Wo die Sparkasse Krefeld im Kreis Viersen SB-Center aufbauen will

Filialschließungen im Kreis Viersen : Selbstbedienung ersetzt Filialen

Kreistag: Sparkassen-Chefin wirbt um Verständnis für Schließungen.

Die Sparkasse Krefeld wird nach der Schließung von zehn ihrer 28 Filialen im Kreis Viersen im kommenden Frühjahr an drei der Standorte im Westkreis mit SB-Terminals präsent bleiben. Das kündigte die Vorstandsvorsitzende Birgit Roos am Donnerstagabend im Kreistag an. So sollen in Brüggen-Bracht, Niederkrüchten und Schwalmtal-Amern Geldautomaten bleiben. Die langen Öffnungszeiten der Filiale an der Löhstraße in Viersen – dort ist unter anderem auch samstags geöffnet – will die Sparkasse nach der Schließung der Filiale in ihrer Hauptstelle in Viersen umsetzen. Eine mobile Filiale in Form eines Sparkassen-Busses soll künftig regelmäßig Bracht, Niederkrüchten, Amern, Hinsbeck und Schaag ansteuern.

Vor den Politikern des Kreistags warb Roos um Verständnis für die Entscheidung von Vorstand und Verwaltungsrat, nach fünf Jahren erneut Filialen zu schließen. „Im Schnitt hat jeder Kunde 350 Online-Kontakte pro Jahr zu uns, aber nur noch einen Filialkontakt“, erklärte sie. Sie betonte: „Wir brauchen eine Mindest-Anzahl an Kunden, um die Qualität der Beratung halten zu können.“ Das gesamte Privatkundengeschäft sei für die Sparkasse Krefeld ein Zuschussgeschäft, eine Querfinanzierung wegen der anhaltenden Niedrigzinsphase zunehmend schwieriger. Deshalb sei eine strategische Neuausrichtung des Kreditinstituts alternativlos.

Filialen in Elmpt und Breyell
ebenfalls unwirtschaftlich

Roos: „Unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten müssten wir eigentlich die Filialen in Niederkrüchten-Elmpt und Nettetal-Breyell ebenfalls schließen.“ Ihrem Haus sei es aber wichtig, in jeder Kommune mit einer Filiale vertreten zu sein. Zugleich kündigte sie an, im Kreis Viersen ein Sparkassen-Call-Center („Mediale Filiale“) mit 26 Mitarbeitern aufzubauen, das von 8 bis 20 Uhr die Möglichkeit biete, Überweisungen zu tätigen oder Bankberatungen anzubieten. „Wir bleiben nah am Kunden, aber etwas anders als vorher“, sagte Roos.

Landrat Andreas Coenen (CDU), auch Vorsitzender des Verwaltungsrats der Sparkasse, erklärte: „Die Entscheidung, die Filialen zu schließen, ist mir und den anderen Mitgliedern im Verwaltungsrat nicht leicht gefallen. Wir haben sie uns auch nicht leicht gemacht. Es wäre aber unverantworlich gewesen, nicht zu handeln.“

Zuvor hatten insbesondere Politiker der SPD die Filialschließungen kritisiert. „Wir versuchen alles, um unsere Ortschaften am Leben zu erhalten“, sagte Hans Kettler (SPD). „Dass Bäcker oder Metzger schließen, daran können wir nichts ändern, im Zuge einer Mischkalkulation könnte die Sparkasse aber die Filialen erhalten, damit die Orte attraktiv bleiben.“ Roos entgegnete: „Eine Mischkalkulation machen wir ja schon.“ Es gehe darum, die Sparkasse insgesamt zu erhalten. Christoph Sassen (Die Linke): „7,4 Millionen Euro Bilanzgewinn machen und Filialen schließen, das kommt bei den Leuten nicht gut an.“

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