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Mikroplastik - Sportvereine in Viersen haben Sorge um Kunstrasenplätze

Anlagen in Viersen : Kunststoff-Verbot träfe auch Viersen

Sollte die EU das auf Sportplätzen verwendete Plastikgranulat verbieten, müssen die Vereine mächtig investieren.

Das von der Europäischen Union angestrebte Verbot von Mikroplastik auf Kunstrasenplätzen sorgt bei den Sportvereinen in Viersen für Verunsicherung. „Unser Kunstrasenplatz am Stadion Hoher Busch ist mit SBR-Recyklat verfüllt, das Material ist zertifiziert und RAL-geprüft“, sagt Michael Berghausen, Vorsitzender des 1. FC Viersen. Der Verein habe sich die Wahl des Granulats nicht leicht gemacht. „Dem SBR-Granulat bescheinigt man sehr gute funktionelle Eigenschaften, unter anderem eine hohe Elastizität“, sagte Berghausen. Das Material besteht zu 100 Prozent aus wiederverwerteten Autoreifen, gilt als hoch UV- und wetterbeständig: „Das wäre schlimm, wenn wir den Kunstrasenplatz bald neu machen müssten.“

Die EU-Kommission hatte der Europäischen Chemikalien-Agentur einen Prüfauftrag erteilt, ob bestimmtes Mikro-Plastik verboten werden soll. Der Vorschlag der Agentur: Das auf Kunstrasenplätzen übliche Granulat soll ab 2022 verboten werden. Einen Bestandsschutz oder Übergangsfristen empfiehlt die Agentur ausdrücklich nicht.

Ein halbes Dutzend Kunstrasenplätze gibt es in der Kreisstadt, vier liegen in der Zuständigkeit der Stadt Viersen: die Plätze Helenabrunn, der Platz drei der Bezirkssportanlage Süchteln, sowie der alte und der neue Kunstrasenplatz Hoher Busch. „Von den vier städtischen Kunstrasenplätzen könnten drei von einem möglichen EU-Verbot betroffen sein“, erklärte Stadtsprecher Frank Schliffke: „Der alte Kunstrasenplatz am Hohen Busch ist mit Sand befüllt.“ Die drei möglicherweise betroffenen Plätze seien mit hohem Engagement und finanziellem Aufwand der Vereine hergestellt worden; dafür wurden Gelder aus der Sportpauschale verwendet.

Der vierte Platz liegt in der Zuständigkeit des ASV Süchteln

„Beim Aufbau aller Plätze haben wir die jeweils geltenden, allgemein anerkannten Regeln der Technik beachtet“, betonte Schliffke. Der vierte möglicherweise betroffene Platz liegt in der Zuständigkeit des ASV Süchteln: der an der Volksbankarena. Vereins-Vorsitzender Wolfgang Güdden hält ein Verbot noch im Jahr 2021 für kaum durchführbar. „Das muss ja verhältnismäßig sein: Zumindest eine Übergangsfrist muss den Vereinen gewährt werden.“

Alternativen zum Kunststoffgranulat gibt es durchaus. „Es existieren allerdings bisher nur wenig belastbare Studien darüber, wie sich diese Alternativen qualitäts- und kostenmäßig vergleichen lassen“, sagt Michael Berghausen. In der jüngsten Sitzung des Stadtrats sagte Linke-Ratsherr Christoph Sassen: „Es ist aus unserer Sicht mit massiven Preissteigerungen und Lieferengpässen beim alternativen Granulat zu rechnen. Deshalb muss sich die Stadt schnell mit dem Thema befassen.“