Viel Leere auf dem Schöppenmarkt

Viel Leere auf dem Schöppenmarkt

Zahlreiche Besucher kamen — etliche Händler dagegen nicht. Deshalb blieben vor allem auf dem Wilhelm-Cornelißen-Platz viele Flächen frei.

Viersen. Es gibt Dinge, die braucht man unbedingt — obwohl man vor zehn Minuten nicht wusste, dass es sie gibt. Den Spiralschneider, mit dem man aus Zucchini Spirelli zaubert. Das Baby-T-Shirt mit dem Spruch: „Ich kleckere nicht, ich dekoriere“. Putzbürsten in jeder erdenklichen Form. All das gibt es auf dem Schöppenmarkt. Besucher und Händler kamen von nah und fern, um am Aschermittwoch in Dülken bei dem großen und traditionsreichen Krammarkt dabei zu sein.

Foto: Busch

Doch gestern waren einige Besucher und Händler enttäuscht. „Man kann den Markt auch kaputt machen“, schimpfte René Quarda. Vor allem auf dem Wilhelm-Cornelißen-Platz sei es viel zu leer, sagt der Markt-Besucher. Die Stände stünden einzeln herum. „Die muss man doch nebeneinander stellen“, sagt Quarda. So komme keine Stimmung auf.

Tatsächlich sind auf dem Cornelißen-Platz schätzungsweise ein Drittel der Standflächen leer. Einige Stände stehen frei, links, rechts, gegenüber — keiner der Nachbarplätze ist besetzt. „Das ist natürlich schlecht für uns“, sagt Bianka Mannitz. Ihre Familie hat einen Gewürzstand auf dem Cornelißen-Platz aufgebaut. „Wenn in der Reihe keiner steht, kommen die Leute auch bei uns nicht vorbei.“

Vor allem die schlechte Wettervorhersage hat wohl einige Händler davon abgehalten, nach Dülken zu kommen. „Teilweise war Sturm angesagt“, erzählt Mannitz, die aus Krefeld gekommen ist. „Wir haben auch überlegt, ob wir zu Hause bleiben. Ein Sturm wäre Gift für ein Zelt und den Wagen. Die Sachen könnten ja kaputt gehen.“ Außerdem ist die Standmiete gestiegen.

In der Stadtverwaltung war gestern Nachmittag nicht bekannt, wie viele Händler genau abgesagt haben. 340 hatten sich angemeldet und einen Platz zugewiesen bekommen. Außerdem kommen jedes Jahr Händler unangemeldet. Der Marktmeister weist ihnen dann Plätze von Händlern zu, die ihre Stände um 7 Uhr noch nicht bezogen haben. „Dabei werden zuerst die Kernbereiche auf dem Alten Markt und der Schulstraße gefüllt“, sagt Stadtsprecher Frank Schliffke. „Der Wilhelm-Cornelißen-Platz wird als letztes aufgefüllt.“ 2015 waren etwa 50 Händler angereist, die sich vorher nicht angemeldet hatten. Dieses Jahr waren es nur 20 — so blieb der Wilhelm-Cornelißen-Platz leer. Zudem wurde in diesem Jahr erstmals konsequent darauf geachtet, dass Feuerschutzzonen frei bleiben. Schon deshalb war zwischen den Ständen mehr Platz als sonst.

René Quarda, Besucher

Doch allem Ärger zum Trotz amüsieren sich viele Besucher auf dem Schöppenmarkt köstlich. Die Viersenerin Sylvia Borg lässt sich den Fisch schmecken, der sei auf dem Markt immer besonders lecker. „Ich komme jedes Jahr hierher, das ist für einen Dülkener Pflicht“, sagt auch Günter Wessels. Seine Ausbeute: Stoff-Küchentücher, die man erst nach längerer Zeit wegwirft — die habe jeder Dülkener im Haus —, mehrere Gartenscheren und Staubsaugerbeutel, die günstiger waren als im Supermarkt.

Einige Händler zeigen richtige Verkaufsshows. Alexander Knötig aus Erlangen präsentiert, dass sein Spiralschneider auch mit Akkuschrauber zu betreiben ist. „So kocht man im 21. Jahrhundert“, sagt er. Eine Straße weiter übertönt Bananen-Fred vom Hamburger Fischmarkt alle. Er füllt Obstkörbe und preist dabei seine Waren an: Kiwis, „die Pellkartoffel der Italiener“, und auch deutsche Äpfel aus Holland verkauft er. Einigen Besucherinnen wirft er Bananen zu und flirtet: „Hallo mein Schatz, ich liebe dich, von deinem Geld ernähr’ ich mich.“

Sogar Schöppen gibt es. Die Schaufeln mit so schönen Namen wie „Idealspaten“ stehen auf einem kleinen Halter. Die meisten Kunden gehen allerdings einfach vorbei — schließlich gibt es auf dem Schöppenmarkt noch Spannenderes zu sehen als Schöppen.

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