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Tiefensammler in Viersen - jetzt wird der Bohrkopf geborgen

Baustelle in Viersen : Teilstück des Tiefensammlers ist fertig

Das erste Teilstück des Regenrückhaltekanals ist fertig. Am Wochenende soll der rund 120 Tonnen schwere Bohrkopf geborgen und zum nächsten Einsatzort transportiert werden — ferngesteuert über die Freiheitsstraße.

Nach knapp drei Monaten Bauzeit ist jetzt 14 Meter unter der Freiheitsstraße in Viersen das erste Teilstück des Tiefensammlers fertig. Am kommenden Wochenende soll der rund 120 Tonnen schwere Bohrkopf, der den Weg für die ersten 740 Meter des Regenrückhaltekanals bereitet hat, zur zweiten Etappe transportiert werden. „Am Samstagmorgen wird ein Autokran aufgebaut. Ab etwa zehn Uhr wird der Bohrkopf aus der Zielgrube gehoben und auf einem Spezialfahrzeug abgesetzt“, erklärt Bauleiter Markus Tieben. In der Nacht zu Sonntag bewegt es sich – ferngesteuert – mit seiner Fracht im Schritttempo über die Freiheitsstraße, bis zur Startgrube für das 820 Meter lange zweite Teilstück auf Höhe der Großen Bruchstraße. Dort wird der Bohrkopf abgeladen und erstmal für mehrere Wochen geparkt. Die Aktion ist aufwendig, deshalb muss die Freiheitsstraße am Wochenende teilweise gesperrt werden.

Bei Starkregen soll das
Kabelnetz entlastet werden

Mitte 2022 soll der Tiefensammler fertig sein: 2,5 Kilometer lang, bestehend aus 3,50 Meter langen Stahlbetonrohren mit je 3,60 Metern Außen- und drei Metern Innendurchmesser. Mit seinem Fassungsvermögen von 17 500 Kubikmetern soll er später bei Starkregen das bestehende Kanalnetz entlasten. Er dient als Zwischenspeicher, von dem aus Regenwasser kontrolliert über ein Pumpwerk in weiterführende Kanäle befördert werden kann. Die Stadt Viersen hat das Versorgungsunternehmen NEW mit dem Bau des Tiefensammlers beauftragt, die im Januar 2019 mit den Vorarbeiten startete. Seither ist der Bereich Freiheitsstraße die größte Baustelle der Stadt.

Das erste Teilstück des Tiefensammlers liegt in dem Abschnitt der Freiheitsstraße von Höhe der Bendstraße bis zur Kreuzung mit dem Willy-Brandt-Ring. Im Vortriebverfahren räumte der tonnenschwere Bohrkopf vorne die Erde aus dem Weg, während von hinten Pressen insgesamt 209 Rohre nachdrückten – bis zu vier Stück am Tag. Der Kanal folge dem Straßenverlauf, erklärt Tieben. Damit am Schluss alle Teilstücke des Tiefensammlers auch genau zusammenpassen, muss ein Bohrleiter darauf achten, dass die Position der Rohre im Boden nicht mehr als drei Zentimeter nach oben und 20 Zentimeter zur Seite vom Plan abweicht.

Rohre und Kabel
müssen abmontiert werden

Bevor der Bohrkopf in der Startgrube des zweiten Teilstücks seine Arbeit aufnehmen kann, müssen Rohre und Kabel im ersten Teilstück abmontiert und zur Großen Bruchstraße gebracht werden. „Alles abzubauen, wird fünf bis sechs Wochen dauern“, sagt Tieben. „Etwa in der dritten Augustwoche sind wir dann wieder startklar“, ergänzt der 58-Jährige.

Die ersten 750 Meter des Tiefensammlers verlaufen etwa von Höhe der Bendstraße aus in einer leichten Linkskurve in Richtung Willy-Brandt-Ring. Noch erhellen Baustellenlampen, die links und rechts an den gebogenen Rohrwänden montiert sind, den Kanal. Kilometerweise Kabel schlängeln sich hindurch bis zur Zielgrube, außerdem Rohrleitungen, durch die vor wenigen Tagen unter anderem noch Wasser-Betonitgemisch und die frisch weggebohrte Erde befördert wurden. „Das ganze System ist ein geschlossener Kreislauf“, erklärt Oberbauleiter Jonathan Trosdorff, der zuletzt mit zwölf Mitarbeitern an der Grube im Einsatz war – beim Umzug zur nächsten Grube werden wohl vorerst wieder rund 30 gebraucht. Ist der Bohrkopf in Betrieb, surrt und wummert es gedämpft im Kanal. Durch eine Rohrleitung schießen die abgetragenen Erdklumpen in Richtung Ausgang. Wer die Handfläche auflegt, spürt die Vibration. Ein für Laien schwer einzuordnender Geruch liegt in der Luft, der Tieben und Trosdorff gar nicht auffällt: „Das kommt vermutlich von den Kunststoffkabeln“, sagen sie. Je weiter sich die Mitarbeiter von der Baugrube aus in den Kanal bewegen, desto dünner wird die Luft. Damit sie nicht die Orientierung verlieren, sind im Tunnel Notausgang-Schilder angebracht. Auch Einsatzkräfte der Feuerwehr seien schon unten im ersten Teilstück gewesen, berichtet Tieben: Sollte es einen Notfall geben, müssen die Wehrleute ja wissen, was sie erwartet.

Bis Freitag bleibt der Bohrkopf nun in der Zielgrube auf Höhe des Willy-Brandt-Rings liegen. Am Samstag landet er auf dem Spezialfahrzeug, gegen 22 Uhr am Abend soll seine Reise in Richtung Große Bruchstraße beginnen. Geparkt wird er dann bis Mitte August voraussichtlich ganz in der Nähe der Grube.