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Rentner-Cop verfolgt Schmuggler in Nettetal mit E-Bike

Kriminalität im Kreis Viersen : Pensionierter Polizist stellt Schmuggler

Reiner Wende (67) sprang ein, als zwei Fahrzeuge der Bundespolizei bei der Verfolgung des Tatverdächtigen einen Auffahrunfall hatten.

Die Polizei spricht selbst von einer „filmreifen Aktion“, die sich in Nettetal-Kaldenkirchen abgespielt hat. In den Hauptrollen: ein mutmaßlicher Schmuggler, ein pensionierter Kriminalbeamter der Polizei Viersen und vier Bundespolizisten.

Es begann um 10.30 Uhr als Routine-Einsatz: Die Bundespolizei wollte den Fahrer eines aus den Niederlanden eingereisten Autos kontrollieren. „Der Fahrer missachtete die Anhaltezeichen und flüchtete mit stark überhöhter Geschwindigkeit durch den Ortskern von Kaldenkirchen“, berichtet Polizeisprecherin Antje Heymanns. „Er raste in die Fußgängerzone, wo er sich – baulich bedingt – festfuhr.“ Da die Bundespolizei ihn mit zwei Einsatzfahrzeugen verfolgte, konnte er nicht umkehren. Der Fahrer verließ das Auto und setzte seine Flucht zu Fuß fort. Was der Mann nicht ahnte: Die Bundespolizisten hatten während der Verfolgungsfahrt einen Auffahrunfall untereinander, wobei vier Einsatzkräfte leicht verletzt wurden. Dadurch und wegen der extrem hohen Geschwindigkeit des Flüchtigen hatten sie einen geraumen Abstand zu dem Berliner Fahrzeug.

Diese Situation erfasste Reiner Wende – ein 67-jähriger Kriminalbeamter aus Nettetal, der sein Pensionärs-Dasein mit einigen Freunden bei einem Fahrradausflug genoss und zur Pause in der Fußgängerzone weilte. Der „Rentnercop“ beobachtete die Flucht des Mannes, schnappte sich sein E-Bike und verfolgte den Flüchtigen damit. „Ein reiner Glücksfall, dass ich zufällig vor Ort war und den Vorgang brühwarm mitbekommen habe“, sagt Wende. Der mutmaßliche Schmuggler lief weiter und sprang dann über einen hohen Zaun, der für den pensionierten Beamten doch eine gewisse Hürde darstellte. „Da wäre ich niemals rübergekommen“, sagt der „Rentner-Cop“. Doch Ortskenntnis half. „Ich habe mir überlegt, dass er vielleicht an der Brigittenstraße wieder herauskommen würde. Das war aber eine reine Vermutung.“ Die aufging: „Ich sah ihn dann am Ende einer langen Reihenhaus. Und ich hatte schon wieder Glück: Der Mann war vom Laufen so kaputt, dass er gar nicht weiter flüchten konnte.“ Aus dem Einsatztraining hatte der pensionierte Nettetaler auch nach Jahren Ruhestand nichts vergessen, und auch die Autorität aus den aktiven Dienstjahren war offenkundig nicht verloren gegangen: Energisch und mit unmissverständlichen Gesten sprach der Kripomann a.D. den Verdächtigen an, brachte ihn zu Boden. „Beim Fixieren half mir noch ein Passant, dem ich für seine Zivilcourage herzlich danke.“ Den Rest erledigten dann die nacheilenden Einsatzkräfte der Bundespolizei: Sie nahmen den Tatverdächtigen vorläufig fest, legten ihm Handschellen an.

Im Fahrzeug des Mannes fanden die Einsatzkräfte große Mengen Drogen. Den 28-jährigen polizeibekannten Moldawier ohne festen Wohnsitz in Deutschland schickte der Haftrichter am Donnerstag in Untersuchungshaft.