Anrath: Europa hat viele Gasteltern

Anrath: Europa hat viele Gasteltern

Interview: Wolfgang Brock über Vier-Länder-Projekte der Hauptschule.

Anrath. Europa lebt - auch vom Gedankenaustausch. Gerade erst hat es in und um Anrath hunderte europäische Begegnungen gegeben. 50 Schüler und Lehrer aus Ungarn, der Slowakei und Lettland waren Gäste der Johannesschule. Das Drei-Länder-Projekt des Sokrates-Comenius-Programms, das die EU fördert, führte sie an den Niederrhein. Die Johannesschule ist projektleitende Schule. Thema diesmal: "Wasser - Ursprung und Zukunft". Über Vorbereitung, Ablauf und Nachlese der Woche ein Gespräch mit Wolfgang Brock, dem Europabeauftragten an der Hauptschule.

Wolfgang Brock: Im November habe ich damit begonnen, Gasteltern anzusprechen. Erst haben meine Kollegen angesichts von 50 Plätzen gesagt: "Du spinnst." Aber das hat sich schnell ergeben. Als kurzfristig drei Familien wegen Krankheit ausfielen, konnte ich sogar neue Familien von der Reserveliste ansprechen. Und bei der Verabschiedung haben viele Eltern zu mir gesagt: "Denken Sie an mich, ich nehme beim nächsten Mal wieder jemanden."

Brock: Sehr intensiv sind die Beziehungen zu Smiltene in Lettland. Von dort reisten allein 28 Schüler und fünf Lehrer an. Ihr Besuch war nicht nur an das Comeniusprojekt gekoppelt, sondern war ein weiterer Austausch innerhalb unserer Schulpartnerschaft. Viele Anrather pflegen mittlerweile auch private Bande zu Lettland. Sehr gut sind unsere Kontakte zu Ungarn und Finnland, das diesmal nicht dabei war, aber über alles informiert wird. Die Kontakte zur Slowakei werden mit jeder Begegnung vertieft.

Brock: Die Idee zu Garzweiler war von mir. Braunkohle ist auch in Ungarn und in der Slowakei ein wichtiges Thema, die Wasser-Problematik auch. Aber in dieser gigantischen Dimension hatten die Schüler den Abbau noch nicht gesehen. Sie waren hin und weg. Die Führung war sehr Schüler-gerecht, sehr anschaulich. Die Schüler wissen jetzt, dass ein Braunkohlebagger so viel Stahl wie drei Eiffeltürme hat.

Brock: Viele Schüler in Ungarn, Lettland und in der Slowakei sprechen Deutsch. Dann kommt im Gespräch Englisch hinzu, einige Wörter in der Landessprache und wenn nichts mehr geht - Hände und Füße. Mein Lettisch ist übrigens eine Katastrophe. Aber ich habe seit 17 Jahren eine Dolmetscherin an meiner Seite.

Brock: Im Juni reisen wir nach Györ/Ungarn. 2011 steht die Slowakei an. Die Begegnung mit den Menschen in Osteuropa muss genauso selbstverständlich werden, als würden wir nach Frankreich oder in die Niederlande fahren.

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