Aktion nicht nur in Stadtverwaltung So will Nettetal Fairtrade-Town werden

Nettetal · Noch im Sommer soll die Bewerbung für das Siegel eingereicht werden. Damit will die Stadt auch Vorreiter sein, um auf den Handel mit fairen Produkten aufmerksam zu machen. Und damit auch auf das Konsumverhalten.

 Demnächst nur noch fair gehandelter Kaffee in der Nettetaler Stadtverwaltung: Das wollen Bürgermeister Christian Küsters (von links), Wirtschaftsförderer Hans-Willi Pergens und Sabine Monz vom Stadtmarketing.

Demnächst nur noch fair gehandelter Kaffee in der Nettetaler Stadtverwaltung: Das wollen Bürgermeister Christian Küsters (von links), Wirtschaftsförderer Hans-Willi Pergens und Sabine Monz vom Stadtmarketing.

Foto: Uli Rentzsch

Nettetal wäre, wenn alles gelänge, bald eine von bislang rund 880 schon zertifizierten Städten in Deutschland: Die Seenstadt möchte eine Fairtrade-Stadt werden. Mit diesem Siegel will die Stadtverwaltung deutlich machen, dass sie den fairen Handel mit Produkten aus aller Welt unterstützt. Das stellten jetzt Nettetals Bürgermeister Christian Küsters (Grüne), Wirtschaftsförderer Hans-Willi Pergens und Sabine Monz vom Stadtmarketing heraus.

Ein Blick in die nähere Umgebung zeigt, dass sich beispielsweise bereits Mönchengladbach, Viersen, Willich und Krefeld als Fairtrade-Stadt bezeichnen dürfen. Auf der Karte der Internetseite www.fairtrade-towns.de ist Nettetal immerhin schon schraffiert symbolisiert. Heißt: die Bewerbung läuft.

„Wir bewerben uns nicht nur, um das Siegel zu erhalten“, betonte Küsters. Fairtrade-Stadt zu sein, sei ein weiterer Aspekt, in der Stadt nachhaltig wirken zu können. „Wir haben allein durch unser Konsumverhalten viele Einflussmöglichkeiten.“ Fair Trade beinhalte nicht nur Kaffee, sondern eine ganze Reihe von weiteren Produkten, beispielsweise Baumwolle, Pflanzen, Bananen, Tee, Kakao, Textilien, Kosmetika, Sportbälle und vieles mehr. Gerade im Zuge der Unternehmensbesuche der Wirtschaftsförderung habe man zahlreiche Antworten auf die Frage gefunden, was denn ein faires Produkt sei, betonte Wirtschaftsförderer Hans-Willi Pergens: „So waren wir im Rahmen der Bewerbung auf breiter Basis aufgestellt.“

Wer Fairtrade-Stadt werden will, muss einige Voraussetzungen erfüllen. Zunächst muss es einen entsprechenden Ratsbeschluss geben. Hinter diesem Punkt kann die Stadtverwaltung ein Häkchen machen. Die Politik votierte mehrheitlich für das Vorhaben. Für die CDU hatte deren Fraktionsvorsitzender Jürgen Boyxen noch sinngemäß argumentiert, dass man im Rathaus auch ohne Fairtrade-Siegel den entsprechenden Kaffee trinken könne und dass die Bewerbung in der Verwaltung zu viele Kräfte bündele. Grünen-Fraktionsvorsitzender Guido Gahlings entgegnete in der Debatte, dass der Aufwand durchaus zu bewältigen sei. In politischer Hinsicht könne sich seine Fraktion zudem unterstützend einbringen.

Zweiter Punkt: Eine Steuerungsgruppe soll alle Aktivitäten vor Ort koordinieren. Sabine Monz bestätigte: „Die Steuerungsgruppe gibt es bereits, wir wollen uns im Juni erstmalig treffen.“ Ein Programm soll erstellt werden, das die Aktionen zumindest bis Ende des Jahres berücksichtigt. Zudem soll sich der Einzelhandel aktiv an der Kampagne beteiligen. So soll es eine Art Wegweiser geben, der der Kundschaft, fair gehandelte Produkte vor Ort zu finden.

Neben anderen sollen Schule, öffentliche Einrichtungen und Kirche Fairtrade-Produkte anbieten. Gerade die Gesamtschule Nettetal und die evangelische Kirche Lobberich Hinsbeck seien engagierte Unterstützer für die Bewerbung gewesen, bestätigt Monz. Und in öffentlichen Einrichtungen? Der Rat beschloss bei lediglich drei Enthaltungen, dass während Sitzungen, Ausschüssen sowie im Bürgermeisterbüro Fairtrade-Kaffee sowie ein weiteres Fairtrade-Produkt wie Tee, Zucker, Kakao, Orangensaft anzubieten sei. Schließlich soll die Steuerungsgruppe die Presse und die Öffentlichkeit über alle Aktivitäten informieren. Im Bereich der Verwaltung werden die zu erwartenden Mehrkosten durch die Verwendungen von Fairtrade-Produkten aus dem Haushalt des Netteservice ausgeglichen. Geschätzt werden Mehrkosten von etwa 1000 Euro pro Jahr.

Das Siegel Fairtrade-Stadt wird durch den Verein Transfair Deutschland zunächst für zwei Jahre überreicht. Dann soll überprüft werden, ob noch alle Kriterien erfüllt sind. Der für die Bewerbung zur Fairtrade-Stadt federführende Bereich für Wirtschaft und Marketing will nun in Kürze die notwendigen Unterlagen einreichen. Der Wunsch von Küsters, Pergens und Monz ist eindeutig: Noch im Sommer soll Nettetal auf dem definitiven Weg zur Fairtrade-Stadt sein.

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