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Mevissen: Feuerwehr probt den Erstfall

Mevissen: Feuerwehr probt den Erstfall

114 Feuerwehrleute simulierten bei einer Großübung einen Brand auf dem 20 000 Quadratmeter großen Gelände von Mevissen-Holz.

Viersen. Kurz nach 19 Uhr dämmert es langsam an diesem Freitagabend. Der Schein des Blaulichts wirkt gespenstisch. Doch auf dem Gelände von Mevissen-Holz ist zum Glück nichts Schlimmes geschehen. Die Viersener Feuerwehr führt eine Großübung durch, um bestmöglich reagieren zu können, wenn es hier einmal zu einem Brand kommen sollte.

„Es ist für uns schon ein besonderes Objekt“, sagt Feuerwehrchef Frank Kersbaum. 20 000 Quadratmeter Firmengelände mit Unmengen von Holz gibt es — und das praktisch mitten in der Stadt. Seit 1965 ist Mevissen-Holz hier ansässig. Eine angrenzende Wohnbebauung gab es da schon, aber in den vergangenen Jahren ist auf der anderen Seite auch immer mehr Gewerbe hinzugekommen.

Herbert Mevissen und Heinzdieter Scholz, die beiden Geschäftsführer des Holzhandels, sind froh, die Feuerwehr zu Gast zu haben. „Die Führungskräfte der Feuerwehr sollten hier jeden Winkel kennen“, sagt Scholz. Man sei sich der besonderen Stellung des Geländes bewusst und tue alles, damit es zunächst einmal gar nicht erst zu einem Brand komme — und wenn, dass er zu kontrollieren sei. Jährliche Wartungen, neue Elektrotechnik, regelmäßige Besuche des TÜV gehörten dazu. Und eben eine Großübung der Feuerwehr.

114 Feuerwehrmänner und -frauen sind da. Sie kommen aus Viersen, Süchteln und von der Hauptwache. Der Löschzug Dülken übernimmt derweil die Bereitschaft an der Wache, falls es in dieser Zeit irgendwo brennt. „Wichtig ist, dass wir, wenn es hier brennen sollte, in der Entstehungsphase des Brandes richtig agieren können“, sagt Kersbaum. „Denn dann kommt es nicht zum Großbrand.“ Das A und O wird das Wasser sein, denn davon wird viel gebraucht. Wo sind Hydranten? Wie ergiebig sind sie? Was ist mit der betriebseigenen Zisterne? Wie schnell steht eine Wasserversorgung vom Hammer Bach aus?

Das Wasser erweist sich tatsächlich schnell als Problem. Denn ein Hydrant liegt auf der Kreuzung Freiheitsstraße / Ernst-Moritz-Arndt-Straße. Der würde im Ernstfall auch genutzt, aber für eine Übung wird nicht über Stunden diese Kreuzung gesperrt. Ohne diesen Hydranten reicht es nicht.

Für viele junge Einsatzkräfte ist es die erste große Übung. Sie lernen, sich in ein großes Geschehen einzufügen. Und es passieren auch unerwartete Dinge. „Schlauchwagen defekt“ hört Einsatzleiter Rainer Höckels plötzlich über Funk. Mit den insgesamt zwei Kilometern an B-Schläuchen, die auf diesem Wagen sind, sollte die Leitung zum Hammer Bach gelegt werden. Am Ende klappt es auch, denn ein anderes Fahrzeug nimmt den Wagen an die Abschleppstange.

Im „Container“ wird die Lage besprochen. Die Leiter der einzelnen Abschnitte kommen zusammen, verteilen Menschen und Material. Auch die Eigentümer würden im Ernstfall hier sitzen, um Auskunft geben zu können. Dass auf dem Gelände auch ein Diesel-, ein Öl- und ein Tank für Imprägnierflüssigkeit sind, schätzt die Feuerwehr nicht als großes Problem ein. „Aber wir müssen es wissen, dass es so etwas gibt“, unterstreicht Kersbaum.

Vieles, was noch geübt wird, sieht man auf den ersten Blick gar nicht. Die Führungsebene ist mit digitalen Funkgeräten ausgerüstet. Die sind in der Handhabung etwas anders als die analogen, daran müssen sich alle gewöhnen. Aber die Stimmen klingen klar und deutlich. Auch die Rückkopplungen, die entstehen, wenn zwei Leute zu nah aneinander stehen, sind verschwunden.

Außerdem testet die Wehr gerade eine neue Software für Großschadenslagen. Am Computer kann die Einsatzleitgruppe dann jede Bewegung der Fahrzeuge, wer wem unterstellt ist und welches Fahrzeug für was zur Verfügung steht, eingeben, verschieben und bewerten. Gedacht ist eine solche Software auch für Unwetter, in denen manchmal 80 Einsatzstellen in zwei Stunden abgearbeitet werden, über die man den Überblick behalten muss.

Nach zwei Stunden ist die Übung beendet. Die Schläuche werden aufgerollt, die Fahrzeuge beladen, die Zisterne ist wieder gefüllt. Eine ausführliche Besprechung mit allen Löschgruppen wird noch folgen.