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Renaturierung der Niers in Viersen-Süchteln auf der Zielgeraden

Landschaft in Viersen : Die Niers bekommt Kurven

Ein rund 750 Meter langes gerades Teilstück des Flusses in Süchteln wird derzeit renaturiert.

Für Paddler, die auf der Niers unterwegs sind, ist es noch ungewohnt: Im Fritzbruch in Süchteln müssen sie neuerdings durch kurviges Gewässer navigieren. Der Niersverband renaturiert dort ein 750 Meter langes künstlich angelegtes Teilstück, das bisher gerade verlief. Vor rund einem Jahr begannen die Arbeiten, „jetzt sind wir auf der Zielgeraden“, sagt Projektleiterin Mechthild Lux.

Warum wird die Niers in
Süchteln überhaupt renaturiert?

Projektleiterin Mechthild Lux und der Leiter der Abteilung Gewässer und Labor, Wilfried Manheller. Foto: Nadine Fischer

Das hat mehrere Gründe. Zum einen soll das neue kurvige Niersstück als zusätzlicher Regenrückhalteraum und zum Hochwasserschutz dienen. Ganz in der Nähe betreibt der Niersverband ein Pumpwerk, von dem aus Abwasser in die Kläranlage nach Mönchengladbach befördert wird – bei Starkregen staut sich dort Wasser, das unter anderem in einem 10 000 Kubikmeter fassenden Rückhaltebecken gesammelt, gereinigt und in die Niers geleitet wird. Optimal sei das so nicht, sagt Wilfried Manheller, Leiter der Abteilung Gewässer und Labor. Denn: Das Wasser gelangt schwallartig in die Niers, durch die Umwälzung werden Kleintiere wie Libellenlarven und Bachflohkrebse Richtung Niederlande gespült. Die gerade verlaufende Niers sei „wie eine Autobahn“, erklärt Manheller. Im neuen kurvigen Teilstück wird das Wasser deutlich langsamer fließen, eine Kontrolltechnik soll dafür sorgen, dass Regen nicht mehr schwallartig eingeleitet wird. Zum anderen soll das renaturierte Niers-Areal zur Brutfläche für Wat- und Wiesenvögel werden. „Wir möchten die Niers lebendiger machen“, sagt Manheller.

Wie genau verändert
sich die Nierslandschaft?

Eine der neuen Schlauchwehre, an denen der Wasserzu- und -ablauf reguliert wird. Foto: Nadine Fischer

Auf insgesamt 16 Hektar Fläche entsteht eine Auenlandschaft. Die „alte“, gerade Niers wird auf rund 750 Metern Fläche abgekapselt, stattdessen wird der Flusslauf an zwei Stellen mit dem neuen kurvigen Niersnetz verbunden. Dieses neue Teilstück der Niers wird nach und nach erweitert, bis insgesamt 1,6 Kilometer Strecke fertig sind. Die renaturierte Niers wird bei Mittelwasser etwa 70 Zentimeter tief sein und 15 bis 25 Meter breit. Knapp acht Hektar der neuen Auenlandschaft können später als Regenrückhalteraum genutzt werden: Dafür baut der Niersverband zwei sogenannte Schlauchwehre ein, über die am Anfang und Ende eines 800 Meter langen Teilstücks reguliert wird, wie viel Wasser wie schnell durchgeschleust wird. Projektleiterin Lux rechnet damit, dass das drei bis viermal im Jahr nötig sein wird. Allerdings sollen die Schlauchwehre auch genutzt werden, um zu regulieren, wie schlammig das Gelände ist – denn in zehn Zentimeter hohem Schlamm finden Watvögel gut Futter, also Würmer, erklärt Lux.

Mit mehreren Holzpinnen ist markiert, wie die Niers im Fritzbruch künftig verlaufen soll. Foto: Nadine Fischer

Wann ist die Niers renaturiert?

Projektleiterin Lux sagt zwar, der Niesverband sei auf der Zielgeraden – doch die ist nicht sonderlich kurz. Die ersten Niers-Verschwenkungen sind schon angelegt, so dass Paddler seit ein paar Wochen automatisch durch ein erstes neues Niersstück gelangen, das in wenigen Wochen um eine zweite Verschwenkung erweitert sein soll. Auch die ersten Vögel haben sich schon angesiedelt, darunter Schwäne und Enten. 2021 muss aber noch der Regenrückhalteraum angelegt werden. Mit Holzpinnen im Boden ist markiert, wo die Niers verlaufen soll. Die ausgehobene Erde wird später ringsrum zu einem etwa 70 Zentimeter hohen Schutzwall aufgeschüttet, der Rest abtransportiert.

Was kostet der
Umbau im Fritzbruch?

Insgesamt, inklusive Kosten für Grunderwerb, Planung und Honorare für Gutachten, 7,5 Millionen Euro. Sechs Millionen entfallen auf Kosten für den Bau. Größter Posten mit rund 3,2 Millionen Euro ist die Renaturierung, die Bautechnik für die Schlauchwehre kostet 2,2 Millionen. Die Mitglieder des Niersverbands – unter anderem Städte und Gemeinden – tragen die Kosten.

Wird das Fritzbruch dann
zum Naherholungsgebiet?

Nein. Das Fritzbruch ist Naturschutzgebiet, Spaziergänger und Radfahrer sollen also einen Bogen um die renaturierte Niers machen. „Wir möchten hier Ruhe für die Naturerholung haben“, sagt Manheller. Dass Wassersportler auf der Niers das Gelände durchkreuzen, lässt sich natürlich nicht vermeiden. Sie sollten aber dort nicht aussteigen.