Iris Berben: Von starken Frauen lernen

Iris Berben: Von starken Frauen lernen

Die Schauspielerin stellte zum Abschluss der Nettetaler Literaturtage ihr neues Buch „Frauen bewegen die Welt“ vor.

Nettetal. So viel Leid, so viele Tränen. Und doch rafft sich Esther Mujawayo auf: "Die Mörder sollen mich lachen sehen", macht sich die Witwe aus Ruanda selber Mut. Ihr Mann, ihre Verwandten wurden Opfer des Völkermordes. Esther schlägt sich mit drei Töchtern durch, gründet Selbsthilfegruppen für ruandische Witwen, erhebt weltweit ihre Stimme gegen das Vergessen.

Von dieser "starken Frau" erzählte Iris Berben vor über 500 Zuhörern in der Nettetaler Werner-Jaeger-Halle - und löste damit tiefe Betroffenheit aus: "Ich würde Sie jetzt gern ein paar Minuten sich selbst überlassen", meinte die Schauspielerin, als sie die Beklemmung im Publikum spürte.

"Das wird kein unterhaltsamer Abend", hatte die Schauspielerin zu Beginn verkündet. Sie las zum Abschluss der achten Nettetaler Literaturtage aus ihrem Buch "Frauen bewegen die Welt". Und schloss damit einen Reigen, in dem Texte über Frieden, Völkerverständigung und Gerechtigkeit die Höhepunkte bildeten: Ernesto Cardenal aus Nicaragua hatte zur Einstimmung in die Literaturtage ein Plädoyer für die Liebe gehalten, Roger Willemsen stellte Menschen am Rande der Gesellschaft in Bangkok vor - und nun also Iris Berben mit Frauenschicksalen aus aller Welt.

"Wenn du überleben willst, musst du dir bewusst machen, was dir geblieben ist, nicht, was du verloren hast", zitierte Iris Berben ihre ruandische Heldin Esther. Von Tina Witkowski berichtete sie, die sich nach eigener schlimmer Kindheit um vernachlässigte Kinder in Deutschland kümmert.

Von der Amerikanerin Cindy Sheehan, die im Irak-Krieg ihren Sohn verlor und die Anti-Kriegs-Bewegung neu entfachte. Ohne Pathos schilderte Berben das verzweifelte und erfolgreiche Aufbegehren starker Frauen.

Erst Stille, dann umso kräftiger der Schlussapplaus. Kein Starrummel an diesem bewegenden Abend um die beliebte Schauspielerin: Was wirkte, war ihr Anliegen, "dass auch eine einzelne Person, eine Frau, etwas bewirken kann".

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