Wirtschaft im Kreis Viersen Unternehmen investieren weniger

Kreis Viersen · (mrö) Die Verunsicherung der Unternehmen in der Region ist groß, und sie stellen zunehmend Investitionen zurück. Die Gründe laut einer Analyse der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein dafür: Die Wirtschaftspolitik in Bund und Land wirke unzuverlässig, die „überbordende Bürokratie“ werde als „lähmend“ empfunden und die Energiekosten seien zu hoch.

 Die befragten Unternehmen bemängelten unter anderem die üppige Bürokratie.

Die befragten Unternehmen bemängelten unter anderem die üppige Bürokratie.

Foto: dpa/Ralf Hirschberger

„Unsere Konjunkturumfragen, aber auch amtliche Daten zeigen, dass die Investitionsbudgets der Unternehmen sinken. Wenn nicht investiert wird, ist das eine Gefahr für die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts“, warnt IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz die Analyse. Die Daten stammen aus einer IHK-Umfrage bei 600 Unternehmen aus der Region Mittlerer Niederrhein/Düsseldorf.

Knapp ein Drittel der Unternehmen planen, die Investitionsausgaben zu reduzieren, während nur 22 Prozent höhere Investitionen vorsehen. Bereits im Herbst und zu Jahresbeginn waren die Investitionspläne der Unternehmen laut IHK restriktiv. „27,1 Prozent der Unternehmen haben ursprünglich geplante Investitionen zurückgestellt. Das ist ein sehr hoher Wert“, so Steinmetz. Besonders stark betroffen sei das Verarbeitende Gewerbe. 34 Prozent der Industriebetriebe hätten Investitionen zurückgestellt. In der energieintensiven Industrie sei es mit 40 Prozent besonders dramatisch. Bei den Dienstleistern liegt der Anteil laut Steinmetz bei 29 Prozent, während im Baugewerbe nur elf Prozent der Unternehmen geplante Investitionen zurückgestellt haben.

Wirtschaftspolitik wird als unsicher empfunden

Der Hauptgrund für die Zurückhaltung bei Investitionen seien die unsicheren wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. „Das betrifft zum Beispiel offene Fragen zur Energiewende oder Gesetzesinitiativen, die im Raum stehen und mit Auflagen und Einschränkungen für die Unternehmen verbunden sind. Ein Beispiel dafür ist das Lieferkettengesetz“, erläutert Steinmetz. Mehr als ein Drittel der Unternehmen, die Investitionen zurückgestellt haben, nennen die zurzeit hohen Energiekosten und zunehmende Regulierungen als Gründe. Der Einzelhandel führt auch die hohe Steuer- und Abgabenbelastung sowie den Fachkräftemangel an. Fast 40 Prozent der Dienstleister nennen langwierige Planungs- und Genehmigungsverfahren als Faktoren für die Investitionszurückhaltung.

Die IHK-Analyse ist auch der Frage nachgegangen, was politisch passieren muss, damit die Unternehmen ihre zurückgestellten Investitionen nachholen beziehungsweise mehr investieren. Knapp drei Viertel der Betriebe würden bei einer verlässlicheren Wirtschaftspolitik wieder mehr investieren, zwei Drittel bei einer Reduzierung der bürokratischen Belastung. Die Dienstleister sehen zudem in kürzeren Planungs- und Genehmigungsverfahren ein Instrument, um die Investitionsneigung zu steigern. Zwei Drittel der Einzelhändler mit zurückgestellten Investitionen fordern Steuererleichterungen, um mehr zu investieren. Im Verarbeitenden Gewerbe würden 56 Prozent bei dauerhaft niedrigeren Energiepreisen wieder mehr investieren. „Es gibt viele Initiativen und Sonntagsreden, aber niemand geht die Probleme konkret an“, kritisiert Steinmetz. Das Fazit des IHK-Hauptgeschäftsführers: „Wir müssen die Rahmenbedingungen für Investitionen wieder deutlich und grundsätzlich verbessern“, fordert Steinmetz. Die Umfragedaten zeigen uns, dass hinter der Investitionszurückhaltung eben nicht nur eine konjunkturelle Delle steckt.“