1. NRW
  2. Kreis Viersen
  3. Viersen

NRW: Waldbrandgefahr ist ab Donnerstag hoch

NRW : Waldbrandgefahr ist ab Donnerstag hoch

Die Feuerwehr im Kreis Viersen verstärkt ihre Streifen und will die Bürger besser aufklären. 26.000 Liter Löschwasser stehen bereits parat. Ein Problem ist, dass Buchen an Sonnenbrand sterben.

(hb/mrö/biro) Noch ist die Waldbrandgefahr im Kreis Viersen laut Index „gering“, das ändert sich aber am Donnerstag. Dann wird der Kreis Viersen auf der Gefahren-Karte „rot“ dargestellt, ist die Gefahr hoch, dass sich ein kleiner Funke zu einem großen Brand ausweitet. „Schon heute ist der Grasland-Feuerindex rot und die Gefahr hoch, dass es zu einem Brand kommt“, berichtet Kreisbrandmeister Rainer Höckels. 

Die Wehren im Kreis seien vorbereitet: „Wir nehmen die Streifen wieder auf“, berichtet er. Auf Motorrädern oder in Brüggen auch auf Quads durchkämmen die Einsatzkräfte die Wald- und Wiesengebiete, auf der Suche nach Rauch oder Flammen. Und nach Menschen, die die Natur genießen. „Wir wollen die Leute aufklären, nicht mit erhobenem Zeigefinger kommen“, berichtet Höckels. So wüssten nach wie vor nur wenige Autofahrer, dass sie ihr Auto besser nicht auf dem gemähten Bankett am Straßenrand abstellen. „Der Katalysator bleibt lange Zeit sehr heiß und kann das Gras entzünden“, warnt Höckels.

Löschwasser-Container wurde
in Anrath stationiert

Zudem wurde die Einsatzstärke angepasst. „Wenn im März irgendwo ein Brand gemeldet wird, hat die Leitstelle einen Löschzug rausgeschickt. Jetzt sind es gleich zwei, damit wir den Brand schnell eindämmen können.“ In Anrath wurde ein rollbarer 26 000-Liter-Löschwasser-Container stationiert; durch eine Kooperation mit einer Spedition könne er schnell an jeden Ort im Kreis verlegt werden, berichtet Höckels. Um Katastrophen zu verhindern, sei die Mithilfe der Bevölkerung wichtig. „Wer Rauch sieht, oder Brandgeruch wahrnimmt, sollte sofort die Feuerwehr unter 112 anrufen.“ Ein Problem: „Häufig legen die Leute auf, ohne die Brandstelle genau beschrieben zu haben“, berichtet Höckels. Die Anrufer sollten am Telefon bleiben, bis der Disponent in der Leitstelle das Gespräch beendet. Und wenn die Leute nicht wissen, wie sie den Ort beschreiben sollen? „Bei neueren Handys kann bei einem Notruf der Standort des Anrufers geortet werden“, sagt Höckels. „Und hilfreich sind immer auch die Pfosten der Fahrradwegweiser. Die haben wir bei uns im System hinterlegt.“

Neben den hohen Temperaturen sei auch die hohe UV-Belastung gefährlich für den Wald, berichtet Revierförster Marco Müller: „Bäume können genauso krank werden wie wir und können auch Sonnenbrand bekommen.“ In den vergangenen Sommern seien bereits viele Buchen abgestorben, die aufgrund ihrer dünnen Rinde besonders anfällig für Sonnenbrand seien. Überlebende Buchen stünden nun vielerorts an exponierter Stelle – weshalb sie einem stärkeren Lichteinfall ausgesetzt seien. „Es werden wahrscheinlich noch weitere Buchen sterben“, fürchtet Müller. Mit dem Sterben der Buchen und dem daraus resultierenden Totholz erhöhe sich auch die Waldbrandgefahr.

Vielen ist noch der verheerende Waldbrand im Naturschutzgebiet De Meinweg direkt an der deutsch-niederländischen Grenze vor gut einem Jahr in Erinnerung. Im April 2020 brannten Heide und Wald fünf Tage lang, bis das Feuer gelöscht werden konnte. Rund 70 Hektar Fläche waren verbrannt. Grenzüberschreitend waren deutsche und niederländische Feuerwehren im Einsatz, davon allein 1600 Kräfte aus halb NRW. Die Folgen wirken noch immer nach.

Nach dem Katastrophenschutzgesetz leisten die Feuerwehren zwar unentgeltlich Amtshilfe, aber die Lohnausfälle der Ehrenamtler von Freiwilligen Feuerwehren werden der Kommune, die die Kräfte anfordert, in Rechnung gestellt. Die Gemeinde Niederkrüchten war also bisher auf erheblichen Kosten sitzengeblieben. Die Landtagsabgeordneten Marcus Optendrenk (CDU) und Dietmar Brockes (FDP) aus dem Kreis Viersen und Thomas Schnelle (CDU) aus dem Kreis Heinsberg haben das Thema in die Landesregierung getragen. Und waren erfolgreich, wie Marcus Optendrenk berichtet. Das Innenministerium von Herbert Reul (CDU) hat sich bereit erklärt, Kosten in Höhe von 30 000 Euro zu übernehmen. Die Bezirksregierung wird die Details jetzt ausarbeiten.

Wie aber hat die Natur den Brand überstanden? Vom Verlauf des Sommers wird es abhängen, ob sich die Heidelandschaft im Naturschutzgebiet wieder schnell regeneriert oder ob es länger dauert. Der Waldbrand im April 2020 hat vor allem die Heidelandschaft direkt hinter der Grenze von Niederkrüchten zu den Niederlanden betroffen. Nach dem Brand hieß es, die Heidelandschaft werde sich wieder schnell erholen. „Die Heide ist nicht so schnell zurückgekommen wie erhofft“, sagt jetzt Leo Reyrink, Leiter des Zweckverbands Deutsch-Niederländischer Naturpark Maas-Schwalm-Nette in Roermond. In Teilen sehe es zwar sehr gut aus, in der Heide wären viele Keimlinge zu sehen. Wird der Sommer feucht, werden sie weiter wachsen. Aber bei hoher Hitze werden die ein Zentimeter großen Keimlinge vertrocknen. Durch den Brand wurde der Boden regelrecht gedüngt, was schnellwachsende Pflanzen wie Ginster, Brombeeren oder Pfeifengras fördert. Mit Schafen versucht man im Naturpark De Meinweg nun, dieses Wachstum im Zaum zu halten. Warum es ein Jahr nach dem Brand in der Heide immer noch kahle Sandstellen gibt, kann sich Leo Reyrink auch nicht zu hundert Prozent erklären. 

Niederkrüchtens Bürgermeister Kalle Wassong (parteilos) ist wegen der Waldbrandgefahr in großer Sorge. „Auch wenn es im Mai viel geregnet hat und der Wald schön grün aussieht, ist die Erde bereits in einer Tiefe von 30 Zentimetern pulvertrocken.“ Die Fichten seien bereits abgestorben, für die Natur müsste es zwei Monate durchregnen.