Selbstverteidigungskursus für Frauen in Viersen-Dülken: So wehren Sie Angreifer ab

Selbstverteidigungskursus in Viersen-Dülken : Auch Selbstverteidigung braucht regelmäßige Übung

Unsere Autorin hat ein Probetraining speziell für Frauen absolviert – und dabei viel gelernt.

Nach knapp zwei Stunden Training soll ich mich – wie die anderen Teilnehmerinnen im Kurs – besser verteidigen können. Wenn jemand übergriffig wird. In der Sporthalle der Paul-Weyers-Schule in Dülken hat sich die Taekwando-Gruppe des Vereins Oh-Do-Kwan versammelt, die hier regelmäßig trainiert. Und eine kleine Gruppe junger Frauen, die zum Selbstverteidigungstraining gekommen ist und Kampftechnik lernen will, die ursprünglich vom koreanischen Militär stammen. Darunter bin auch ich.

Wir fangen bescheiden an. Es sei wichtig, dem Angreifer einen Schrecken zu verpassen und überhaupt erst Gegenwehr zu zeigen, sagt Trainer Thomas Schneider. „Ihr könnt schreien oder mit voller Kraft gegen das Schienbein oder auf den Fuß treten.“ Das sollen wir nun auch probieren. Wir treten uns zwar nicht die Zehen blau, aber alle Frauen merken schnell: Mit vollem Atem jemandem ins Gesicht zu brüllen, ist nicht einfach. „Wir haben diese Hemmschwelle, uns wird beigebracht, leise zu sein“, sagt Schneider. Die ersten Sekunden bei einem Übergriff seien entscheidend. Oft werde der Angriff abgebrochen, wenn das Opfer sich wehrt, sagt Schneider. Also: Einen Vorteil könnte man schon haben, wenn man überhaupt irgendwas tut. Und wenn es nur Brüllen und Tritte sind.

Und wenn der Angreifer hartnäckig bleibt? An dieser Stelle kommt dann doch etwas Kampfsport ins Spiel. Denn daraus stammt die Erfahrung, wie man sich auch aus harten und festen Griffen lösen kann. Der Schlüssel ist, Druck oder Zug an der Stelle auszuüben, an der die Hand des anderen beim Greifen Lücken hat. Beispielsweise können Daumen und Finger stark umklammern, aber zwischen Daumen und Zeigefinger bleibt die Hand schwach. Auch mit einer drehenden Bewegung kann man sich befreien.

Aber: Komplexere Griffe müssen geübt werden, und schon beim Nachmachen der ersten Techniken merke ich, wie viel man gleichzeitig im Blick haben muss. Wo muss die Hand genau hin? In welche Richtung muss ich welchen Teil des Körpers ziehen? Oder muss ich drücken? Am Ende klappt es doch noch, die Technik umzusetzen. „Man muss die Bewegungen eigentlich so weit üben, dass man sie ohne nachzudenken ausführen kann“, sagt Schneider. Ob ich alle Tipps, die ich bekomme, in einer echten Notlage umsetzen könnte – daran habe ich Zweifel.

Immerhin gibt es einige Ratschläge, die kein jahrelanges Training brauchen. So sei es meist hilfreich, das Kinn des Angreifers mit der Hand hochzudrücken. Dadurch kippt der Kopf nach hinten, Menschen verlieren dabei meist ihr Gleichgewicht. Außerdem sieht die Person nicht mehr ihr Umfeld, wenn der Kopf nach oben gerichtet ist. Anschließend könne man treten, schreien – und vor allem wegrennen. Schneider: „Wenn ihr den Angriff unterbrochen habt, lauft weg.“ Heldentaten empfiehlt er auch Trainierten nicht.

Fazit: Abschreckung und Gegenwehr sind für alle, die keinen Kampfsport betreiben, eine ziemlich praktikable Lösung. Trotzdem können viele kleine Kniffe, die in einem Training gezeigt werden, den Unterschied machen. Aber um das Können im Notfall einsetzen zu können, braucht es Übung.