Junge Helfer in Afrika

Junge Helfer in Afrika

Vier Wochen auf Arbeitseinsatz: Drei Krankenpflegeschüler aus Viersen berichten.

Viersen. Fatma Sahan ist von ihren Eindrücken überwältigt. „Wir waren in echten Luxus-Unterkünften untergebracht“, erzählt sie. Luxus heißt: elektrisches Licht und fließendes Wasser. „Außer in unserem Kolpinghaus gab es das nur bei den Priestern und Nonnen. Die Dorfbewohner holten ihr Trinkwasser aus einer Wasserstelle.“

Foto: NN

Der Hintergrund ihres Abenteuers: Jedes Jahr bietet das St. Irmgardis-Krankenhaus in Viersen-Süchteln seinen Gesundheits- und Krankenpflegeschülern die Möglichkeit zu einem vierwöchigen Arbeitseinsatz in Afrika. Organisiert wird er über die Kolping-Jugend-Gemeinschaftsdienste und erstmalig über den Verein „Hilfe für Ntotroso“.

Im vergangenen Jahr traten drei junge Menschen die Reise an: Neben Fatma Sahan, die nach Tansania flog, waren es Matthias Maciey (Kenia) und Alexander Wallace (Ghana). „In den vier Wochen in Kenia habe ich so viele Eindrücke gesammelt, die ich nicht mehr missen möchte“. Dieses Fazit zieht Matthias Maciey. Er war in der Geburtshilfe und auf einer HIV-Station im Einsatz. Außerdem erteilte er Deutsch-Unterricht in einer Schule, half bedürftigen Menschen mit Lebensmitteln und Arbeit und unterstützte die Errichtung einer Baumschule.

Eine anstrengende Zeit, die viel zum Nachdenken geführt hat. Kinder, für die Bildung ein Privileg ist und die dafür jeden Weg in Kauf nehmen. Die in der Schulpause ihre HIV-Medikamente abholen. „Auf solche Situationen kann man sich nicht vorbereiten“, sagt der junge Mann.

Einer der schönsten Momente seiner Reise war, als eine Mutter, der er bei der Geburt geholfen hatte, ihren Sohn nach ihm benannte. „Das war schon beeindruckend.“

Alexander Wallace machte Erfahrungen auf der Schwangeren- und Wöchnerinnen- und der Kinder-Station. Darüber hinaus war er auch in der Notaufnahme, im OP und in der Zahnklinik im Einsatz. „Trotz aller Unterschiede war ich überrascht, dass es gerade im Versicherungssystem Ähnlichkeiten gab. Alle sechs Monate soll eine zahnärztliche Vorsorge stattfinden, wobei die Versicherung die einfachsten Kosten übernimmt“, erzählt er.

Ein Gesundheitssystem gibt es in Tansania, dem Ziel von Fatma Sahan, nicht. Jeder Patient muss für seine Behandlung selbst aufkommen. Die junge Frau berichtet von zwei großen Krankensälen: einer für Frauen, einer für Männer. „Mit Händen, Füßen und einem Zettel mit ein paar kisuahelischen Begriffen haben wir versucht, uns mit den Patientinnen zu verständigen. Das hat auch geklappt, auch wenn viel geschmunzelt wurde“, erinnert sich Fatma Sahan, die mit mehreren Deutschen vor Ort war.

Am letzten Abend verabschiedete sich die Gruppe mit einem deutschen Abend von den Dorfbewohnern: Man kochte deutsche Gerichte. Rotkohl und Kartoffelklöße fanden in Tansania allerdings keine neuen Freunde. „Aber unser Nachtisch war der Hit“, so Fatma Sahan. Es gab Wackelpudding.

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