Netz am Kirchturm von St. Clemens in Viersen-Süchteln wird zur Falle für Vögel

St. Clemens in Viersen-Süchteln : Turmfalke verfängt sich in Netz und stirbt

Mehrere Vögel haben sich in einem Vergrämungsnetz verfangen, das sich vom Turm der Pfarrkirche St. Clemens gelöst hatte. Eine Rettungsaktion der Feuerwehr scheiterte - die Drehleiter war zu kurz.

Ein Tierdrama hat sich seit Sonntag am Kirchturm von St. Clemens abgespielt: In einem gelockerten Abwehrnetz in gut 50 Meter Höhe verhedderten sich mehrere Vögel und verendeten, darunter ein Falke, der im Turm brütete. Bereits seit Sonntag hatte es Wirbel rund um den Kirchturm der Süchtelner Pfarrkirche St. Clemens gegeben. Anwohner hatten die Schreie der Vögel gehört, die sich im Netz verfangen hatten. Das Ordnungsamt der Stadt Viersen, die Feuerwehr, Notfelle Niederrhein und das Veterinäramt des Kreises Viersen rückten aus. Doch keiner konnten den Tieren helfen. Nadine Ehm von Notfelle Niederrhein sprach von vier toten Vögeln, darunter Dohlen und Tauben.

Die Gemeinde St. Clemens Süchteln wurde informiert. Sie beauftragte für Dienstagmorgen eine Dachdeckerfirma, alle Vergrämungsnetze am Kirchturm abzunehmen. „Wir wollen nicht, dass Vögel zu Schaden kommen. Die Dachdeckerfirma hat zugesagt, zwischen 10 und 12 Uhr zu kommen. Schneller ging es wirklich nicht“, sagt Pfarrer Michael Schlößer. Die Netze am Kirchturm seien vor mehr als zehn Jahren angebracht worden, um zu verhindern, dass Tauben ins Kirchturm-Innere gelangen. „Das hatte hygienische Gründe. Taubenkot ist gesundheitsschädlich; in dem Kirchturm arbeiten Menschen“, erklärt Schlößer. Die Dachdeckerfirma werde von innen in den Turm steigen und die Netze entfernen. „Sie befinden sich auf 53 Meter Höhe“, so der Pfarrer. Für die Feuerwehr war die Höhe unüberwindbar. Zuerst hatte sich am Sonntag der Bereitschaftsdienst des Ordnungsamts die Situation angeschaut, dann die Feuerwehr. „Wir waren mit einem Löschzug und einer 32-Meter-langen Drehleiter vor Ort, aber wir konnten nichts ausrichten“, berichtet Feuerwehrchef Frank Kersbaum.

Am Montagabend stand fest,
dass ein Turmfalke verendet ist

Am Montag beschäftigte sich das Ordnungsamt der Stadt Viersen erneut mit der Vogel-Todes-Falle. „Wir können keine rechtliche Verfügung erlassen. Zuständig ist das Kreis-Veterinäramt. Wir haben den Fall übergeben“, sagt Ute Feyen von der Stadt Viersen. Der Kreis Viersen bestätigte, dass das Veterinäramt sich am Montag ein Bild von der Lage gemacht habe. „Die Pfarrgemeinde hatte die Dachdeckerfirma verständigt. Deshalb mussten wir nichts anordnen“, sagt Benedikt Giesbers, Sprecher des Kreises Viersen.

Bis zu der Lösung hatten Tierschützer allerdings im Hintergrund gewirbelt. Almut Grytzmann-Meister vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) hatte sich durch die Behörden telefoniert. „Ich habe von vielen Stellen gehört, dass sie nicht zuständig sind. Das finde ich furchtbar. Wenn Tiere in Not sind, ist man laut Gesetz verpflichtet zu helfen. Es ist doch ähnlich, wenn ein Mensch verletzt in der Fußgängerstraße liegt. Sind diese Menschen dann auch nicht zuständig?“ Am Montagabend stand fest, dass ein Turmfalke in den Netzen verendet ist.

Grytzmann-Meister verständigte noch am Abend den Naturschutzbund (Nabu). Bernd Bäumer, Falken-Experte vom Nabu, betätigte, dass es sich um einen Turmfalken handele. „Die Schreie, die man auf einem Video hört, stammen aber nicht von Jungvögeln, sondern von anderen ausgewachsenen Falken. Turmfalken legen jetzt erst ihre Eier. Für die Jungen ist es vier Wochen zu früh“, sagt er. Vor zwei Jahren habe es am Kirchturm von St. Clemens bereits eine Vogelrettungsaktion gegeben: Damals habe man Falken, die sich im Netz verfangen hatten, retten können.

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