Zoff um neue Samstags-Parkgebühren in Viersen

Innenstadt von Viersen : Galerie-Besucher müssen auch samstags fürs Parken zahlen

Parkhausbetreiber torpediert Marketing-Strategie der Stadt.

Mit einem Zettel am Eingang der Rathausmarkt-Galerie in der Viersener Fußgängerzone kündigt der Eigentümer der Tiefgarage ein über Jahrzehnte gepflegtes „Gentleman’s Agreement“ aller Einzelhändler und der Stadt Viersen: Samstags ist das Parken in Viersen gratis – seit 2003 auch in der Tiefgarage der Rathausmarkt-Galerie.

Von diesem Samstag an wird das anders. Das Parkhaus der Rathausmarkt-Galerie mit seinen 499 Stellplätzen im Herzen der Innenstadt öffnet die Schranke nur noch, wenn ein Parkticket gezogen wird. Preis: ein Euro pro Stunde. „Aufgrund von Modernisierungsarbeiten der Parkgarage, Neuaufstellung des Personals und einer Erweiterung des Kamerasystems zur Verbesserung Ihrer eigenen Sicherheit, sehen wir uns gezwungen, ab dem 16. November samstags eine Parkgebühr von einem Euro pro Stunde zu erheben“, heißt es auf einem Zettel. Und: „Wir bedanken uns für Ihr Verständnis.“

Der Werbering Viersen aktiv hat für den Schritt kein Verständnis, ebenso wenig das Citymanagement der Stadt Viersen. „Das kostenfreie Parken ist ein wesentlicher Baustein, um die Innenstadt für Besucher attraktiv zu machen“, sagt Stadtsprecher Frank Schliffke. „Die Marketingmaßnahme ,Kostenfreies Parken am Samstag’ wird einheitlich und mit großer Schlagkraft beworben.“ Auf allen Werbemitteln und in allen Werbeauftritten finde sich ein entsprechender Hinweis. Das städtische Citymanagement spreche sich daher „ganz klar für den Erhalt des kostenfreien Parkens an Samstagen in der Innenstadt aus“, so Schliffke.

Werbering kritisiert den Alleingang der Contec-Gruppe

Rainer Schnäbler, Vorsitzender des Werberings Viersen aktiv, sieht das genauso. „Das Angebot ist ein Alleinstellungsmerkmal von Viersen, wird im Radio, Online und auf Flyern beworben. Nicht zuletzt deshalb kommen Besucher von auswärts samstags zu uns.“ Da die Besucherfrequenz an den Samstagen in den vergangenen Jahren abgenommen habe, sei der Werbering mit dem Citymanagement seit drei Jahren bemüht, besonders die Samstage mit attraktiven Veranstaltungen zu bespielen, um die örtlichen Einzelhändler, Dienstleister und Gastronomie zu stärken. Schnäbler: „Mit der Einführung von Parkgebühren untergräbt der Eigentümer die Marketingmaßnahmen der Stadt und des Werberings, um den Einzelhandel zu unterstützen.“ Schnäbler rechnet vor: „Das Minto verlangt ebenfalls einen Euro pro Stunde, maximal sechs Euro am Tag.“ Viele Gladbacher könnten sich nun entscheiden, gleich dort einzukaufen. Er wirft dem Eigentümer der Parkgarage „kurzfristiges Profitdenken“ vor. „Ich glaube aber, dass das eine Milchmädchenrechnung ist“, sagt Schnäbler. „Was hilft es, wenn er jetzt den einen oder anderen Euro zusätzlich im Portemonnaie hat, dafür aber Umsatzreduzierungen auf der Fläche verkraften muss und mittel- oder langfristig Mieter verliert?“

Als die Contec-Gruppe im April 2016 den Rathausmarkt übernahm, erhöhte sie ein halbes Jahr darauf die Preise im Parkhaus. „Wir wollen die Tiefgarage optimieren“, erklärte Contec-Mitarbeiter Klaus Giesen damals. „Eine Erhöhung der Parkgebühren wird vielleicht wehtun, aber die Verbesserungen werden bald sichtbar sein.“