Rathausstürme & Co. Feucht, fröhlich – und fast friedlich

Viersen · Bis zu 1200 Menschen feierten Altweiber auf dem Alten Markt in Dülken. Das DRK war unerwartet oft wegen zu viel Alkohol im Einsatz. Auch die Polizei war gefordert, etwa wegen Streitigkeiten. Die Rathäuser fielen friedlich an die Jecken.

Bis zu 1200 waren bei dem Altweibertreiben auf dem Alten Markt in Dülken.

Bis zu 1200 waren bei dem Altweibertreiben auf dem Alten Markt in Dülken.

Foto: Ja/Knappe, Joerg (jkn)

Bis zu 1200 Menschen haben an Altweiber auf dem Alten Markt in Dülken gefeiert. Das waren weniger als im Vorjahr, trotzdem hatte das Deutsche Rote Kreuz mehr zu tun. Bis zum späten Nachmittag mussten 23 Menschen behandelt werden, die meisten, weil sie zu viel getrunken hatten. Darunter auch 13-Jährige. Auch als sich gegen 17 Uhr der Platz zunehmend leerte, sagte DRK-Einsatzleiterin Inke Titscher: „Bei uns ist es noch nicht ruhiger.“

Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort. Bis zum Nachmittag wurden drei Platzverweise ausgesprochen und eine Person in Gewahrsam genommen; zudem gab es zwei Strafanzeigen wegen Körperverletzung. „Wir rechnen nicht damit, dass wir die deutlich höheren Einsatzzahlen des Vorjahres erreichen werden“, erklärte Polizeisprecher Wolfgang Goertz. Das Gros der Jecken feierte friedlich und fröhlich.

Während in Dülken schon gefeiert wurde, wurde in Alt-Viersen noch gefightet: Erst kurz vor 16.30 Uhr überließ Bürgermeisterin Sabine Anemüller den Schlüssel fürs Stadthaus den Karnevalisten. Die hatten mit dem Sturm um 15.15 Uhr begonnen – und erstmal eine Kanone auf den Amtssitz der Bürgermeisterin gerichtet. „Räumst Du Deine Bude – oder willst Du kämpfen?“, rief Senatspräsident Frank Schiffers in Richtung der Bürgermeisterin, die mit der Stadtspitze vom Balkon aus die Narren begrüßte. Nach mehreren Böllerschüssen ließ Anemüller die Jecken schon mal ins Foyer. Wegen des Dauerregens ging die Erstürmung im Gebäude über die Bühne. Dort bot der Festausschuss alles auf, um die Bürgermeisterin zu erweichen: die Kindertanzgruppe der Roahser Jonges tanzte, die neunjährige Gina sang, auch das Kinderprinzenpaar performte. Sonst gab’s das Rahmenprogramm immer draußen vor dem Haus, drinnen wurde es richtig voll. Und dann hatte auch die Bürgermeisterin ein Einsehen, kam ins Foyer, rückte den Schlüssel heraus und feierte gemeinsam mit den Karnevalisten.

Bereits am Morgen war das Süchtelner Rathaus als erstes gefallen. Der Beigeordnete und „Hausherr“ Ertunç Deniz sein Herz für die „Jecken im Regen“. Mit gereimten Worten begrüßte er die Jecken: „Ihr Narren wollt heut‘ an die Macht? Doch nicht sofort, mit Bedacht…“ Doch die Gegenwehr war angesichts der patschnassen Jecken nicht groß. Nach 2 x 11 Minuten hielt das Prinzenpaar Bastian I. und Bianca I. den Schlüssel in den Händen. Nach einem Tanz der Kindergarde der KG Brook Müerkes und Musik der White Hackle Pipes and Drums zogen die Narren zum Lindenplatz, um dort mit rund 150 Karnevalisten pünktlich um 11.11 Uhr der Straßenkarneval zu eröffnen.

In Dülken wurde um 11.11 Uhr das Rathaus erstürmt. Um die Geschwindigkeit der stürmenden Narren zu messen, hatten die Verteidiger extra eine „Blitze“ aufgebaut. Das Prinzenpaar Mark I. und Natalie I. spazierte völlig ungehindert ins Rathaus – wegen des Wetters war kurzfristig entschieden worden, die Erstürmung des Rathauses ins Gebäudeinnere zu verlegen. Ortsbürgermeisterin Simone Gartz, die nach einer Operation nicht lange stehen kann, wurde würdig von dem als Ortsbürgermeisterin Simone Gartz verkleideten Ratsherrn Stephan Seidel vertreten.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort