppich ausgerollt. Baumgärtel ist verantwortlich für das kunst- und anspruchsvolle Bühnenbild von „Arielle, die kleine  Meerjungfrau“. Es funktioniert wie ein Tryptichon. Beidseitig bemalte Tafeln lassen sich auf- und wieder zuklappen. So agieren die Figuren mal unter Wasser, dann wieder auf dem Schiff  oder an Land  im Schloss.

Und nie waren die Neersener Umbaukräfte schöner, bunter und herrlicher anzusehen - als gelber Doktorfisch und Krabbe. So viel Aufwand sogar für Nicht-Hauptrollen. Applaus, Applaus.

Baumgärtels Frau Nuschin Rabet hat mit ihrem Schneiderinnenteam Kostüme geschaffen, an denen man sich nicht satt sehen konnte. Brillant die Idee, Arielle und ihren Unterwasser-Freund Flippi Schuhwerk an Füße, Pardon, Flossen  zu stecken, das festen Gang möglich machte und rollendes Schweben wie Schwimmen erscheinen  ließ. Das Kostüm von Hummer Sebastian ist der Hammer. Die Hydra ist auch dank ihres Gewands eine Erscheinung.  Die Nixen-Roben von Arielle und ihrer Schwester Oceana leicht, glänzend und zart. Delfin und Skipper, der Albatros, waren jenseits von 08/15-Tierkostümen.

Rolle der Arielle
perfekt verkörpert

Nun aber zur Einzelbewertung der Schauspieler. Noelle Fleckenstein ist eine überzeugende Arielle. Die Rolle ist ihr auf den Leib geschrieben. Mit Kostüm ist die perfekt verkörperte Meerjungfrau gelungen.  Aber vor allem füllt sie ihren Part schauspielerisch aus, ist mehr Rebellin als Romantikerin. Überzeugend.

Amanda Whitford als böse Meereshexe Hydra ist in der Tat eine explosive Unter-Wasser-Type. Sie braucht Platz auf der Bühne und nimmt ihn sich auch. Ihre einschüchternde Art kommt viel weiter als bis zur Bühnenkante. Imponierende Ausstrahlung.

Hans-Jürgen Helsig  als Sebastian, der Hummer, wäre der unangefochtene  Publikumsliebling, sehr witzig, warmherzig und präsent,  wenn Amani El Sadek nicht auch  mitspielen würde. Sie schlüpft in die Rollen von Delfin Flipper und ist vor allem als tollpatschiger Albatros Skipper ein Temperamentsbündel mit Charme in Flossen und Federn. Das Zusammenspiel dieser Akteure ist reiner Spaß.

Kay Szacknys als Triton, der König der Ozeane, und Carl Gustav, Vater von Prinz Eric,  ist Herr(scher) über seine Doppelrolle, spielt seine ganze Bühnenerfahrung pointiert aus. Ihm schaut man sehr gerne zu.

Anne Bedenbender schafft spielerisch den Spagat zwischen dem kokettierenden, anstrengenden Mädchen-Gehabe der Arielle-Schwester Oceana und der burschikosen, herzlichen Mette, Schwester von Prinz Eric. In beiden Rollen souverän.

Regie-Team hat die
Reifeprüfung bestanden

Sven Post hat für die „Arielle“-Inszenierung vor der Premiere den Seitenwechsel zwischen Rolle (Prinz Eric) und Regie (mit Kollegin Karrie Becker) hingenommen. Die Idee, seine Prinzenrolle als Wikinger-Typ mit langem Haar anzulegen, ist sehr gut. Die Regieleistung des Teams Post/Becker hat die Reifeprüfung bestanden. Bilder ihrer  Inszenierung werden  den Besuchern so schnell nicht aus dem Kopf gehen.

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