Stadt Viersen muss in Schule neun Klassenräume sperren - wegen Decke

Schulen in Viersen : Stadt Viersen sperrt neun Klassenräume

Die Deckenkonstruktion der Hauptschule in Süchteln muss kurzfristig erneuert werden.

Erst gab es einen großen Krach – und anschließend erleichterte Gesichter: Im Mai stürzte in Mönchengladbach die Decke eines Klassenraums in der Gemeinschaftsgrundschule Eicken ein, zum Glück befand sich währenddessen niemand in dem Klassenraum. Seit Mittwochvormittag ist klar: Eine solche Deckenkonstruktion wurde wohl auch im Altbau der Süchtelner Hauptschule verbaut. Die Stadt Viersen sperrte vorsorglich
neun Klassenräume.

„Es besteht keine akute Absturzgefahr“, betonte Stadtsprecher Frank Schliffke. Dennoch will die Stadt die Deckenkonstruktion nun kurzfristig austauschen. Das Besondere an dem Konstrukt: Es handelt sich um eine abgehängte Decke, an der eine zweite Decke hängt. Der vorübergehende Ausfall der Räume kann schulintern ohne größere Schwierigkeiten aufgefangen werden.

Bereits nach dem Vorfall in Mönchengladbach hatte die Viersener Stadtverwaltung damit begonnen, die Konstruktionen in ihren Schulgebäuden zu untersuchen. Noch im Schulausschuss am Dienstagabend erklärte der Leiter des Fachbereichs Zentrales Gebäudemanagement, Ralf Lentzen: „Deckenkonstruktionen wie in Mönchengladbach sind dabei bislang nicht aufgetaucht.“ Dennoch sei bei den Untersuchungen herausgekommen, dass viele der Konstruktionen nicht mehr zeitgemäß seien und sich auf dem technischen Stand der 1960er- und 1970er-Jahre befinden. Weshalb die Stadtverwaltung die Deckenkonstruktionen in 177 Räumen im Clara-Schumann-Gymnasium und in der Realschule an der Josefskircheaustauschen möchte – während der Sommerferien. Eine Fachfirma sei bereits gefunden; nach aktuellem Stand liegen die Gesamtkosten für den Austausch bei knapp 150 000 Euro.

Es ist nicht die einzige schlechte Nachricht zum Zustand der Viersener Schulgebäude. Bei Voruntersuchungen für die energetische Sanierung der Paul-Weyers-Schule in Boisheim kam heraus, dass sich Schadstoffe im Gebäude befinden, die aufwändig entfernt werden müssen. Dabei handelt es sich um das Dichtmittel PCB, einen organischen Giftstoff, das bereits in die Waschbetonplatten der Außenfassade eingedrungen ist. Sie müssen nun als Sondermüll entsorgt werden. Dazu wird das gesamte Gebäude eingehaust. Das soll in der Zeit zwischen Oster- und Sommerferien 2020 passieren. Die Schüler werden während dieser Zeit in der Paul-Weyers-Schule in Dülken unterrichtet. Dort wurden bereits vier Räume hergerichtet. Die Kosten kann die Stadt noch nicht beziffern.

Mehr von Westdeutsche Zeitung