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Unwetter trifft Viersen-Dülken mit voller Wucht - historische Altstadt überflutet

NRW : Unwetter: Regen flutet Dülken

Land unter in der historischen Altstadt: Binnen weniger Minuten wurden Straßenzüge überschwemmt und Keller überflutet. Auch in anderen Kommunen musste die Wehr pumpen. Für die Niers galt Hochwasserstufe 1.

Sturmtief Xero hat am Dienstagabend für zahlreiche überschwemmte Straßen und vollgelaufene Keller im Westkreis gesorgt. Besonders betroffen waren Dülken und Niederkrüchten. Die Feuerwehren waren mit Großaufgeboten vor Ort.

Mehr als 135 Einsätze arbeitete allein die Feuerwehr Viersen in der Nacht zum Mittwoch ab. Der nach 19 Uhr einsetzende starke Regen hatte zu einem Rückstau im Ortskern von Dülken gefüht; besonders betroffen war der Bereich um die St.-Cornelius-Kirche. An der Ecke Moselstraße/Lange Straße stand das Wasser in kurzer Zeit bis zu 90 Zentimeter hoch. Keller und Erdgeschosse, liefen voll.

„Es waren ganz unwirkliche Szenen“, schildert Friederike Doetsch. „Menschen wateten in Badehosen durchs Wasser, hatten ihre Kinder auf den Schultern.“ Bei der Buchhändlerin drang das Wasser in den tiefer gelegten Teil des Ladenlokals ein. Auch der Keller des Hauses lief voll. „Das Wasser hat die Ware beschädigt, die sich nahe dem Fußboden befand. Auch die schönen, rund 75 Jahre alten Holzregale wurden in Mitleidenschaft gezogen“, berichtet Doetsch. Bis 22.30 Uhr schöpfte sie mit ihrem Team das Wasser aus dem Geschäft.

Wegen der Vielzahl der eingehenden Meldungen baute die Wehr eine Einsatzleitung in Dülken auf. „Viersener Wehrleute organisieren hier die Bearbeitung der wetterbedingten Einsatzlagen und entlasten die Kreisleitstelle, die sich auf andere Aufgaben konzentrieren kann“, erklärt Viersens Stadtsprecher. Die Stadt richtete einen Stab für außergewöhnliche Einsatzlagen ein. Die Polizei sperrte besonders betroffene Straßen ab. „Dennoch wurde die Arbeit der Feuerwehr durch Schaulustige behindert, die sich zudem selbst in Gefahr brachten“, so der Stadtsprecher. Auch liegen gebliebene Autos versperrten den Einsatzkräften den Weg. Die Feuerwehr appelliert, in solchen Situationen zu Hause zu bleiben und Absperrungen zu beachten.

Vollgelaufene Keller meldeten neben vielen Privatleuten auch die Volksbank Viersen und das Impfzentrum des Kreises. „Die Lage konnte aber schnell unter Kontrolle gebracht werden“, sagt Kreis-Sprecherin Janine Martschinske. „Auf den Betrieb des Impfzentrums am Mittwoch hatte der Vorfall keine Auswirkungen.“ In Dülken-Hausen musste ein Schweinezuchtbetrieb geschützt werden. Das erledigte die Feuerwehr Schwalmtal.

Der größte Teil der Einsätze war bis 2.30 Uhr am Mittwoch abgearbeitet. Gegen 4 Uhr erreichten die letzten der mehr als 100 ehrenamtlichen Kräfte wieder ihre Standorte. Weitere kleinere Folge-Einsätze erledigte die hauptamtliche Wache, die während der Gesamtlage stets den Grundschutz für das Stadtgebiet sichergestellt hatte.

Neben Dülken gab es auch einzelne Einsätze in Alt-Viersen. So bedrohten Wassermassen an der Heimerstraße einen Pferdehof. Dort wurde über mehrere Stunden gepumpt. Außerdem sicherten Sandsäcke die Anlage. In Süchteln und Boisheim war die Feuerwehr nur zweimal aktiv. Als harmlos erwies sich eine gemeldete Rauchentwicklung am Wildgehege in Süchteln. Es war kein Feuer zu entdecken.

Ab 21 Uhr war am Dienstagabend auch die Freiwillige Feuerwehr Niederkrüchten im Dauereinsatz. „Die letzten Kräfte konnten ihre Arbeit erst gegen 2 Uhr in der Nacht beenden“, erklärte eine Sprecherin. Bei drei Einsatzstellen wurde massive Pumpenleistung benötigt. Am Sohlweg im Gewerbegebiet Dam lief von den umliegenden Feldern Wasser in einen Betrieb. Dort pumpten die Einsatzkräfte mithilfe von mehreren Feuerwehrfahrzeugen das Wasser in den Abwasserkanal.

In Dam standen ebenfalls mehrere Straßen voll Wasser. Auch dort wurde mit Pumpen das nachfließende Wasser von den Häusern weg in den Kanal gepumpt. Wegen der Regenmassen hatte die Schwalm einen hohen Wasserstand; die angrenzenden Entwässerungsgräben wurden überflutet. Sprecherin Heike Ahlen: „Hier pumpte die Feuerwehr mit mehreren Pumpen das Wasser aus den Gräben in die Schwalm zurück und sicherte ein angrenzendes Haus.“

Noch am Mittwochmittag war Sotiras Gkovilas vom griechischen Restaurant „Hermes“ mit Aufräumarbeiten beschäftigt. „Das Wasser stand bis zu unseren Blumenkästen an unseren Fenstern“, berichtet er. „Wir haben bis 4 Uhr in der Nacht versucht, das Wasser rauszubekommen. Und seit heute früh versuche ich, alles wieder sauber zu kriegen.“ Wann er wieder öffnen kann, stehe noch nicht fest. „Es ist ganz viel kaputt gegangen“, sagt Gkovilas und greift wieder zum Hochdruckreiniger.