Unwetter am Niederrhein: Bewohner stehen im Regen

Unwetter am Niederrhein: Bewohner stehen im Regen

Wie viele andere hat das Wasser am Samstag auch Familie Rumens aus Viersen überrascht. Schützen müssen sich die Eigentümer selbst. Sie sollten sich Rat bei der Stadt holen.

Niederrhein. Bangend haben sie auf ihrem Grundstück gestanden und sich immer wieder die Frage gestellt: Werden die teuren Investitionen den Wassermassen standhalten? Sie haben standgehalten, konnten aber nicht verhindern, dass das Wasser dennoch in die Wohnung von Birgit und Heinz Rumens lief.

Nachdem die Viersener erst im September 2008 für über 35 000 Euro die Schäden des Starkregens vom Mai beseitigt hatten, haben sie am Samstag wieder mit ansehen müssen, wie das Wasser in ihre Wohnung lief.

Wie den Viersenern erging es zahlreichen Familien am Niederrhein - vor allem in Nettetal und Mönchengladbach.

"Wir standen auf unserem Hof bis zu den Knien im Wasser, in der Wohnung ging uns das Wasser bis zu den Knöcheln", berichtet Birgit Rumens. Dabei hatten sie nach der Erfahrung im vergangenen Jahr inzwischen sämtliche Vorkehrungen gegen Hochwasser getroffen.

"Nachdem uns von der Stadt gesagt wurde, wir müssten uns selbst vor dem Wasser schützen, haben wir für 10 000 Euro eine Schiebetoranlage angebracht, die das Wasser von den drei Häusern auf unserem Grundstück fernhalten soll."

Immerhin: Dass nicht Schlimmeres passiert ist, haben die Tore verhindert. Im vergangenen Jahr war der Schlamm vom benachbarten Feld bei dem Starkregen in die Wohnung geschwemmt worden. "Diesmal waren es aber die Kanäle, die hochgekommen sind", sagt Birgit Rumens. "Da muss etwas passieren. Wir können ja gar nicht mehr in den Urlaub fahren vor lauter Angst, dass etwas passiert."

Mit den Sorgen ist das Ehepaar nicht alleine. Für den Schaden kommen die Versicherungen in bestimmten Fällen auf. Wer aber ist dafür verantwortlich, dass es erst gar nicht so weit kommt?

Die Antwort ist für die Betroffenen wenig befriedigend: "Grundsätzlich sind die Eigentümer selbst für den Schutz verantwortlich", sagt Gerd Zenses, Dezernent bei der Stadt Viersen. Das Landeswassergesetz besage, dass "sich der Unterlieger vor dem Wasser des Oberliegers schützen müsste". Es müsse sich also derjenige, dessen Grundstück tiefer liegt, darum kümmern, dass das Wasser an seinem Grundstück oder Haus vorbeifließt.

Bei überforderten Kanälen können die Hausbesitzer nichts ausrichten. Laut Zenses können die Kanäle, obwohl sie den geforderten Normen entsprechen, die Wassermengen wie es sie Samstag gab, einfach nicht aufnehmen. Ob es bald NRW-weit neue Richtlichien für Kanalnetze gibt, wird derzeit im NRW-Umweltministerium diskutiert.

Viersen wie auch andere Städte würden den Bewohnern aber beratend zur Seite stehen: "Oft weiß man ja gar nicht, wo das Wasser genau herkommt. Das wird dann bei Ortsterminen geklärt", sagt der Dezernent, dem nach dem Regen am Samstag eine Liste von einigen Anfragen vorliegt. Eventuell stellt sich vor Ort heraus, dass die Stadt doch etwas tun kann. Beispiel: "Es könnte sich zeigen, dass die Rinnenabläufe vergrößert werden können."

Christina Achtnich, Pressesprecherin der Niederrheinwerke, spricht von "höherer Gewalt". "Auch wenn wir den Kanal betreiben: Wir können nichts tun, wenn zuviel Wasser im System ist." Die Pressesprecherin rät, eine so genannte Rückschlagklappe an den Kanalhausanschluss zu montieren. "Dann kann kein Wasser mehr reinlaufen."