Anrather Heimatforscher will Mundart-Buch veröffentlichen

Anrather Heimatforscher will Mundart-Buch veröffentlichen

Der Anrather Heimatforscher Friedel Kluth wird ein Mundart-Buch veröffentlichen.

Anrath. Das Thema hat ihn schon immer interessiert, besser gesagt: umgetrieben. Friedel Kluth liebt und lebt ihn, den Dialekt seiner Heimat, zuvorderst natürlich das Anrötsch Platt. Jetzt hat er sich auch als Forscher damit auseinandergesetzt:

Die niederrheinische Mundart — das ist das Thema eines Buchs, das er gerade fertigstellt und das Ende des Sommers oder Anfang Herbst erscheinen soll.

„Ich habe mich immer mit dem Anrather Platt beschäftigt“, sagt Kluth. Das fing schon bei den legendären „Spouljonges“ an. Das war jene Karnevalsgesellschaft, die ihre Sitzungen mit viel Lokalkolorit und — logisch — Dialekt abhielt.

Hier suchte Kluth für sich eine Figur, mit der er das transportieren konnte: Der „Orjelskäel“ war geboren und entpuppte sich als Erfolgsgeschichte. „Ich hätte nie gedacht, dass ein Auftritt mit selbstgereimten Texten so ankommen würde“

Kluth wundert sich heute noch. Die Nachfrage sei so groß gewesen, dass er später auch außerhalb des Karnevals auftrat und beispielsweise sogar Glückwünsche zu Geburtstagen in Mundart überbrachte.

Hinzu kam, dass Kluth von Hans Stienen den Mundartkreis übernommen hatte und so mitverantwortlich zeichnete für zwei bis drei Nachmittage im Jahr, etwa im Altenheim oder beim Bürgerverein. „Irgendwann wollte ich mehr wissen, begann nachzulesen, wie unsere Mundart entstanden ist und welche Geschichte sie hat“, erinnert sich der heute 71-Jährige. Mittlerweile füllen Bücher und Texte zu diesem Thema ein ganzes Regal seines heimischen Büros. Und seit einiger Zeit ist Kluth selbst am Werk.

Drei Teile hat er sein Buch. Das beginnt mit einem Aufsatz über die Entstehung und die Geschichte des Niederrheinischen von der so genannten Benrather Linie im Süden bis etwa zu niederländischen Provinz Limburg im Norden. Dabei könne man auch gut beobachten, wie sich diese Sprache gegenüber den Nachbardialekten abgrenze.

Im nächsten Teil hat Kluth ein Lexikon zusammengestellt, in dem die Begriffe aber auch erklärt werden. „Man kann in dem Buch stöbern, nachlesen. Es soll nicht trocken daherkommen“, erläutert der Heimatforscher sein Anliegen.

Ihm selbst mag der Vergleich übertrieben erscheinen, aber den gleichen Anspruch hatten die Brüder Grimm beim Verfassen ihres berühmten Wörterbuches. Ein Beispiel: So wird die Herkunft des Wortes Backes geklärt, es handelt sich um ein Backhaus.

Womit wir beim dritten Teil des Buches gelandet wären. Hier geht es um Redewendungen und Sprichworte. Etwa: An Schmitz-Backes noch nicht vorbei sein, das Schlimmste noch nicht überstanden haben. Oder: „Bee däm loope sech de Müüs en d’r Bru-etkas Bloese“.

Der, von dem hier die Rede ist, ist so arm, dass er sich kein Brot leisten kann und die Mäuse vergeblich im Brotkasten hin und herlaufen. Dann ist da noch die Eigenheit des Niederrheiners, der kein g richtig aussprechen will, außer, er möchte sich gewählt ausdrücken.

Natürlich verliert Kluth auch einige Worte zum französischen Erbe. Eine ganze Reihe von Begriffen ist ins niederrheinische gewandert. „Abraasch“ — unverhältnismäßig anders — sei nur ein Beispiel. „Sie ist ein Stück Kultur, das man erhalten muss“, sagt Kluth.

Und verweist auf Erfolge. Wenn der Mundartkreis in die Schulen geht. An der Albert-Schweitzer-Schule ist sogar eine Mundart AG installiert. „Das ist ganz lustig, wenn türkische oder japanische Schüler Dialekt sprechen“, lacht Kluth.

Einer Illusion gibt er sich allerdings nicht hin: Das Niederrheinische wird nie mehr Umgangssprache werden. Aber er hält es mit dem Krefelder Mundarforscher Willi Hermes, der einmal gesagt hat: „Das Plattdeutsche ist die Muttersprache, das Hochdeutsche ist die Tochter.“

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