Neues Wohnquartier für Nettetal So geht es weiter auf dem Pierburg-Gelände

Nettetal-Lobberich · Der Anfang ist gemacht: Das Werkstatt-Verfahren für das neue Baugebiet hat begonnen. Wie auch schon im Niedieckpark ist das Unternehmen Laarakkers mit einer Tochterfirma entscheidend am Prozess beteiligt.

Die Industriebauten auf dem ehemaligen Pierburg-Gelände rotten seit einigen Jahren vor sich hin.

Die Industriebauten auf dem ehemaligen Pierburg-Gelände rotten seit einigen Jahren vor sich hin.

Foto: Holger Hintzen

Im Süden Lobberichs sollen bis zum Jahr 2028 rund 400 neue Wohnungen entstehen – auf dem etwa neun Hektar großen Gelände der ehemaligen Firma Pierburg. Der Name für das neue Wohngebiet, das Ingenhovenpark Quartier, lag auf der Hand, denn die räumliche Nähe zum Ingenhovenpark und damit auch zur Burg Ingenhoven ist durchaus prägend. Eine ähnliche Konstellation ist den Lobbericherinnen und Lobberichern bereits bestens bekannt: Auf dem Gelände der ehemaligen Firma Niedieck ist in mehr als einem Jahrzehnt ebenfalls ein zentrumnahes, neues Wohngebiet entstanden. Und auch hier spielte ein Erholungsraum eine Rolle: der Niedieckpark. Und nun Pierburg, genau wie Niedieck ein bedeutsamer Arbeitgeber, nicht nur für die Lobbericher Bevölkerung: „Die Stadt Nettetal freut sich, dass dieser Innenstadt-nahe Bereich eine Rivitalisierung erfährt. Hier soll in Zusammenarbeit mit Eigentümer und Projektentwickler in den kommenden Jahren eine attraktive Fläche entstehen“, sagte Markus Grühn, Bereichsleiter für Stadtentwicklung und Bauen. Ein Strukturwandel: Wo Industrie, zumal noch innerstädtisch platziert, nicht mehr stattfinden kann, entstehen nun Wohnungen. Auch im Projekt Ingenhovenpark Quartier wird das niederländische Familienunternehmen Laarakkers involviert sein. Spezialisiert hat sich die Firma auf die Bereiche Rückbau, Erdbau, Schadstoffsanierung, Recycling und  Flächenentwicklung.  Federführend für das Ingenhovenpark Quartier ist die Resite GmbH, eine Tochterfirma Laarakers. Sie hat gemeinsam mit der Immobilien-Tochtergesellschaft des Düsseldorfer Rheinmetall-Konzerns die Ingenhovenpark Quartier GmbH gegründet, die jetzt Eigentümer des Pierburg-Geländes ist. Das bestätigte Merlijn Güppertz, Geschäftsführer der Resite GmbH.

Straßennamen erinnern
an die Zeit der Samtindustrie

Kaum ein Jahr ist es her, im April 2023, dass  Merlijn Güppertz, Wiljan Laarakkers, Gesellschafter der Laarakkers Gruppe, Nettetals Bürgermeister Christian Küsters (Grüne) und Markus Grühn gemeinsam ein bordeaux-rotes Samtband durchschnitten und so die Brillantsamtstraße als Anbindung zu den letzten der insgesamt rund 400 Wohneinheiten im Niedieckpark freigaben. Im Jahr 2011 hatte Laarakkers die fünf Hektar große Fläche aus der Insolvenz von Girmes erworben. Nicht nur Weberei und Ausrüstung, sondern sämtliche Industriegebäude wurden abgerissen. Auch der Niedieck-Schornstein musste fallen.

Wer konnte, pilgerte mit dem Fotoapparat zur Niedieckstraße, um die weiße, inzwischen doch verblichene Front der Firma Niedieck ein wirklich letztes Mal abzulichten. Heute erinnern lediglich Straßennamen an eine glorreiche Zeit der Samtindustrie.

Platz gefunden haben am ehemaligen Industrie-Standort nun Wohnungen in unterschiedlichen Größen, eine Seniorentagesstätte und auch in Kindergarten. Gleichzeitig wurde mit der Bebauung der Anschluss des  Stadtzentrums an den Lobbericher Norden gefunden, der durch Niedieck und dem späteren Leerstand zumindest bautechnisch unterbrochen war.

Anfang Januar hat nun das so genannte Werkstattverfahren für die Entwicklung des Pierburg-Geländes begonnen. Drei Planungsbüros stellten nach einer Ortsbegehung der Nettetaler Politik den Ablauf des Verfahrens vor. Erste Zwischenergebnisse sollen im April präsentiert werden. „Ziel des städtebaulich-freiraumplanerischen Entwurfs ist die Entwicklung eines zukunftsfähigen Quartiers, das eine hohe Qualität im Städtebau und Freiraum mit einer wirtschaftlichen Realisierbarkeit kombiniert“, informierte die Resite GmbH. Dabei werde auch Wert auf ein klimagerechtes Gesamtkonzept gelegt.

Im Sommer 2024 soll schließlich ein Entwurf ausgewählt werden. Dann können Gebäude abgerissen, gegebenenfalls Böden saniert, Flächen parzelliert und für den Verkauf vorbereitet werden – eingebettet in die üblichen baurechtlichen Verfahren. „Wir gehen davon aus, dass wir mit dem Abriss frühestens im kommenden Jahr beginnen werden“, sagte eine Sprecherin der Laarakkers-Gruppe.

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