Apfelbauern bei Hitze im Vorteil

Auf den Obsthöfen in der Region sind die frühen Sorten größtenteils geerntet. Etwa Mitte August folgen die klassischen Sorten.

Tönisvorst/Willich. Von der schlimmsten Dürre seit 1976 sprechen einige Landwirte in diesem Sommer auch in unserer Region (die WZ berichtete). In manchen Bereichen befürchten sie Ernteeinbußen von 20 bis 30 Prozent, bei manchen Produkten sogar noch viel mehr.

Apfelbauern bei Hitze im Vorteil
Foto: Kurt Lübke

Ihren Kollegen, den Obstbauern, geht es da deutlich besser. Sie haben einen großen Vorteil: die Beregnungsanlagen. Diese sind auf den Obstplantagen fest installiert, weil sie im Winter auch als Frostschutzberegnungen gebraucht werden. Das bedeutet beispielsweise für Apfelplantagen, dass diese während der großen Hitze problemlos bewässert werden können — allerdings verbunden mit höheren Kosten, die durch das vermehrt aufgebrachte Wasser entstehen. „Wir beregnen die Apfelbäume zirka alle vier Tage eine ganze Nacht durch“, sagt beispielsweise Frank Mertens vom gleichnamigen Obsthof in Willich-Wekeln. Auch alle seine Kollegen haben während dieses Rekordsommers regelmäßig ihre Apfelbäume bewässert.

Rudolf Steves vom St. Töniser Obsthof hat die Bewässerung inzwischen allerdings schon wieder eingestellt. „Das Wasser hält für die nächsten drei bis vier Wochen vor“, sagt er zur Erklärung. Und dann beginnt bei den Obstbauern schon die Haupternte für die Äpfel.

Die frühen Sorten haben fast alle schon geerntet. Dazu gehört unter anderem der „Sommernachtstraum“. Teilweise begannen sie mit der Ernte schon vor zwei Wochen — zum Beispiel auf dem Obsthof Unterweiden in Tönisvorst. „Die Ernte erfolgt bei uns in diesem Jahr rund zwei Wochen früher als im vergangenen Jahr“, sagt Chefin Anne Panzer.

Die Frühäpfel sind quasi eine Art Überbrückung bis zur Haupternte. Sie sind für den sogenannten Frischverzehr gedacht und können deshalb auch nicht lange aufbewahrt werden. Wenn sie im Kühlschrank gelagert werden, schmecken sie rund eine Woche lang. Bei den Obstbauern werden sie nicht längerfristig gelagert, weil nach der Haupternte mit Sorten wie Elstar nur noch diese „Klassiker“ gekauft werden. Diese werden dann in speziellen Kühllagern aufbewahrt. „Wir verkaufen unsere Äpfel bis in den Mai des nächsten Jahres hinein“, sagt Frank Mertens.

Sein Kollege Steves ist sich aber nicht sicher, ob die Ernte in diesem Jahr früher erfolgt. „Wir werden erst einmal die Zuckerwerte messen und danach entscheiden“, sagt er. Von außen würden die Äpfel oft schon reif aussehen. Die Messung ergebe dann aber häufig, dass sie besser noch einige Zeit reifen sollten.

Auch Anne Panzer hat die Apfelplantagen beregnet, zusätzlich wurden sie mit Netzen vor „Sonnenbrand“ geschützt. Durch diese Maßnahmen ist die Apfelernte nicht beeinträchtigt. Viele Obstbauern sprechen von einer „normalen Erntemenge“. Im Vergleich zum Vorjahr ist sie allerdings höher. Damals waren in einer starken Frostperiode viele Apfelblüten erfroren, so dass sie gar nicht erst blühten. Die Preise werden deshalb in diesem Jahr eher etwas niedriger ausfallen, weil der Ertrag in diesem Jahr höher ist als noch 2017.

Wichtig ist es für die Obstbauern, darauf zu achten, dass nicht zu viele Äpfel auf den Bäumen hängen, weil diese sich dann gegenseitig die Nahrung wegnehmen. „Wir versuchen, dass die Bäume 80 bis 100 Äpfel haben, von denen jeder 120 bis 140 Gramm wiegt“, sagt Frank Mertens.

Den Geschmack empfindet übrigens fast jeder Mensch anders. Was für den einen sauer ist, ist für den anderen schon süß. Da hilft nur probieren, um die Apfelsorte zu finden, die einem am besten schmeckt.