Schnee macht Schafen nichts

Schnee macht Schafen nichts

Wovon ernähren sich die grasenden Tiere eigentlich bei Schnee und Eis? Die WZ hat mit Schafzüchter Dirk Wolter gesprochen.

Niederrhein. Niederrheinische Schafe sind wetterfest: Während sich der Mensch an diesen frostigen Tagen bibbernd von A nach B bewegt, stehen die Wollknäuel nicht mehr und nicht weniger gelangweilt als sonst auf schneebedeckten Feldern. Und es macht ihnen nicht einmal etwas aus. Vorausgesetzt, sie haben genug zu fressen. Der Kempener Dirk Wolter ist nebenberuflich Schafzüchter. Immerhin zählt seine Herde 300 Schafe - und die überwintern zum Großteil draußen. Nur trächtige Muttertiere müssen den Stall hüten. Derzeit sind es bei Wolter etwa 100.

"Für die Tiere ist es am Niederrhein gar kein Problem draußen zu sein. In Bayern, wo es hohen Schnee gibt, werden sie den ganzen Winter über eingestallt", sagt Wolter. Doch auch er muss sich im Winter umstellen. Während er im Sommer feste Pachtwiesen für seine Schafe hat, muss er jetzt sehen, wo seine Schafe geeignete Bedingungen finden.

Die hängen von verschiedenen Faktoren ab: von der Höhe der Schneedecke, der Länge der Grashalme, der Bodenbegebenheit und der Größe des Geländes. "Wenn die Grashalme lang genug sind, scharren sich die Schafe die Halme frei", erklärt der 37-Jährige. Bei trockenem Wetter brauche er zwei Morgen Land (0,25 Hektar) pro Tag. Tauwetter hingegen ist für die Bleibe weniger gut. "Wenn es zu nass ist, treten die Tiere alles kaputt."

Ist alles abgegrast, müssen sich Schäfer und Herde - wie im Sommer - umorientieren und neues Land suchen. Entweder geht es zu Fuß zu einem "frischen" Feld. Oder Wolter muss pendeln. Wenn das nächste Feld mehrere Kilometer entfernt ist, fährt er die Schafe mit dem Anhänger hin. "Das sind sie gewohnt", sagt Wolter, dem es nichts ausmacht, mehrere Touren zu fahren, weil nur 25 Schafe in den Anhänger passen.

Wenn das Futter auf dem Feld knapp wird, ein neues aber nicht in Sicht ist, gibt es "Essen auf Rädern". Dann fährt Wolters Heu oder Rote Bete zu den Schafen. "Meist ist es aber so, dass die Landwirte mich anrufen oder ich bei ihnen nachfrage, ob ich mit meinen Schafen kommen kann." Die Dienstleistung macht für beide Parteien Sinn: Für den Landwirt hat das Abgrasen im Winter den Vorteil, dass das neue Gras im Frühjahr besser nachwachsen kann. Der Schäfer spart im Gegenzug die Pacht.

Auf den Verdienst des Schäfers hat das Wetter übrigens keinen Einfluss - zumindest keinen direkten. "Man lebt von den Lämmern, die man zum Schlachten gibt", erklärt der Kempener. 300 bis 400 werden bei ihm im Jahr durchschnittlich geboren. Die Wolle hingegen ist ein Zuschussgeschäft. Wenn die Schafe Ende Mai geschoren werden, kostet das pro Schaf 2,50 Euro. Drei Kilogramm Wolle lässt ein Tier. Dafür bekommt der Schäfer 1,20 Euro. Unterm Strich zahlt der Schäfer also fürs wollfreie Schaf 1,30 Euro. "Aber gut, es muss gemacht werden", sagt Wolter. Allerdings erst im Mai. Noch brauchen sie ihre Wolle.

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