Niederrhein: Mit dem Lama an der Leine

Niederrhein: Mit dem Lama an der Leine

Eine äußerst ungewöhnliche Tour bietet der Naturpark Schwalm-Nette in Dalheim an.

Niederrhein. Noch eine Kurve, dann liegt rechts der Dalheimer Klosterhof. Von da soll es losgehen zur Tour mit Pablo, Gomez und Sascha. Die drei warten auf einer Weide hinter dem Hof. Neugierig mustern sie die Menschen - und die gucken ebenso neugierig zurück. "Sind die süß", flüstert Sigrid Mohr aus Willich. Gomez brummt leise vor sich hin. Er ist genau wie Pablo und Sascha gut fünf Jahre alt und lebt seit dreieinhalb Jahren in Dalheim bei Sabine und Winfried Höfer.

Normalerweise leitet Sabine Höfer die Touren mit den Lamas. "Aber sie hat sich ein Bein gebrochen, jetzt müssen Sie mit mir vorlieb nehmen", sagt Winfried Höfer. Er stellt zunächst die drei Hauptpersonen vor. Den Riesen Pablo, der wirklich groß ist für ein Lama, der aber auch ein mindestens ebenso großer Angsthase ist. Den mutigen Gomez mit dem schwarz-weißen Fell, der immer auf die Gruppe aufpasst. Und den kleinen kuscheligen Sascha, der ein "Wooly" ist, eine Unterart der Lamas, die für mehr Wollertrag gezüchtet wird.

Sascha hat viel Spaß daran, Pferde zu erschrecken, indem er sie anschnaubt. Davor, dass die Tiere Spaziergänger anspucken, brauche man keine Angst zu haben, erklärt Höfer. "Lamas, die einen Menschen anspucken, sind fehlgeprägt."

Untereinander gehe es bei Pablo, Gomez und Sascha aber schon einmal spucktechnisch zur Sache, wenn Futter anstehe. Dafür könnten die Lamas springen - zur Not aus dem Stand über einen 1,20 Meter hohen Zaun. Darauf müsse man gefasst sein; Lamas sind Fluchttiere.

Höfer erklärt, wie man die Führleinen halten muss, damit ein Lama-Sprung niemanden von den Füßen holt. Im Zweifelsfall gilt: loslassen. "Lamas sind Herdentiere. Wenn sich einer losreißt, und wir haben die beiden anderen, dann wird auch der dritte nicht weglaufen, dann kriegen wir ihn wieder", erklärt Höfer.

Natürlich passiert nichts dergleichen auf der Tour. Gomez versucht nur, im Innenhof ein paar Äste des Weihnachtsbaums zu erhaschen - Tanne ist ein Leckerbissen im Winter. Aber Christina Cüpper aus Heinsberg hat aufgepasst und kann ihn wegziehen. Sie liebt Lamas, eigentlich noch mehr Alpakas, und deshalb hat ihr Freund Mike Doo die Tour vorgeschlagen. Die beiden freunden sich auch gleich mit Gomez an, und schon nach gut einem Kilometer steht für die junge Frau fest: "Ich möchte auch mal Lamas haben."

Beruhigend flüstert sie auf Gomez ein, als der in einem Hohlweg nervös wird. "Die natürlichen Feinde sind Pumas und Bären", erklärt Winfried Höfer. "Und die könnte er hier nicht aus weiter Entfernung sehen, deshalb ist er unruhig." Gomez ist so etwas wie der "Aufpasser" in der Herde. Auch Sigrid und Jürgen Höfer hat es das Lama mit dem schmachtenden Blick angetan. "Mein Mann war skeptisch", sagt die Willicherin. "Aber wann hat man schon mal die Gelegenheit? Wer hat denn in der Region Lamas?"

Ihr Mann schweigt und führt Gomez. Er findet es entspannend. Und genau das soll es ja auch sein. Entspannend und anregend zugleich. Die Tour geht durch den letzten Schnee, es ist kalt, aber die Lamas haben einen zügigen Schritt, so dass niemand frieren muss. Winfried Höfer erzählt von den Fähigkeiten der Lamas. So haben seine Tiere bei Touren mit der Lebenshilfe schon jemanden, der absolut bewegungsmüde war, wieder zum Laufen gebracht.

Die Teilnehmer dieser Tour haben sie zumindest alle restlos begeistert. "Lamas sind cool", sagt der zwölfjährige Frederic aus Viersen. Dem ist nichts hinzuzufügen.

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