Anrath: Fernsehspaß schnell vorbei

Anrath: Fernsehspaß schnell vorbei

Ein Techniker verkaufte einer Seniorin beim Wechsel der Kabelnetzdose einen unnötigen Internet-Vertrag.

Anrath. "Digitalen Fernsehspaß" - den versprach die Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft des Kreises Viersen (GWG) Anfang dieses Jahres ihren Mietern. Rund 2200 GWG-Wohnungen werden seitdem mit einem Multimedia-Anschluss ausgerüstet. Dafür verantwortlich ist der Kabelnetzbetreiber Unitymedia. Doch bei dem angekündigten "Spaß" ist Sofia Igel (Name geändert) das Lachen vergangen.

Bei der 73-jährigen Anratherin meldete sich ein Techniker, um eine neue Anschlussdose zu montieren. Das war von der GWG angekündigt worden. Nicht angekündigt war jedoch, dass der Mann die Frau in ein Verkaufsgespräch verwickelte. "Sie müssen auch einen neuen Vertrag abschließen, da sie sonst nur noch drei Programme empfangen können", habe der Techniker erklärt.

Das wollte Sofia Igel vermeiden. Zumal die GWG doch über 70 Programme versprochen hatte. Also unterzeichnete sie den Vertrag. Und bestellte so eine WLAN-Verbindung für schnelles Surfen im Internet für 25 Euro im Monat. Einen Computer besitzt die Frau gar nicht.

Als sie ihrer Enkelin Tanja davon erzählte, kam der die Sache spanisch vor. Sie schaute sich den Vertrag genauer an - und war empört: Ihrer Oma waren völlig unnötige Kosten aufgeschwatzt worden. Denn eine TV-Grundversorgung für knapp 15 Euro im Monat ist bereits im Mietvertrag vereinbart. Für den Empfang der digitalen Kanäle (unter anderem ZDF-Theaterkanal, EinsFestival) benötigte Frau Igel lediglich einen Digital-Receiver, den Unitymedia laut Vereinbarung mit der GWG kostenlos bereit stellen musste.

Enkelin und Oma zogen den Vertrag zurück. Und hatten Erfolg damit: "Die Kündigung wurde angenommen, am Telefon hat sich sogar ein Mann von Unitymedia entschuldigt", berichtet Tanja.

Was beiden Frauen zu denken gibt: In vielen Anrather GWG-Wohnungen seien die Anschlussdosen gewechselt worden. Und mindestens in einem Fall soll der Techniker einer weiteren Seniorin einen Internet-Vertrag verkauft haben. "Sie hat auch gekündigt. Aber vielleicht gibt es noch mehr Betroffene", sagt Tanja.

Peter Bauland, Sprecher der GWG, stellt klar: "Der Verkauf von Zusatzverträgen ist nicht Bestandteil der Absprache mit Unitymedia." Es stehe jedem Mieter frei, der eine schnelle Internetverbindung haben wolle, dies zusätzlich zu bestellen. Aber um digitales Fernsehen zu empfangen, seien keine neuen Verträge notwendig.

Ein Unitymedia-Sprecher erklärte auf Anfrage, Techniker dürften keine Verträge verkaufen, da gebe es strikte Regeln. Den Einzelfall müsse man prüfen. Nächste Woche sollen Ergebnisse vorliegen.

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