Prozess: 20-Jährige ermordet: Eine Frage der Ehre?

Prozess: 20-Jährige ermordet: Eine Frage der Ehre?

Heute wird das Verfahren um den Tod einer jungen Kurdin eröffnet. Vor Gericht stehen ihr Vater und ihr Bruder.

Rees. Sie musste wohl sterben, weil sie aus Sicht ihrer Angehörigen "die Familienehre beschmutzt" hatte: Der 20 Jahre alte Bruder und der Vater (49) des Opfers sowie ein Bekannter müssen sich von Freitag an wegen gemeinschaftlichen Mordes vor dem Landgericht in Kleve verantworten. Heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen sollen sie Anfang März die junge Kurdin getötet haben.

Ein Spaziergänger hatte die grausam misshandelte Leiche der 20- Jährigen an einem Feldweg entdeckt. Das Gericht hat bis zum 11. Dezember zehn Verhandlungstage angesetzt.

Gegenüber der Polizei hatte ihr Drillingsbruder die Tat gestanden. Der Vater bestritt eine Mittäterschaft. Die junge Kurdin soll wegen ihres westlichen Lebensstils schon längere Zeit vor der Tat Probleme mit ihrer Familie gehabt haben. Die Angehörigen sollen sie massiv unter Druck gesetzt haben, damit sie sich an den konservativen, moslemischen Glaubensregeln orientiert.

Als herauskam, dass die junge Frau keine Jungfrau mehr ist und heimlich in den Niederlanden eine Abtreibung hatte vornehmen lassen, sollen sich Bruder und Vater laut Anklage dazu entschlossen haben, sie zu töten.

Unter dem Vorwand, das Fahrrad der 20-Jährigen gefunden zu haben, soll der Bruder die 20-Jährige am 2. März auf einen einsamen Feldweg gelockt haben. Von hinten soll er seiner Schwester eine Wäscheleine um den Hals gelegt und sie bis zur Bewusstlosigkeit gedrosselt haben. Anschließend soll der Bruder gemeinsam mit dem Bekannten die junge Frau mit Knüppeln erschlagen haben. Als seine Schwester tot war, habe er die Geldbörse an sich genommen, um einen Raubmord vorzutäuschen.

Der Bekannte des Bruders, der ebenfalls angeklagt ist, war Ende März festgenommen worden. Er war als Mittäter in Verdacht geraten, als die Ermittler am Tatort einen verloren gegangenen Knopf fanden. Daran stellten sie Blut des Opfers fest.

Mehr von Westdeutsche Zeitung