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Mehrkosten bei Tiefensammler - Stadt Viersen beauftragt Anwaltskanzlei

Größte Baustelle in Viersen : Tiefensammler: Stadt beauftragt externe Kanzlei

Wer soll die 2,8 Millionen Euro Mehrkosten bezahlen? Ein Anwalt hilft jetzt der Stadt.

(mrö) In weniger als drei Monaten soll Viersens größte Baustelle unter der Freiheitsstraße abgeschlossen sein. Noch völlig offen ist aber die Frage, wer die 2,8 Millionen Euro Mehrkosten zahlen soll, die beim Bau des „Tiefensammler“ genannten großen Regenrückhaltebeckens entstanden sind. Die Stadt Viersen hatte die NEW mit dem Bau des Regenrückhaltebeckens beauftragt. Die aber sieht die Stadt in der Pflicht. Damit die zusätzlichen Kosten nicht bei den Viersener Gebührenzahlern hängen bleiben, hat die Stadt Viersen jetzt eine externe Kanzlei beauftragt.

Im Mai 2020 war es bei Unterwasser-Bauarbeiten in 13 Meter Tiefe zu Problemen gekommen; mehrere Rohre wurden aufgeschwemmt und beschädigt. Um das bei den weiteren Arbeiten zu verhindern, hatte die von der NEW beauftragte Baufirma die Rohre mit Betonquadern beschwert. Das kostete fünf Monate Bauzeit — eigentlich hätten die Arbeiten bereits im Juli beendet sein sollen — und rund
2,8 Millionen Euro.

Boden soll stellenweise
verklebt gewesen sein

Die Probleme hatte die NEW erst auf Anfrage im September 2020 öffentlich eingeräumt. Ursache der Schäden sei ein in Deutschland bisher einzigartiges Phänomen, hieß es in einem Gutachten, das die NEW Viersens Politikern hinter verschlossenen Türen präsentierte. Der Boden sei stellenweise verklebt gewesen, wie es sonst eher im Mittelmeerraum üblich sei. Die Bauausführung sei nicht ursächlich für die Schäden. Ergo: Die NEW müsse nichts zahlen. „Das Bodenrisiko liegt hier grundsätzlich beim Auftraggeber“, sagte ein NEW-Sprecher damals – also bei der Stadt Viersen, die die gesamten Baukosten über die Schmutzwassergebühren auf den Gebührenzahler umlegt.

Das sieht ein von der Stadt Viersen beauftragtes Gutachterbüro anders. So habe es durchaus Hinweise auf Risiken durch die Bodenbeschaffenheit gegeben, seien entsprechend Sondermaßnahmen zu berücksichtigen gewesen, heißt es in dessen Gutachten. Es gebe aber, so die Gutachter, Hinweise, dass diese Sondermaßnahmen nicht umgesetzt wurden.

Ebenfalls noch ungeklärt: Ob die Schwierigkeiten beim Bau ursächlich sind für eine Absackung der Freiheitsstraße auf einer Fläche von 16 Quadratmetern im Mai 2020. Wirklich behoben scheinen die Probleme in dem Bereich gegenüber der Viersener NEW-Zentrale noch nicht zu sein.

In den vergangenen Tagen sah man mehrfach Bauarbeiter Messungen vornehmen, weil es dort erneut zu Abenkungen der Fahrbahn gekommen sein
soll.