Am Ufer sollen neue Bäume wachsen

Naturprojekt in Neersen: Die Cloer bekommt ein grünes Dach

82 Bäume sollen am Ufer des renaturierten Kanals wachsen. Beim Pflanzen halfen der Bürgermeister und kundiger Nachwuchs.

Selten war der Begriff „Generationenprojekt“ so passend. Willichs Bürgermeister Josef Heyes, 70, rumpelt mit seinem Fahrrad über eine Wiese am Ufer der Cloer. Drumherum toben Kindergartenkinder mit Warnwesten und Gummistiefeln.

Der Politiker und die Wald- und Wiesengruppe der Kindertagesstätte an der Pappelallee haben an diesem Montagmorgen ein gemeinsames Projekt. Mit den Arbeitern des Wasser- und Bodenverbands der Mittleren Niers bringen sie die Renaturierung der Cloer einen entscheidenden Schritt voran. 82 Bäume und Sträucher pflanzen sie.

„Wir benötigen vor allem Weiden, Eichen und Erlen“, sagt Christoph Rüber, Geschäftsführer des Wasser- und Bodenverbands. Sie sollen dem Nebenflüsschen der Niers Schatten spenden. Aktuell wabert die grüne Wasserpest an der Oberfläche – eine Folge der Sommerhitze. In Zukunft sollen die neuen Bäume als grünes Dach fungieren und Platz für Lebewesen schaffen.

Von der Bezirksregierung gibt es Fördermittel für die Bepflanzung

Im Jahr 2017 hat die Cloer am Bettrather Dyk wieder ein naturiertes Bett bekommen. Zuvor lag der Kanal seit dem 19. Jahrhundert im rechteckigen Korsett. Nun musste der zuständige Wasser- und Bodenverband eine europäische Wasserrahmenrichtlinie umsetzen. „Mit dem neuen, breiteren Flussbett konnten wir auch den Hochwasserschutz verbessern“, sagt Rüber.

Tiere haben den neuen Lebensraum bereits für sich entdeckt. „Wir haben festgestellt, dass hier Vögel und Fischreiher angekommen sind“, sagt Rüber. Selbst der Hobby-Biologe kann daraus schließen: Fische und Kleinstlebewesen haben im Wasser ein Zuhause gefunden.

Neben den Bäumen am Ufer platzieren Rübers Arbeiter in diesen Tagen auch Totholz im Gewässer, um mit verschiedenen Fließgeschwindigkeiten verschiedene Lebensräume zu schaffen. Das Ganze kostet 10 000 Euro, 8000 stammen aus einem Fördertopf der Bezirksregierung. Ohne die Bepflanzung würde es Jahrzehnte dauern, bis sich die Natur entsprechend entwickelt, berichtet Rüber.

Damit es schneller klappt, helfen Bürgermeister und Kindergartenkinder natürlich gerne mit. Heyes gräbt Löcher für die kahlen Setzlinge, die ihn bereits weit überragen. Die Kinder tragen in kleinen Gruppen die Stämme, besonders abenteuerlich ist der Weg über die Holzbrücke auf eine kleine Insel inmitten der Cloer. Die frisch gepflanzten Bäume versorgen sie gleich mit Wasser und traten die Erde über den Wurzeln fest. „Meinen Eimer noch mal vollmachen“, hallt es entlang der Böschung. „Hier noch mal beim Tragen helfen“, ruft ein anderer kleiner Junge.

„Es ist eine gute Sache, die Kinder so in der Praxis an Tiere und Pflanzen heranzuführen“, lobt Heyes. Deshalb hat der Wasser- und Bodenverband die Kindertagesstätte an der Pappelallee auch angesprochen. Zumal in der dortigen Wald- und Wiesengruppe, der Name verrät es, Umwelt und Natur freilich wichtige Themen sind (siehe Kasten).

Die Kinder sind begeistert. „Ich habe schon vier Bäume gepflanzt“, berichtet der fünfjährige Bono stolz. Das habe er bislang noch nie gemacht, aber es sei doch recht einfach. Das liegt auch an den Mitarbeitern des Wasser- und Bodenverbands.

Traktor, Bagger und Laster haben sie zwar mitgebracht. Aber an diesem Morgen sind die starken Männer Lehrer und erklären die Grundlagen ihrer Arbeit. Sie bieten Anleitung bei der Pflanzung und fischen sogar einen Flusskrebs aus dem Wasser, um ihn dem Nachwuchs zu präsentieren – das macht Eindruck. Und schon schleppt die junge Truppe den nächsten Baum vom Hänger. An solche enthusiastischen Mitarbeiter könnten sich Wasserfachleute und Bürgermeister wohl gewöhnen.

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