„Mahnwache“ ohne Zwischenfälle

Kundgebung der NPD und Gegendemonstration: Anlass war ein Urteil in Sachen sexueller Missbrauch.

Dülken. Mit etwa 30 Personen hat die NPD am Samstag eine sogenannte „Mahnwache“ an der Kreuzung Bodelschwinghstraße/Buscher Weg abgehalten. Die Veranstaltung verlief ohne Zwischenfälle, die Polizei war mit zahlreichen Beamten angerückt, weil auch eine Gegendemonstration gegen die Kundgebung angekündigt worden war, zu der jedoch nur wenige kamen.

Trotzdem war die Stimmung emotional aufgeladen zwischen den Kontrahenten. Denn es gehe nicht um die Sache, so versicherte die Organisatorin der Gegendemo, eine junge Frau aus Viersen, sondern lediglich darum, dass sie keinen Aufmarsch von „Nazis“ haben wolle. „Bunt statt Braun“ stand dann auch auf den selbstgemalten Plakaten — und „Weg mit der NPD“.

Die „Sache“, das ist ein Urteil, das nicht nur bei der Familie des Opfers einer Straftat für Unverständnis gesorgt hat. Die Mutter eines inzwischen 15-Jährigen, der von einem Nachbarn sexuell missbraucht worden war, hatte sich an die rechte Partei gewandt.

„Ich habe als Griechin die NPD eingeschaltet, und die waren diejenigen, die mir geholfen haben“, sagt sie. Über das, was geschehen ist, möchte sie nicht reden. „Nicht mehr“, erklärt sie.

In einem ersten Prozess in Mönchengladbach war der Täter im Juni 2012 zu zwei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt worden. In der Berufungsverhandlung — der Verurteilte war gegen das Urteil angegangen — im vergangenen Monat erhielt er eine Strafe von zwei Jahren auf Bewährung. Der Viersener soll erst vor kurzem in das Haus nach Dülken gezogen sein, vor dem die NPD jetzt gemeinsam mit der Mutter demonstrierte.

Der Krach von Mahnwache und mit Trillerpfeife unterstützter Gegendemonstration lockte viele neugierige Nachbarn vor die Tür. Nur einige kennen den Mann, dessen Bild auf einem Flugblatt abgedruckt ist, das die NPD-Leute verteilen. Eine Nachbarin, Mutter von vier Kindern, hat sich der Mahnwache angeschlossen. Sie wolle nicht, dass „so jemand“ in der Nähe ihrer Kinder sein könne.

Die meisten reagieren aber achselzuckend. „Hier wohnt so viel gemischtes Volk, den kennen wir nicht“, sagt ein älterer Mann achselzuckend. Eine Frau geht auf die Mutter zu, wünscht ihr Kraft und sagt, sie finde das „gut, was Sie machen“. Sich hier allerdings Seite an Seite mit der NPD hinstellen möchte sie nicht.

Andere sagen das deutlicher. „Dass jemand, der Kinder missbraucht, mit einer Bewährungsstrafe davonkommt, heiße ich nicht gut, das gehört angeprangert“, sagt eine Frau mittleren Alters. „Vielleicht sogar mit einer Mahnwache. Aber doch nicht gemeinsam mit Rechten.“

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