Anrath: Durch die Kneipe ins Kino

Anrath: Durch die Kneipe ins Kino

Der zweite Teil der Kneipentour durch die Anrather Geschichte führt heute zu Helene Poscher und Jakob Renner.

Anrath. Wie dicht die Anrather Kneipenlandschaft im 19.Jahrhundert war, zeigt allein die Bahnstraße, die heute als Jakob-Krebs-Straße bekannt ist. "Hinter den Hausnummern 11, 26, 27, 28, 53 und 74 lagen Gaststätten", weiß Willichs Stadtarchivar Uwe Holzenthal.

Und sie alle konnten existieren, denn früher gingen die Anrather am Abend in die Kneipe, um zu klönen und ein Bierchen zu trinken. Einen Zeitvertreib wie das Fernsehen gab es nicht.

An der Theke wurden die aktuellsten Neuigkeiten ausgetauscht. Das Gasthaus Karl Lefeber ist so ein Relikt aus dieser Vergangenheit. Ihm schräg gegenüber, an der Ecke Jakob-Krebs-Straße/Auf dem Sand, führte Helene Poscher bis 1959 die Gaststätte "Zum alten Dorfkrug". Vielen ist die Kneipe noch in Erinnerung, weil es hier auch zum Kino ging.

"Wenn man reinkam, war vorne links der große Saal, rechts der Schankraum mit Billardtisch. Durch den schmalen Flur ging es an einer Art Kassenhäuschen vorbei ins Kino", erinnert sich der Anrather Günter Schieferbein. Später wurde der Durchgang zugemauert, und das Kino erhielt einen separaten Eingang.

Bei der Umgehung behördlicher Auflagen war Jakob Renner ein Schlitzohr. Er führte ab 1909 seine Lokalität an der damaligen Bahnstraße 53, wobei er allerdings nur eine Konzession für alkoholfreie Getränke hatte.

Der clevere Wirt pries daher ein alkoholfreies Bier an, das aber, wie das Chemische Untersuchungsamt Krefeld bei einer Kontrolle feststellte, 4,27 Prozent Alkohol hatte. Eine saftige Geldstrafe und eine unbeschränkte Schankerlaubnis folgten. Letztere aber erst 1930.

Als das beste Gasthaus von Anrath galt das Hotel Baaken an der Viersener Straße. Bekannt war es unter anderem für seinen wunderschönen Biergarten. Das Gebäude selbst steht noch, heute beherbergt es eine Arztpraxis. Vom Garten ist aber nicht viel übrig geblieben. Der wurde im Laufe der Zeit mit Wohnhäusern zugebaut

Die Gaststätte Kauertz, einst an der Viersener Straße63, gehört so wie die Gaststätte "Zum alten Zoll" an der Schottelstraße der Vergangenheit an. Der Name bei Letzterer bezog sich auf das in der Höhe des Hauses angebrachte Zollschild aus dem Jahre 1767.

"Eine wahre Kult-Gaststätte war Bombaß", berichtet Udo Holzenthal. An der Krefelder Straße zu finden, spielte der Betreiber, ein gewisser Herr Toups, ein vom ihm entwickeltes Musikinstrument namens "Bombaß", wie auch eine alte Postkarte zeigt.

Dass in der Josefshalle einst eine florierende Gaststätte zu finden war, ist ebenfalls kaum noch bekannt. Sie wurde während des Zweiten Weltkrieges geschlossen.

Ebenfalls nicht halten konnte sich die Gaststätte an der Donkkampfbahn. In unmittelbarer Nähe allerdings baute die Gemeinde die Gemeindegaststätte "Haus Donk", die sie verpachtete. In den 30er Jahren erwies aber auch sie sich nicht mehr als rentabel. Trotzdem blieb das Gebäude bis in die 90er Jahre seiner gastronomischen Bestimmung treu. Heute befindet sich Haus Donk im Privatbesitz.

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