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Landwirte in Viersen in Sorge wegen afrikanischer Schweinepest

Kreis Viersen : Landwirte fürchten die Schweinepest

Im Süchtelner Gehege leben wieder Wildschweine. Bauern sehen in ihnen ein Risiko. Sie bangen um ihre Existenz.

Landwirt Thomas Gartz hat es aus der Zeitung erfahren: Ab sofort leben wieder Wildschweine im Wildgehege auf den Süchtelner Höhen. „Als ich das gelesen habe, habe ich gedacht: ,Das darf doch nicht wahr sein.’ Für mich stand eine Stunde lang die Welt still“, sagt der 34-Jährige. Gartz züchtet in Viersen-Dülken Schweine, er hat 200 Sauen, rund 2000 Masttiere. Was einige seiner Kollegen und er nicht nachvollziehen können: „Muss das sein, dass die Stadt wieder Wildschweine auf die Süchtelner Höhen bringt – gerade jetzt, wo die afrikanische Schweinepest einen großen Sprung Richtung Deutschland gemacht hat?“ Für Gartz sind die fünf neuen Tiere in Süchteln „ein unnötiges zusätzliches Risiko“. Denn Besucher könnten sie mit Wurst füttern, die von dem Virus befallen ist. Die Folge: Die Wildschweine sind infiziert, sie sterben – und Gartz und seine Kollegen müssten um ihre berufliche Existenz bangen.

In Polen nahe der Grenze zu Deutschland, auch im benachbarten Belgien war die Tierseuche zuletzt nachgewiesen geworden. Sollte sie in Deutschland bei einem Wild- oder Hausschwein nachgewiesen werden, dürften auch Viersens Landwirte kein Fleisch mehr exportieren. „Und jeden Tag haben wir weiteren Preisverfall“, sagt der Viersener. Sollte die Tierseuche im Kreis Viersen nachgewiesen werden, „wäre das so, als würde über uns eine Käseglocke gestülpt und wir würden isoliert“, sagt Gartz.

Kreislandwirt Paul-Christian Küskens kann den Unmut der Kollegen über die Wildschwein-Aktion der Stadt nachvollziehen. „Es wäre vielleicht nicht verkehrt gewesen, vorher offen damit umzugehen“, sagt er – so sei etwa die Kreisbauernschaft über das Vorhaben nicht informiert worden. Stefan Seidel, Fraktionsvorsitzender der Viersener CDU, pflichtet ihm bei: Er habe mehrere Anrufe von Landwirten erhalten, die sich beschwerten, weil die Stadtverwaltung weder zu ihnen noch der Jagdgenossenschaft oder dem Kreis-Veterinäramt Kontakt aufgenommen haben soll, erzählt er. Offensichtlich unterscheide sich die Risokobewertung der Stadt von jener der anderen Akteure.

Um das Gehege wurden
doppelte Zäune aufgebaut

Viersens Stadtsprecher Frank Schliffke sagt: „Die Absicherung des Bereiches der Wildschweine im Wildgehege ist in enger Abstimmung mit dem Kreis Viersen erfolgt. Unter anderem sind hier doppelte Zäune aufgebaut.“ Wenn Mitarbeiter der Stadt das rund 6000 Quadratmeter große Gelände betreten, „tragen sie ausschließlich für diesen Zweck beschaffte Gummistiefel“. Die Mitarbeiter müssten die getragenen Stiefel ebenso wie benutzte Geräte in Desinfektionswannen reinigen. Auch die Besucher sollen sensibilisiert werden. So sollen Schilder mit dem Hinweis auf die afrikanische Schweinepest und einem Fütterungsverbot am Zaun angebracht werden. Für Donnerstag sei auch noch ein Besichtigungstermin mit dem Kreis-Veterinäramt vereinbart. Dabei handle es sich um eine Routinekontrolle nach Wiederbelebung eines Bestands, informiert der Kreis Viersen. Schliffke betont, dass die Sicherheitsmaßnahmen über die rechtlichen Anforderungen hinausgingen. Deshalb und weil es „in Deutschland eine Vielzahl von Gehegen mit Schwarzwild gibt, sieht die Stadt Viersen in der Gruppe der Wildschweine im Wildgehege keine besondere Gefahr oder ein höheres Risiko hinsichtlich der Verbreitung der afrikanischen Schweinepest“.