Künstlerförderung in Viersen Neues Stipendium wird aus der Taufe gehoben

Viersen · Im vergangenen Jahr wurde das Kunstgenerator-Stipendium eingestellt, weil die Sponsoren entfielen. Nun hat sich ein Ersatz gefunden. Wer es ist und wie es geplant ist.

 Sabine Anemüller, Jakob Peters-Messer, Jakob Peters-Messer sen., Florian Peters-Messer und die erste Stipendiatin Beatrice Richter (v. l.) bei der Vertragsunterzeichnung.

Sabine Anemüller, Jakob Peters-Messer, Jakob Peters-Messer sen., Florian Peters-Messer und die erste Stipendiatin Beatrice Richter (v. l.) bei der Vertragsunterzeichnung.

Foto: Sigrid Blomen-Radermacher

„Von solchen Bürgern träumt jede Stadt“, erklärte Bürgermeisterin Sabine Anemüller. Mit „solchen Bürgern“ ist die Familie Peters-Messer gemeint, die am Mittwoch in der Städtischen Galerie im Park versammelt war, um einen ganz besonderen Vertrag zu unterzeichnen.

Ende letzten Jahres endete das Kunstgenerator-Stipendium der NEW und der Stadt Viersen zur Förderung junger Künstlerinnen und Künstlern. Danach, so sagte Anemüller, sei Florian Peters-Messer auf Jutta Pitzen, die Leiterin der Galerie, zugekommen und habe ihr den Vorschlag eines „Peters-Messer-Stipendium der Stadt Viersen“ unterbreitet. „Wir sind begeistert, dass durch das herausragende Engagement der Familie die Künstlerförderung zwar anders, aber gut und zeitgemäß weitergeht“, betonte Anemüller und dankte Jakob Peters-Messer Senior sowie seinen Söhnen Jakob und Florian für ihre großzügige Unterstützung.

Jutta Pitzen erläuterte Inhalt und Form des Stipendiums, das vertraglich zunächst auf fünf Jahre festgeschrieben wird. Angesprochen werden Künstlerinnen und Künstler bis zu einem Alter von 38 Jahren, deren Studienabschluss nicht länger als fünf Jahre zurückliegt. Künstlerisch ist das Stipendium anders als bisher an die Grafische Sammlung der Stadt angedockt. Das bedeutet, es sollen Künstlerinnen und Künstler angesprochen werden, die auf Papier arbeiten, gleich ob malend, zeichnend, druckend oder fotografierend. Vier Monate lang, jeweils von August bis November eines Jahres, wird den Stipendiaten die alte Hausmeisterwohnung im Süchtelner Weberhaus bereitgestellt und sie erhalten eine monetäre Förderung. Während ihres Aufenthaltes in Viersen ist es von Seiten der Stadt gewünscht, dass sich die Künstlerinnen und Künstler in die Viersener Gesellschaft einbringen, durch ein Künstlergespräch, die Möglichkeit eines Atelierbesuches und kreative Aktionen mit Kindern. Am Ende wird es eine Ausstellung geben. Zum einen betreut Jutta Pitzen die Stipendiaten, ein weiterer Ansprechpartner ist der Mitarbeiter der Galerie, Mischa Lamerz.

Zu Beginn des kommenden Jahres wird das Stipendium mit einer Bewerbungsfrist zum 15. April ausgeschrieben, eine Jury entscheidet über die Künstlerin oder den Künstler, der nach Viersen kommt.

Zum Auftakt des „Peters-Messer-Stipendiums der Stadt Viersen“ läuft das Stipendium, um es möglichst zeitnah starten zu können, in leicht abgewandelter Form ab: Als erste Stipendiatin wurde die 1989 geborene Düsseldorfer Künstlerin Beatrice Richter ausgewählt. Sie hatte sich für das letzte Kunstgenerator-Stipendium beworben und kam auf den zweiten Platz. „Ihre Arbeiten passen gut in das Konzept des neuen Stipendiums“, erklärte Jutta Pitzen. Da die Atelierwohnung noch renoviert werden muss, kann Richter nicht in Viersen wohnen, sondern wird in Düsseldorf arbeiten und sich immer mal wieder in Viersen blicken lassen. Sieben ihrer Arbeiten hatte Beatrice Richter zur Vertragsunterzeichnung mit in die Galerie gebracht, anhand derer sie ihre künstlerischen Ideen und künstlerische Praxis anschaulich erläuterte. Beatrice Richter studierte an der Kunstakademie Düsseldorf.

In ihren Zeichnungen und Collagen mit Tusche auf Papier gehe es ihr um den schnellen gestischen Arbeitsprozess. Die Formen hätten eine organische Anmutung, seien aber „nicht decodierbar oder zu benennen.“ Ein wichtiger Aspekt im Dialog zwischen Betrachter und Bild, sagt Richter. Die Collagen entstehen, wenn eine Arbeit in den Augen der Künstlerin nicht gelungen ist. Dann zerreißt sie sie, bewahrt sie aber auf, um die Fragmente in einem späteren Arbeitsprozess zu einer neuen Arbeit zusammenzusetzen.

Den Fokus auf die Grafische Sammlung der Stadt Viersen zu richten, ist auch Florian Peters-Messer sehr wichtig, wie er betonte. „Da sie nur sparsam zu sehen ist, fällt sie ein wenig durch das Raster“, sagte er.

Die Familie Peters-Messer ist bereits mit einem künstlerischen Engagement hervorgetreten: Sie schenkte der Stadt Viersen eine Skulptur für die Skulpturensammlung: Die Arbeit des chinesischen Künstlers Wang Du mit dem Titel „China Daily“.