Süchtelner Höhen: Freizeitpark oder Naherholung?

Süchtelner Höhen: Freizeitpark oder Naherholung?

Einen Ausbau auf den Süchtelner Höhen lehnen die Naturschutzverbände ab. Es solle keinen weiteren Autoverkehr geben.

Viersen. Was soll mit dem Wildgehege auf den Süchtelner Höhen geschehen — soll es in der Regie der Stadt Viersen weitergehen oder lieber mit einem privaten Betreiber? Für die Natur- und Umweltschutzverbände BUND, Nabu, die Bürgerinitiative Viersen-Hamm und die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald lässt sich diese Frage nicht isoliert betrachten.

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Für sie alle ist sie eng mit einer viel weiter gefassten Frage verknüpft: Wie sieht die Zukunft der Süchtelner Höhen aus? Intensivere Freizeitnutzung für mehr Menschen? Oder Naherholung und vielleicht die Ausweisung eines Naturschutzgebietes?

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Horst Meister vom BUND bezeichnet das Wildgehege als eine „unendliche Geschichte“. Es handele sich um eine „intransparente Ansammlung von Absichtserklärungen aus Politik und Verwaltung — je nach Kassenlage“.

Seit vielen Jahren werde diskutiert, vor vier Jahren auch über die Auflösung des Geheges, die aber nach Protesten — auch der Naturschutzverbände — nicht gekommen sei. Für die Verbände sei die Lage eindeutig: Alle möchten das Wildgehege erhalten, und zwar in städtischer Trägerschaft und unter Mitwirkung der anerkannten Verbände. Der freie Zutritt für die Bevölkerung solle gesichert werden.

Es geht aber noch um deutlich mehr, wie Günter Wessels vom Naturschutzbund (Nabu) erklärt. „Der Wald spielt eine große Rolle in der Geschichte Süchtelns“, sagt er (siehe Info-Kasten). Deshalb sei seine Idee, nach dem Vorbild der Bockerter Heide, die als „bäuerliche Kulturlandschaft“ unter Naturschutz stehe, ein kleines Naturschutzgebiet zu schaffen. Darunter könnten seiner Ansicht nach auch die Kopfbuchen, als Süchtelner Uhlen bekannt, fallen, die Zeugnis ablegten von der Brennholz-Gewinnung auf den Höhen.

Wer in die Geschichte schaue, wisse, dass es früher schon mit einer Reitanlage und einer Motocross-Bahn Freizeitnutzung gegeben habe — beides habe sich die Natur zurückgeholt. Eine ähnliche Zukunft prophezeit er auf lange Sicht auch dem Kletterwald. „Wenn da jetzt aber viel asphaltiert und gebaut wird, dann ist der Bereich für immer verloren“, ist er überzeugt.

Volker Breme, Sprecher der Bürgerinitiative Viersen-Hamm, kritisiert vor allem die „Bürgerbeteiligung nach Viersener Art“. Hier werde zu oft „ein Modell hinter verschlossenen Türen in trockene Tücher gebracht“, ohne dass die Bürger ein Mitbestimmungsrecht hätten.

„Die Politiker haben sich nicht klar geäußert“, kritisiert Almut Grytzmann-Meister vom BUND. Es sei kein klarer Auftrag an die Verwaltung ergangen, welche Möglichkeiten sie denn nun prüfen solle. Jeder Politiker drücke sich vor einer Entscheidung. „Vor der Wahl wird nicht mit offenen Karten gespielt — und nach der Wahl kriegen die Bürger die Quittung dafür“, ergänzt Horst Meister.

Die Naturschützer sind sich einig, dass sie keinen Ausbau der Freizeitnutzung auf den Höhen möchten — keine Vergrößerung des Kletterparks, kein Wildgehege in privater Trägerschaft, keine zusätzlichen „Events“ und vor allem keinen zusätzlichen Autoverkehr. Wer die Natur dort genießen möchte, solle wie in alter Zeit zu Fuß dort hochpilgern.

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