Hilfe für Hauptschüler

Hilfe für Hauptschüler

An einem bundesweit neuen Projekt sind auch drei Schulen im Kreis Viersen beteiligt.

Kreis Viersen. Der Hauptschüler, nennen wir ihn René, ist 15 Jahre alt und steckt mitten in der Pubertät: Auf Unterricht und Hausaufgaben hat er also nicht besonders viel Lust. Gerade haben sich seine Eltern getrennt, und die Mutter, bei der der Neuntklässler lebt, muss von morgens bis abends arbeiten. René verbringt die Nachmittage auf der Straße, seine schulischen Leistungen werden immer schlechter und der Abschluss ist gefährdet. Ein Fall für Ingrid Schneider und Dennis Küchmeister.

Die 60-Jährige und ihr 31-jähriger Kollege sind ab sofort "Berufseinstiegsbegleiter" in Dülken. In diesem deutschlandweit neuen Projekt der Bundesagentur für Arbeit sollen ausgebildete Fachkräfte leistungsschwachen Schülern beim Übergang vom Klassenzimmer in den Ausbildungsbetrieb helfen.

Insgesamt tausend Schulen nehmen daran teil, im Kreis Viersen sind es drei: die Dülkener Ostschule, die Gemeinschaftshauptschule Am Ingenhovenpark in Nettetal und die Johannesschule in Anrath.

"Wir haben Schulen ausgewählt, die einen hohen Migrantenanteil haben und die viele Schüler ohne einen Abschluss verlassen", erklärt Sebastian Stengel, Teamleiter Berufsberatung bei der auch für den Kreis Viersen zuständigen Agentur für Arbeit Krefeld. 25 Plätze gebe es derzeit für die neunten Klassen, im Sommer soll das freiwillige Angebot auf 35 Plätze erhöht werden. Zielgruppe sind laut Stengel "schwierige, aber nicht aussichtslose Fälle".

In der vorletzten Klasse vor dem Abschluss beginnt die neue Hilfe. Dazu gehören regelmäßige Einzelgespräche mit den Schülern, die Vermittlung von Nachhilfe, Kurz-Praktika in Betrieben (die Kreishandwerkerschaft ist Projektpartner) und die Einbeziehung der Familien. Die Eltern müssen ihr Einverständnis geben, wenn ihr Kind teilnehmen soll.

Wie konkret die Begleitung aussehen kann, verdeutlicht Ingrid Schneider an einem Beispiel: "Wir spielen auch mal den Wecker und rufen die Schüler morgens an." Im Vordergrund stehen der erfolgreiche Abschluss und die Vermittlung eines Ausbildungsplatzes.

Ein halbes Jahr danach soll die Begleitung enden - zumindest im Idealfall. Kommt der Schüler oder die Schülerin allerdings nicht in einem Betrieb unter, wird die Hilfe auf bis zu zwei Jahre nach Schulende verlängert. "Die Jugendlichen brauchen eine Stütze, bis sie selbst laufen können", sagt die "Berufseinstiegsbegleiterin".

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