Kirschhof: Als Knechte in Kammern wohnten

Kirschhof: Als Knechte in Kammern wohnten

Der 375 Jahre alte Kirschhof ist ein ganz besonderes Gebäude. Er steht in Hagen, das früher zu Oedt gehörte.

Süchteln. Den Kopf muss man ab und zu schon einziehen — zumindest, wenn man größer als 1,75 Meter ist. Denn sonst kann man sich in dem jetzt 375 Jahre alten Kirschhof in Süchteln-Hagen (früher Oedt-Hagen) an manchen Stellen empfindlich wehtun.

Doch diese Vorsicht lassen die Menschen, die den im Vennbruch gelegenen Hof besuchen, zu Veranstaltungen der Viersener Heimatfreunde kommen, ihren Geburtstag oder ihre Hochzeit dort feiern, sicher gerne walten. Das Gebäude, eingebettet in die typische und idyllische niederrheinische Landschaft, ist ein ganz besonderes. Es vermittelt Baugeschichte und bäuerliches Leben in früheren Zeiten. Heute ist es das Zuhause von Diplom-Designerin Monika Röhm.

Der Hof gehört zum Typ des niederrheinischen Hallenhauses mit dreigeteiltem Grundriss. Es wurde in Ständebauweise (eine Eichenholzkonstruktion) errichtet. Fünf Ständerpaare tragen das Krüppelwahndach mit Aufschiebungen. Die Giebel schützen erneuerte Simsdächer.

Das Gebäude ist 19,5 Meter lang und über 12 Meter breit. Es gibt unter anderem eine große Kammer, einen Stalltrakt und eine Wohnküche mit Kamin. Das Mittelschiff ist etwa sechs Meter breit und das Kerngefüge dort mehr als sechs Meter hoch. Die Fachwerkaußenwände sind mit Feldbrandsteinen ausgemauert. Die Gefache der Innenwände sind fast alle mit Lehmfechtwerk ausgeführt. Alle Böden waren bis zur Renovierung vor einigen Jahrzehnten noch lehmgestampft.

Das innere Gefüge des Hofes ist fast nahezu vollständig erhalten geblieben. Die Kopfstreben sind zum Teil kreuzförmig ausgeschnitten. Im Wohnteil sind die Sturzriegel über den Türen kielbogenförmig ausgebildet. Die Raumaufteilung blieb bei der Renovierung 1971 bis 1974 im Wesentlichen erhalten.

Früher gab es einen Kuhstall, wie auch einen Pferdestall und zwei Kammern für Pferdeknechte. Von jeder Kammer führte eine Tür zur „Deele“. Im Haus befand sich früher auch ein Ziehbrunnen.

Im Kirschhof ist früher auch eine Zeit lang gewebt worden, denn Oedt war ja ein Weberdorf. Und bis zur kommunalen Neugliederung in den 70er Jahren hat die Honschaft Hagen mit eigener Schule zu Oedt gehört.

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