Wirtschaft in Viersen Mars investiert 38 Millionen Euro

Viersen-Dülken · Das US-Unternehmen will an seinem Standort in Dülken mehr investieren. Seit 45 Jahren wird in Viersen produziert. Insbesondere die Nachfrage nach Twix ist gestiegen.

 „Ich habe einen Traumberuf: Direktorin einer Schokoladenfabrik!“, sagt Evelina Wagner (rechts). Links: Nina Wenzl, Corporate Affairs Direktorin Mars Wrigley. Das Unternehmen will in Viersen mehr produzieren.

„Ich habe einen Traumberuf: Direktorin einer Schokoladenfabrik!“, sagt Evelina Wagner (rechts). Links: Nina Wenzl, Corporate Affairs Direktorin Mars Wrigley. Das Unternehmen will in Viersen mehr produzieren.

Foto: Martin Röse

Der US-Konzern Mars investiert fast 37 Millionen Euro in sein Werk in Viersen. Das teilte das Unternehmen bei der Feier des 45-jährigen Werksbestehens mit. Am Industriering in Mackenstein werden im Drei-Schicht-Betrieb rund um die Uhr Twix- und Balisto-Schokoriegel produziert. Die Produktion – insbesondere von Twix – soll ausgebaut werden. Aktuell beschäftigt Mars in Viersen gut 320 Mitarbeiter aus 30 Nationen, darunter rund zehn Auszubildende. 1979 liefen in Dülken die ersten Schokoriegel vom Band.

In Viersen verlassen täglich zehn Millionen Schokoriegel die Produktion – es ist eine der größten Schoko-Keksriegel-Fabriken des Unternehmens weltweit. „Im voll-kontinuierlichen Schichtsystem wurden hier im vergangenen Jahr insgesamt 59.300 Tonnen Schokoladenprodukte produziert“, berichtet Elena Wagner, seit 2020 Geschäftsführerin der Mars Confectionery Supply GmbH, wie der Standort in Dülken offiziell heißt. Sie will das Produktionsvolumen in Viersen auf 70.000 Tonnen steigern, spätestens im Jahr 2027. Insbesondere die Nachfrage nach dem Karamell-Riegel Twix sei gestiegen.

Dafür soll noch in diesem Jahr eine neue Verpackungsstraße in dem Werk aufgebaut werden. „So können die zusätzlich produzierten Riegel direkt vor Ort verpackt werden“, erklärt Wagner. Ein Teil der Investitionssumme wurde bereits ausgegeben, floss in eine neue Wasseraufbereitung. Und auch der Rohstoffwareneingang soll erweitert werden. Ebenso fließen Gelder in effizientere und energiesparende Technik. Bis zum Jahr 2030 will das Familienunternehmen nur noch halb so viel Kohlendioxid ausstoßen wie im Jahr 2015. Dabei setzt Mars auch auf E-Mobilität, berichtet Nina Wenzl, Corporate Affairs Direktorin Mars Wrigley. „Wir wollen in Kooperation mit einem schwedischen Start-up insgesamt 300 E-Trucks auf die Straße bringen.“ Aktuell sind in Deutschland zwei bereits im Einsatz, verkehren zwischen den Standorten Verden und Minden. Geplant sei, dass auch Viersen in Zukunft von Elektro-Lkw angesteuert wird, so Wenzl.

Das Viersener Werk sei eine Erfolgsgeschichte, sagt Wenzl. Hans-Willy Bouren, schon bei der Werksgründung CDU-Ratsherr in Viersen, erinnert sich an die Anfänge dieser Geschichte. „Als Mars die Pläne für ein Werk in Viersen vorgelegt hat, sind wir mit einer Delegation des Stadtrats in die Niederlande gefahren und haben uns in Veghel das dortige Mars-Werk angeschaut.“ Die Viersener Stadträte waren beeindruckt. „Auf der Rückfahrt im Reisebus haben wir mit den Mitgliedern von SPD und FDP gesprochen und waren uns einig: Das wollen wir“, erinnert sich Bouren. Der Beschluss im Stadtrat war dann nur noch Formsache.

  Erst Produktionsleiterin, jetzt Personalchefin: Hannah Herlemann-Wegener.

Erst Produktionsleiterin, jetzt Personalchefin: Hannah Herlemann-Wegener.

Foto: Mars

Bouren wurde zum 45-Jährigen der Fabrik ebenso eingeladen wie Viersens Bürgermeisterin Sabine Anemüller (SPD): „Wir freuen uns, dass Mars bereits so lange in unserer Stadt ansässig ist und einen bedeutenden Beitrag zur lokalen Wirtschaft leistet“, sagte sie und hob auch das soziale Engagement des Unternehmens hervor. Mars unterstützt die Viersener Tafel, richtet unter anderem jedes Jahr einen Weihnachtsmarkt für deren Kundschaft aus. „Das soziale Engagement ist den Eigentümern unseres Familienbetriebs sehr wichtig“, erklärte Wenzl. „Bei den Boni für die Manager fließen nicht nur Umsatz- und Gewinnzahlen ein, sondern auch Nachhaltigkeit und soziales Engagement“, berichtet sie. So bekommt jeder Marsianer, wie sich die Mars-Mitarbeiter selbst nennen, zwei Tage bezahlt frei, um sich ehrenamtlichen Tätigkeiten widmen zu können. „1700 Stunden kamen so im vergangenen Jahr zusammen.“

So entsteht ein Twix: Aus dem Ofen kommt es als lange Keksbahn.

So entsteht ein Twix: Aus dem Ofen kommt es als lange Keksbahn.

Foto: Mars

Für 30 Länder wird in Viersen produziert; das Gros für den europäischen Markt: Deutschland, Niederlande, Frankreich, Polen und Tschechien. „Aber wir liefern auch nach Korea, Australien und Kanada“, berichtet Schokoladenfabrikdirektorin Wagner. Sie hat, wie viele Marsianer, häufiger die Abteilungen bei Mars gewechselt. So wie auch die Personalchefin am Dülkener Standort. Die promovierte Betriebswirtschaftlerin Hannah Herlemann-Wegener leitete zuvor die Produktion in Dülken und zeigt den Festgästen, wie Balisto und Twix entstehen. Anderthalb Stunden dauert es, bis aus dem zubereiteten Teig ein fertig verpackter Schokoriegel geworden ist. „Big Mama“ nennen die Mitarbeiter die größere der beiden Produktionslinien, auf der alle Twix-Varianten entstehen – ob mit Spekulatius-Aroma während der Vorweihnachtszeit, ob die normale Größe, das XXL-Format oder die ganz kleine Größe, die in den „Celebrations“-Packungen liegen. „Hier sehen sie den wahrscheinlich längsten Keks der Welt“, sagt die 43-Jährige grinsend in Anspielung auf die Duplo-Reklame von Ferrero und weist aufs Förderband, auf dem 42 Keksbahnen gemächlich aus dem 41 Meter langen Ofen fahren, bevor sie gekühlt, auf die richtige Größe geschnitten, mit Karamellcreme versehen, erneut gekühlt und dann mit Schokolade überzogen werden.

 Wenig später wird es geschnitten und mit Karamell überzogen.

Wenig später wird es geschnitten und mit Karamell überzogen.

Foto: Mars
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