Kreis Viersen: Debatte zu den Kosten des Kreisarchivs

Bauvorhaben am Ransberg : Politik diskutiert über Kreisarchiv

In einer Sondersitzung des Kreisausschusses wurde über die Kosten für den Neubau gesprochen.

Wer wusste beim Neubau des Kreisarchivs wann, wie viel teurer das Gebäude am Ransberg werden würde? Licht ins Dunkel sollte eine Sondersitzung des Kreisausschusses bringen. Die SPD hatte sie beantragt, nachdem der Landrat bei der Haushaltseinbringung eine erste valide Kostenschätzung von 14,7 Millionen Euro genannt hatte. Zuvor war stets von Baukosten von 8,9 Millionen Euro plus einem Sicherheitszuschlag von 20 Prozent die Rede gewesen.

Landrat Coenen wehrt
sich gegen die Vorwürfe

Nicht nur die SPD zeigte sich verschnupft. „Ich hatte Schnappatmung, als der Landrat die Zahl genannt hat“, sagte Irene Wistuba (FDP). Sie kritisierte die Informationspolitik von Landrat Andreas Coenen (CDU). Hans Smolenaers (SPD) betonte, seine Fraktion stehe zu der nachhaltigen Bauweise – er warf der Kreisverwaltung aber vor, die Summe von 8,9 Millionen Euro „aus der Hüfte geschossen“ zu haben: „Das war keine seriöse Kalkulationsgrundlage.“ Die Baubegleitkommission habe nur dreimal getagt, über Mehrkosten sei nie gesprochen worden.

Landrat Andreas Coenen verwahrte sich gegen die Vorwürfe. Die Grobkostenschätzung von 8,9 Millionen Euro resultiere aus der im Jahr 2016 für nötig befundenen Grundfläche, die mit dem Baukostenindex für Standardbauten multipliziert worden sei. „Einen Baukostenindex für nachhaltiges Bauen von Archivgebäuden gab und gibt es nicht“, betonte der Landrat. Erst am 25. November sei der Vertrag für die erste Ausschreibung unterschrieben worden, am 9. Januar hätte er diese ersten validen Zahlen im Kreisausschuss erwähnen können – stattdessen habe er sich entschieden, dies in der Kreistagssitzung sieben Tage später zu tun. „Ich habe gesagt: Die drei Wochen warten wir noch ab, um das Projekt im Rahmen unserer Klimastrategie vorstellen zu können.“ Kreisdirektor Ingo Schabrich betonte, dass die Politik stets über Änderungen an den Planungen informiert worden sei. Dass das Gebäude gegenüber der ersten Schätzung deutlich mehr Raumbedarf haben würde, hätten alle Mitglieder des Kulturausschusses gewusst. „Wir haben es in den Sitzungen erklärt“, so Schabrich. „Solche Informationen gehören nicht in den Kulturausschuss, sondern in den Finanzausschuss oder in die Baukommission“, kritisierte Hans-Joachim Kremser (SPD). „Wer sich erkundigt hätte, wusste, dass es teurer würde“, sagte Günter Werner (CDU). Kämmerer Thomas Heil betonte, dass die Kostensteigerung keinen negativen Einfluss auf die Kreisumlage haben werde. Durch die Baukosten entstehe ein entsprechend wertvolles Anlagegut. Angesichts einer guten Liquiditätslage des Kreises müsse kein Kredit aufgenommen werden, Zinsen fallen nicht an. „Die nachhaltige Bauweise des Kreisarchivs entlastet aber die Kreisumlage“, erklärte der Kämmerer. „Denn die Werte für Bewirtschaftung liegen deutlich unter denen eines konventionellen
Baus.“