Viersen: Narren feiern ohne Umzüge in den Sälen

Viersen: Narren feiern ohne Umzüge in den Sälen

Kurzfristig wurden in Dülken und Süchteln die Karnevalspartys nach innen verlegt

Viersen. Auch wenn beide Züge am frühen Morgen von den Verantwortlichen wegen des heraufziehenden Sturms abgesagt wurden: De Dölker on de Sötelsche losse sich das Fiere net vermiese. Es tummelten sich einige tausend kostümierte Jecken auf dem Alten Markt in Dülken und in den Straßen beider Städte. Die meisten hatten Verständnis für die Absagen. In Dülken ging wenige Minuten vor dem geplanten Start des Zuges ein Wolkenbruch über Dülken nieder, den heftige Böen begleiteten.

Foto: Busch

Hartgesottenen Jecken macht das nichts aus. Sie blieben tatsächlich trotz dieses „Sauwetters“ stehen und feierten fast ungerührt weiter. Sowohl Zuschauer als auch Aktive des Zuges, vor allem die Fußgruppen, hatten ihren Spaß. Denn schließlich mussten Kamelle, etliche Strüssche und sorgsam in Zellophan gehüllte Einzeltulpen verteilt werden. Die Gaststätten in der Innenstadt hatten sowieso alle volles Haus, viele folgten der Einladung der Organisatoren zur spontan beschlossenen „Zugausfall-Party“ im Bürgerhaus. Das Kinderprinzenpaar Maik I. und Kylie I. hatte auch hier seinen Spaß. Mit der Ankunft von Prinzenpaar Christian I. und Melanie I. drehte die Musik im Saal richtig auf, denn Prinz Christian zog einen „Indoor-Prinzenwagen“, gefüllt mit Blumen und Kamelle, hinter sich her. „Mit viel Farbe und viel Wärme feiert man in Dülken gerne“ — mit diesem Motto können die Dülkener auch drinnen feiern.

Mitunter gingen einige Blicke nach draußen, wo zeitweilig sogar die Sonne schien. Aufkeimende Zweifel, die Absage sei voreilig gewesen, wehten aber wenig später heftige Böen und ein gewaltiger Regenschauer endgültig hinweg.

Noch während die Organisatoren für den abschließenden Empfang im Corneliushaus alles vorbereiteten, wurde in vielen Gesprächen klar: Diesen ausgefallenen Umzug holen wir irgendwie und irgendwann nach.

Auch die Süchtelner verlegten ihren Zug in den Saal. Aus der geplanten After-Zug-Party machten sie spontan eine Zug-Ausfall-Party im Josefshaus. Die Kostümierten ließen sich die Feierlaune nicht verderben. Die Jecken tanzten, sangen und schunkelten. „Wir konnten unsere Zugteilnehmer rechtzeitig absagen. Und die Stadt legt uns keine Steine in den Weg, wenn wir unseren Zug zu einem neuen Termin ansetzen“, sagte Süchtelns Zugleiter Markus Ophei. „Enttäuscht sind wir schon ein wenig, dass der Zug ausgefallen ist, aber wir machen das Beste draus“, ergänzte Süchtelns Prinz Uwe II. (Holzke). Aber das machte Prinzessin Marion I. wett. Sie feierte nämlich ihren närrischen Geburtstag fünfmal elf Jahre. In den Saal rief sie hinein: „Wir wollen heute nur feiern.“ Dann kam noch ein weiterer Geburtstag dazu, weil Gregor Mackes, stellvertretender Vorsitzender des Festausschusses Süchtelner Karneval, mit seinen 45 Jahren dazu die „100“ vollmachte. - „Happy Birthday 55“. So lautete für Marion der Spruch auf einem großen roten Banner mit weißer Schrift. Der Festausschuss Süchtelner Karneval und die Prinzenbegleitung gratulierten mit einer großen Geburtstagstorte mit ihrem Konterfei. Die Torte war allen zu schade zum Anschneiden.

Das Süchtelner Kinderprinzenpaar Kris I. (Kühnrich) und Elena I. (Bolten) von der KG de Brook Mürkes beglückwünschte ebenfalls die große Prinzessin. Ihr zur Ehre tanzte seine Kindertanzgarde. Unter die Gratulanten mischte sich auch das Dülkener Prinzenpaar Christian I. und Melanie I., ehe sie sich zu ihrer Party ins Bürgerhaus verabschiedeten. Rüdiger Müller, in Süchteln der Sitzungspräsident, reagierte mitfühlend: „Sie haben das gleiche Glück und sind genauso gesaubeutelt wie wir, dass heute der Zug ausfällt.“

An der Feierlaune beteiligte sich das Boisheimer Prinzenpaar Jupp I. und Martina I. gerne. Das Viersener Prinzenpaar Edi I. und Dani II. kam ebenfalls mit einer Geburtstagstorte und Champagner. „Wir kommen gerade von der Kirmes gemäß unseres Sessionsmotto ‘Viersche — ne Jecke Rummelplatz’ und wollen eine Frau Kirmes besonders ehren“, sagte Edi I., der Monika Kirmes den Sessionsorden überreichte. Sie ist ein Roahser Mädchen, wirkt aber als Wahl-Süchtelnerin bei den Musketieren mit. Red

Mehr von Westdeutsche Zeitung