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Kreis Viersen: Digitalisierungoffensive startet auf dem Kapellenhof in Niederkrüchten

Digitalisierung im ländlichen Bereich : Kreis startet digitales Pilotprojekt am Kapellenhof

Ein neues Funknetz wurde auf dem Kapellenhof in Niederkrüchten in Betrieb genommen. Der Kreis bietet das Netz LoRa-WAN als Internet der Dinge auch weiteren Teilnehmern vor allem im ländlichen Bereich an.

(hb) Ein kleiner Klick für die Technik, ein großer Kick für den Kreis Viersen. Es geht um einen Sensor an der Tür des Hühnermobils auf dem Kappelenhof in Niederkrüchten. Drahtlos werden die Daten in eine Cloud geschickt, auf einer App von Landwirt Bastian Iborg erscheint die Nachricht „Tür ist zu“. Er muss dann nicht mehr persönlich nachsehen, ob die Türen seiner drei Hühnermobile abends geschlossen und morgens wieder automatisch geöffnet sind.

Auf seinem Hof hat jetzt der Kreis Viersen sein Pilotprojekt mit LoRa-WAN gestartet. Fachleute sprechen vom Internet der Dinge oder von Industrie 4.0. Es dreht sich um ein neues Funknetz. Der geheimnisvolle Name steht für Long Range Wide Area Network, zu deutsch: Netzwerk für weite Entfernungen, und ermöglicht die Mobilität von Dienstleistungen. Kleine Datenpakete werden über große Entfernungen verschickt, erläutert Christian Böker, Leiter des Amtes für Digitale Infrastruktur und Verkehrsanlagen.

Für Landwirt Iborg erleichtert sie den Arbeitsalltag. Die Sensoren an den Hühnermobilen zeigen an, ob die Türen offen oder geschlossen sind. Schlechte Zeiten für den Fuchs, der nachts schon mal vorbeischaut. Auf dem Kappelenhof gibt es drei dieser Hühnermobile. Insgesamt sind damit 950 Hühner unterwegs. Vollautomatisch gehen um 10 Uhr die Klappen auf, die freilaufenden Hühner können sich dann frei auf der Wiese bewegen. Nur die Eier, die die braun gefiederten Lohmannhühner legen, werden noch per Hand eingesammelt. Sie kommen in die Direktvermarktung des Hofes, sind aber auch im Edeka-Markt in Elmpt zu erhalten.

Nach dem erfolgreichen Start beabsichtigt der 33-jährige Landwirt, die Technik noch für weitere Anwendungen zu nutzen. So sollen demnächst Sensoren den Füllstand des Futtersilos für die Milchkühe messen oder im Sommer die Feldbewässerungsanlage online überwachen.

Hinter dem Netz steht keiner der großen Netzbetreiber, sondern der Kreis Viersen selber. Das neue flächendeckende Funknetz ist neben dem Ausbau des Breitband- und Mobilfunknetzes Teil der Digitalisierungsoffensive des Kreises. „Eine flächendeckende digitale Infrakstruktur ist ausschlaggebend für die Zukunftsfähigkeit unserer Region“, sagt Landrat Andreas Coenen (CDU). „Ich freue mich, dass es jetzt mit einem praktischen Anwendungsbeispiel in der Landwirtschaft losgeht.“ Coenen war eigens auf den Kapellenhof gekommen, um den offiziellen Start mitzuerleben.

Die Technik kommt vor allem in Außenbereichen auf dem Lande, abseits von Gebäuden mit direktem Breitband- oder Mobilfunkanschlüssen, zum Einsatz. „Das Beispiel des Kapellenhofes zeigt: Digitalisierung ist längst nicht nur ein Thema für große Unternehmen. Auch für andere berufliche wie auch private Bereiche gibt es viele praktische Anwendungsmöglichkeiten. Unser Pilotprojekt ist erst der Anfang“, sagt Andreas Budde, Dezernent für Planen, Bauen und Umwelt des Kreises Viersen. Auch er war nach Niederkrüchten gekommen.

In der Tat sollen bis Ende des Jahres zwei weitere Projekte mit dieser neuen Funktechnologie folgen. Im Niederrheinischen Freilichtmuseum in Grefrath sollen Sensoren die Besucherzahlen in den verschiedenen Bereichen des Außengeländes erfassen. Und in Viersen will der Abfallbetrieb diese neue Technik testen. „Dort will man den Füllstand der Altkleidercontainer vom Büro aus abrufen und den Turnus für die Leerung anpassen können“, erläutert Sebastian Cüsters, Projektverantwortlicher und Breitbandkoordinator im Kreis Viersen. „Auch die Gemeindewerke Grefrath haben Interesse am Einsatz der neuen Technik, zum Beispiel um Heizungen aus der Ferne ablesen zu können.“ Im Laufe des Jahres 2021 soll das Netz dann im Kreisgebiet flächendeckend zur Verfügung stehen.

Der Kapellenhof ist nicht nur erste landwirtschaftliche Betrieb mit dieser neuen Technik, er gehörte auch zu den Pionieren in der Mobilstallhaltung. Im Jahr 2018 entschloss sich das Ehepaar Iborg, vom Stall auf Mobilställe umzustellen. Die Zahl der Hühner wuchs so von 200 auf knapp 1000. Die Hühner, die im Jahr jeweils rund 300 Eier legen, bleiben zwölf, 13 Monate im Stall. Danach werden sie fünf Kilometer zum Schlachthof gebracht. Auf Vorbestellung können die Kunden im Hofladen dann ein Suppenhuhn
erwerben.